Was ist der Cashflow?
Der Begriff kommt aus dem Englischen und bedeutet wörtlich Geldfluss. Gemeint ist der Saldo aus Einzahlungen und Auszahlungen einer Periode, meist eines Geschäftsjahres oder Quartals. Ein positiver Cashflow heißt: Es ist mehr Geld zugeflossen als abgeflossen. Ein negativer Cashflow heißt, dass der Bestand an Zahlungsmitteln geschrumpft ist.
Der Unterschied zum Gewinn ist der Kern der Sache. Die Gewinn- und Verlustrechnung erfasst Erträge und Aufwendungen, wenn sie wirtschaftlich entstehen, nicht wenn Geld fließt. Eine Rechnung, die im Dezember gestellt und erst im Februar bezahlt wird, erhöht den Gewinn des alten Jahres, das Geld kommt aber erst im neuen. Umgekehrt mindert eine Abschreibung den Gewinn, ohne dass in diesem Jahr ein Euro das Konto verlässt.
Deshalb können Unternehmen mit ordentlichem Gewinn in Zahlungsschwierigkeiten geraten, und Unternehmen mit Verlust können gut bei Kasse sein. Der Cashflow zeigt diese Lücke und gehört zu den wichtigsten Kennzahlen, um die Liquidität eines Betriebs zu beurteilen.
Operativer, Investitions- und Finanzierungs-Cashflow
In der Kapitalflussrechnung wird der gesamte Zahlungsstrom auf drei Arten von Cashflow aufgeteilt. Erst diese Trennung macht die Zahl wirklich nützlich, denn sie zeigt, woher das Geld kommt und wofür es verwendet wird.
| Bereich | Was dazugehört | Typisches Vorzeichen |
|---|---|---|
| Operativer Cashflow | Zahlungen aus dem laufenden Geschäft: Kundenzahlungen, Wareneinkauf, Löhne, Miete, Steuern | positiv bei gesunden Unternehmen |
| Investitions-Cashflow | Kauf und Verkauf von Anlagevermögen, Beteiligungen und langfristigen Finanzanlagen | meist negativ, weil investiert wird |
| Finanzierungs-Cashflow | Aufnahme und Tilgung von Krediten, Einlagen der Eigentümer, Ausschüttungen | je nach Phase positiv oder negativ |
Der operative Cashflow ist der wichtigste der drei. Er zeigt, ob das eigentliche Geschäftsmodell Geld erwirtschaftet. Ein Unternehmen, das hier dauerhaft im Minus liegt, lebt von der Substanz oder von frischem Kapital.
Der Investitions-Cashflow ist meist negativ, und das ist in der Regel kein schlechtes Zeichen: Das Unternehmen kauft Maschinen, Fahrzeuge oder Software und baut damit Kapazität auf. Positiv wird er, wenn mehr Anlagevermögen verkauft als angeschafft wird. Das kann eine bewusste Bereinigung sein, aber auch ein Hinweis darauf, dass Vermögen zu Geld gemacht wird, um Löcher zu stopfen.
Der Finanzierungs-Cashflow bildet die Beziehung zu den Kapitalgebern ab. Nimmt ein Betrieb neues Fremdkapital auf, wird er positiv. Tilgt er Darlehen oder schüttet er eine Dividende aus, wird er negativ. Gezahlte und erhaltene Zinsen werden je nach Rechnungslegungsstandard unterschiedlichen Bereichen zugeordnet, was den Vergleich zwischen Unternehmen erschweren kann.
Direkte und indirekte Ermittlung
Für die Berechnung des operativen Cashflows gibt es zwei Wege. Beide führen bei sauberer Anwendung zum selben Ergebnis, gehen aber von unterschiedlichen Daten aus.
Direkte Methode
Bei der direkten Methode werden alle zahlungswirksamen Einnahmen und Ausgaben des laufenden Geschäfts einzeln aufgelistet und saldiert: Einzahlungen von Kunden minus Auszahlungen an Lieferanten, Mitarbeiter, Vermieter und Finanzamt. Das Ergebnis ist leicht zu verstehen. Die Methode setzt aber voraus, dass die Buchhaltung jede Zahlung sauber nach ihrer Art erfasst, was in der Praxis aufwendig ist.
