Was ist eine Sondertilgung?
Eine Sondertilgung ist eine Extrazahlung auf einen laufenden Kredit, die über die vereinbarte Rate hinausgeht. Sie fließt vollständig in die Tilgung und senkt die Restschuld sofort. Weil die Zinsen ab dann nur noch auf die geringere Schuld berechnet werden, wird bei gleichbleibender Rate in den Folgemonaten ein größerer Teil davon zur Tilgung.
Bedeutung hat das vor allem beim Annuitätendarlehen mit fester Zinsbindung, also bei den meisten Baufinanzierungen. Die Bank hat mit festen Zinseinnahmen kalkuliert und muss vorzeitige Zahlungen deshalb nicht ohne Weiteres annehmen. Wer flexibel bleiben will, muss sich das Recht dazu im Vertrag sichern.
Rechenbeispiel: 5.000 Euro im Jahr extra
Wie stark eine Sondertilgung wirkt, zeigt ein Vergleich desselben Kredits mit und ohne Extrazahlung. Zur Vereinfachung ist angenommen, dass der Zinssatz über die gesamte Laufzeit gleich bleibt.
Angenommen: Darlehen 200.000 Euro, Sollzins 3,5 Prozent, anfängliche Tilgung 2 Prozent, Monatsrate 916,67 Euro.
Variante A: keine Sondertilgung.
Variante B: zusätzlich 5.000 Euro am Ende jedes Jahres (2,5 Prozent der Darlehenssumme).
Nach 10 Jahren hat Variante B insgesamt 50.000 Euro sondergetilgt.
Restschuld nach 10 Jahren: A 152.188,73 Euro, B 93.377,77 Euro.
Unterschied: 58.810,96 Euro, also 8.810,96 Euro mehr als die Summe der Sondertilgungen.
| Kennzahl | Ohne Sondertilgung | Mit 5.000 Euro pro Jahr |
|---|---|---|
| Monatsrate | 916,67 € | 916,67 € |
| Zinsen in den ersten 10 Jahren | 62.189,13 € | 53.378,17 € |
| Restschuld nach 10 Jahren | 152.188,73 € | 93.377,77 € |
| Laufzeit bis schuldenfrei | 29 Jahre | knapp 17 Jahre |
| Zinsen über die gesamte Laufzeit | rund 118.400 € | rund 65.200 € |
Die Ersparnis verstärkt sich mit der Zeit. In den ersten zehn Jahren sinken die Zinskosten um rund 8.800 Euro. Über die gesamte Laufzeit sind es mehr als 50.000 Euro, weil der Kredit zwölf Jahre früher getilgt ist. In der Praxis endet die Zinsbindung meist vorher, die niedrigere Restschuld macht die Anschlussfinanzierung aber in jedem Fall kleiner und weniger anfällig für steigende Zinsen.
Warum die Wirkung größer ist als der eingezahlte Betrag
Eine Sondertilgung ist wirtschaftlich nichts anderes als eine Geldanlage zum Kreditzins. Jeder Euro, der die Schuld senkt, erspart ab sofort Zinsen in Höhe des Sollzinses, sicher und ohne Steuerabzug. Diese ersparten Zinsen werden bei gleicher Rate automatisch zur Tilgung. Daher kommt der zusätzliche Schuldenabbau von 8.810,96 Euro im Beispiel.
Daraus folgt eine einfache Vergleichsregel: Eine Sondertilgung bei 3,5 Prozent Kreditzins wirkt wie eine risikolose Rendite von 3,5 Prozent nach Steuern. Ein Festgeld müsste dafür vor Abzug von Kapitalertragsteuer und Solidaritätszuschlag rund 4,75 Prozent bringen, sofern der Sparerpauschbetrag bereits ausgeschöpft ist. Mit Aktien sind höhere Renditen möglich, aber eben nicht sicher.
Was das Gesetz erlaubt und was der Vertrag regeln muss
Immobilienkredite
Bei Immobiliar-Verbraucherdarlehen mit gebundenem Sollzins gibt es kein allgemeines Recht, jederzeit Teilbeträge zurückzuzahlen. Vorzeitig erfüllen dürfen Kreditnehmer nach § 500 BGB nur, wenn sie ein berechtigtes Interesse haben, etwa beim Verkauf der Immobilie, und dann in der Regel gegen eine Entschädigung. Kostenlose Sondertilgungen gibt es deshalb nur, wenn sie vereinbart sind.
Üblich sind Klauseln, nach denen pro Kalenderjahr 5 oder 10 Prozent der ursprünglichen Darlehenssumme zusätzlich getilgt werden dürfen. Manche Banken bieten das ohne Aufpreis an, andere verlangen dafür einen kleinen Zinsaufschlag. Beim Vergleich kommt es auf die Details an:
- Bezugsgröße: Prozent der ursprünglichen Summe oder der aktuellen Restschuld?
- Verfall: Ein nicht genutztes Recht verfällt meist zum Jahresende und lässt sich nicht ins Folgejahr übertragen.
- Mindestbetrag: Oft sind Zahlungen erst ab 1.000 oder 2.500 Euro möglich.
- Wirkung: Verkürzt die Zahlung die Laufzeit bei gleicher Rate, oder darf die Rate neu berechnet werden?