Indirekte Methode
Die indirekte Methode ist in Geschäftsberichten weit verbreitet. Sie startet beim Jahresergebnis und korrigiert alle Posten, die zwar den Gewinn beeinflusst haben, aber nicht zahlungswirksam waren. Vereinfacht wird der operative Cashflow dabei so berechnet:
- Jahresüberschuss als Ausgangspunkt
- plus Abschreibungen, minus Zuschreibungen
- plus Zunahme, minus Abnahme von Rückstellungen
- minus Zunahme, plus Abnahme von Vorräten und Forderungen
- plus Zunahme, minus Abnahme von Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
- Korrektur weiterer nicht zahlungswirksamer Posten, etwa Gewinne oder Verluste aus dem Verkauf von Anlagen
Die Logik hinter Schritt 4 und 5 ist das Working Capital: Steigen die Forderungen, wurde Umsatz gebucht, aber noch nicht kassiert. Steigen die Lieferantenverbindlichkeiten, wurde Aufwand gebucht, aber noch nicht bezahlt. Viele Praktiker nutzen außerdem eine Kurzformel: Jahresüberschuss plus Abschreibungen plus Veränderung der langfristigen Rückstellungen. Sie ist grob, reicht aber für einen ersten Eindruck.
Rechenbeispiel: vom Gewinn zum Cashflow
Angenommen, ein Betrieb weist einen Jahresüberschuss von 80.000 Euro aus.
Abschreibungen auf Maschinen und Fahrzeuge: plus 45.000 Euro
Erhöhung der Rückstellungen: plus 10.000 Euro
Forderungen gegenüber Kunden sind gestiegen: minus 35.000 Euro
Vorräte sind gestiegen: minus 15.000 Euro
Lieferantenverbindlichkeiten sind gestiegen: plus 5.000 Euro
Operativer Cashflow: 80.000 + 45.000 + 10.000 minus 35.000 minus 15.000 + 5.000 = 90.000 Euro
Im selben Jahr kauft der Betrieb einen Transporter für 60.000 Euro: Investitions-Cashflow minus 60.000 Euro.
Er tilgt Darlehen über 25.000 Euro, und die Inhaber entnehmen 20.000 Euro: Finanzierungs-Cashflow minus 45.000 Euro.
Veränderung der Zahlungsmittel: 90.000 minus 60.000 minus 45.000 = minus 15.000 Euro
Das Beispiel zeigt eine typische Lage: Der Betrieb verdient gut, und der operative Cashflow liegt sogar über dem Gewinn. Trotzdem sinkt der Kontostand, weil Investition, Tilgung und Entnahmen zusammen mehr verbrauchen, als das Geschäft einbringt. Ein einzelnes Jahr dieser Art ist unproblematisch. Wiederholt es sich, schrumpft der Puffer, und das Unternehmen wird abhängiger von Krediten.
Free Cashflow und abgeleitete Kennzahlen
Aus den drei Bereichen lassen sich weitere Größen ableiten. Die bekannteste ist der Free Cashflow: operativer Cashflow plus Investitions-Cashflow, also nach Abzug der Investitionen. Manche Analysten ziehen enger gefasst nur die Ausgaben für Sachanlagen ab. Der Free Cashflow beschreibt, wie viel Geld frei bleibt, um Schulden zu tilgen, Rücklagen zu bilden oder Gewinne auszuschütten. Im Rechenbeispiel liegt er bei 30.000 Euro.
- Cashflow-Marge: operativer Cashflow geteilt durch Umsatz. Sie zeigt, wie viel von jedem Umsatz-Euro als Geld hängen bleibt.
- Dynamischer Verschuldungsgrad: Nettofinanzschulden geteilt durch operativen Cashflow. Er gibt grob an, in wie vielen Jahren die Schulden aus eigener Kraft getilgt werden könnten. Banken achten bei Firmenkunden stark auf diesen Wert.
- Cash Conversion: operativer Cashflow im Verhältnis zum EBITDA. Liegt der Wert dauerhaft deutlich unter 100 Prozent, bleibt viel Geld in Forderungen oder Vorräten stecken.