Ratenkredite und andere Verbraucherkredite
Bei einem Ratenkredit ist die Lage für Verbraucher günstiger. Allgemein-Verbraucherdarlehen dürfen nach § 500 Abs. 2 BGB jederzeit ganz oder teilweise vorzeitig zurückgezahlt werden. Die Bank kann zwar eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen, diese ist aber auf 1 Prozent des vorzeitig gezahlten Betrags begrenzt, bei einer Restlaufzeit von höchstens einem Jahr auf 0,5 Prozent. Viele Anbieter verzichten ganz darauf.
Sondertilgung, Tilgungssatzwechsel oder gleich höhere Rate?
Wer weiß, dass er dauerhaft mehr zahlen kann, fährt mit einer höheren anfänglichen Tilgung meist günstiger. Banken preisen Sondertilgungsrechte teilweise in den Zins ein, eine hohe reguläre Tilgung verbessert dagegen oft die Konditionen. Der Nachteil: Die höhere Rate ist für die gesamte Zinsbindung fest.
Ein Kompromiss ist der vereinbarte Tilgungssatzwechsel. Er erlaubt, die Tilgung während der Zinsbindung ein- oder mehrmals anzuheben oder abzusenken. Sondertilgungen passen dagegen besser zu unregelmäßigen Einnahmen wie Prämien, Erbschaften, Steuererstattungen oder einem zuteilungsreifen Bausparvertrag.
Lohnt sich eine Sondertilgung immer?
Rechnerisch lohnt sie sich fast immer, praktisch nicht in jeder Lage. Geld, das in den Kredit fließt, ist gebunden. Die Bank zahlt es nicht zurück, wenn später das Dach repariert werden muss oder das Einkommen wegfällt. Vor einer Extrazahlung sollten deshalb ein paar Punkte geklärt sein:
- Reserve zuerst: Ein Notgroschen von mehreren Monatsausgaben sollte unabhängig vom Kredit verfügbar bleiben, etwa auf dem Tagesgeld.
- Teure Schulden zuerst: Ein laufender Dispo oder Ratenkredit kostet meist mehr Zinsen als die Baufinanzierung.
- Zinsniveau beachten: Bei einem sehr niedrigen Kreditzins kann eine sichere Anlage nach Steuern mehr bringen.
- Ende der Zinsbindung im Blick behalten: Zu diesem Termin lässt sich die Restschuld ohnehin frei tilgen. Kurz davor kann es sinnvoller sein, Geld bis zum Stichtag anzusparen.
Wann lohnt sich die Extrazahlung also besonders? Wenn der Kreditzins hoch ist, die Zinsbindung noch lange läuft und eine ausreichende Rücklage vorhanden ist. Dann wirkt jeder zusätzlich getilgte Euro über viele Jahre. Weniger überzeugend ist sie, wenn der Kredit zu einem sehr niedrigen Zins abgeschlossen wurde und das Geld an anderer Stelle sicher mehr erwirtschaftet, oder wenn der Haushalt dadurch finanziell zu knapp wird. Eine Sondertilgung lässt sich nicht rückgängig machen, ein neuer Kredit für unerwartete Ausgaben wäre fast immer teurer als der alte.
Gut zu wissen: Bei vermieteten Immobilien sind Kreditzinsen als Werbungskosten absetzbar. Die Steuerersparnis senkt den effektiven Zinsvorteil einer Sondertilgung, das sollte in die Rechnung einfließen.
So läuft eine Sondertilgung ab
- Vertrag prüfen: Höhe, Stichtag und Mindestbetrag des Sondertilgungsrechts nachlesen.
- Bank schriftlich mitteilen, dass die Zahlung als Sondertilgung gedacht ist, und angeben, ob sich die Laufzeit verkürzen oder die Rate sinken soll.
- Den Betrag auf das Darlehenskonto überweisen, nicht auf ein allgemeines Verrechnungskonto.
- Einen neuen Tilgungsplan anfordern und die Restschuld kontrollieren.
Wichtig ist der Zeitpunkt: Je früher im Jahr und in der Laufzeit die Zahlung erfolgt, desto größer die Zinsersparnis. Wer das Recht über mehrere Jahre nicht nutzt, verliert es für diese Jahre in der Regel endgültig, eine Nachholung ist selten vorgesehen.
Häufige Fragen
Das legt der Kreditvertrag fest. Bei Baufinanzierungen sind 5 oder 10 Prozent der ursprünglichen Darlehenssumme pro Jahr verbreitet, manche Verträge erlauben mehr. Ohne Vereinbarung besteht bei festem Zins kein Anspruch auf kostenlose Teilrückzahlungen.
Im Rahmen eines vereinbarten Sondertilgungsrechts fallen keine Gebühren an, eventuell steckt aber ein kleiner Zinsaufschlag im Vertrag. Bei Ratenkrediten darf die Bank höchstens 1 Prozent des vorzeitig gezahlten Betrags als Entschädigung verlangen, bei maximal einem Jahr Restlaufzeit 0,5 Prozent.
Meist nicht. Standard ist, dass die Rate gleich bleibt und sich die Laufzeit verkürzt. Einige Banken bieten an, die Rate neu zu berechnen, das sollte man bei der Zahlung ausdrücklich beantragen.
In den meisten Verträgen nicht. Das Recht gilt pro Kalenderjahr und verfällt, wenn es nicht genutzt wird. Einzelne Verträge erlauben eine Übertragung, das muss aber ausdrücklich geregelt sein.
Quellen und weiterführende Informationen
Gesetzestexte und Angaben der genannten Stellen in der jeweils aktuellen Fassung. Beispielrechnungen dienen der Veranschaulichung.