Für diese Kennzahlen gibt es keine verbindlichen Grenzwerte. Was gut oder schlecht ist, hängt von Branche, Wachstumsphase und Geschäftsmodell ab. Ein Softwareanbieter, dessen Kunden im Voraus zahlen, hat ganz andere Werte als ein Maschinenbauer mit langen Fertigungszeiten.
Was die Vorzeichen verraten
Wer eine Kapitalflussrechnung liest, sollte zuerst auf das Zusammenspiel der drei Bereiche achten. Bestimmte Muster tauchen immer wieder auf.
| Operativ | Investition | Finanzierung | Mögliche Deutung |
|---|---|---|---|
| positiv | negativ | negativ | Reifes, gesundes Unternehmen: investiert und tilgt aus eigener Kraft |
| positiv | negativ | positiv | Wachstum: Investitionen übersteigen den operativen Zufluss, die Lücke wird finanziert |
| negativ | negativ | positiv | Junges Unternehmen oder Krise: Geschäft und Investitionen hängen an Kapitalgebern |
| negativ | positiv | beliebig | Warnsignal: Vermögen wird verkauft, um laufende Ausgaben zu decken |
| positiv | positiv | negativ | Umbau oder Rückzug: Anlagen werden verkauft, Schulden abgebaut |
Solche Muster sind Hinweise, keine Urteile. Ein Start-up mit negativem operativem Cashflow kann gut aufgestellt sein, wenn es ausreichend Wagniskapital eingeworben hat und sein Geschäftsmodell trägt. Ein etabliertes Unternehmen mit demselben Muster hat dagegen meist ein ernstes Problem.
Grenzen der Aussagekraft
Der Cashflow gilt als schwerer zu gestalten als der Gewinn, ganz immun ist er aber nicht. Wer kurz vor dem Bilanzstichtag Lieferantenrechnungen liegen lässt oder Forderungen per Factoring verkauft, verbessert den operativen Cashflow dieses Jahres, ohne dass das Geschäft besser läuft. Auch der Zeitpunkt großer Investitionen kann ein einzelnes Jahr stark verzerren.
Seine volle Aussagekraft entfaltet der Cashflow erst im Vergleich über mehrere Jahre und im Zusammenhang mit Bilanz und GuV. Nach dem HGB gehört eine Kapitalflussrechnung zum Konzernabschluss, außerdem müssen kapitalmarktorientierte Kapitalgesellschaften sie erstellen. Kleine Unternehmen sind dazu nicht verpflichtet, profitieren aber trotzdem davon, ihre Zahlungsströme mindestens grob nachzuhalten. Eine einfache Liquiditätsplanung auf Monatsbasis ist dafür oft der praktischere Weg.
Gut zu wissen: Bei Kreditanträgen fragen Banken häufig nach dem Cashflow. Sie wollen damit abschätzen, ob die geplante Rate aus dem laufenden Geschäft bezahlt werden kann, und nicht nur aus einem Gewinn, der auf dem Papier steht.
Häufige Fragen
Nicht unbedingt. Entscheidend ist, in welchem Bereich er entsteht. Ein negativer Investitions-Cashflow zeigt meist nur, dass investiert wird. Bleibt dagegen der operative Cashflow über mehrere Jahre negativ, verbraucht das Geschäft mehr Geld, als es einbringt.
Der Gewinn erfasst Erträge und Aufwendungen nach ihrer wirtschaftlichen Zugehörigkeit, der Cashflow nur tatsächliche Zahlungen. Abschreibungen senken den Gewinn ohne Geldabfluss, offene Kundenrechnungen erhöhen ihn ohne Geldzufluss. Deshalb können beide Werte deutlich auseinanderliegen.
Für eine grobe Schätzung nimmt man den Jahresüberschuss und addiert Abschreibungen sowie die Zunahme langfristiger Rückstellungen. Das ersetzt keine vollständige Kapitalflussrechnung, liefert aber einen ersten Anhaltspunkt für die Finanzkraft eines Unternehmens.
Nein. Nach HGB ist sie Teil des Konzernabschlusses und für kapitalmarktorientierte Kapitalgesellschaften vorgeschrieben. Kleine Betriebe behalten ihre Zahlungsströme meist besser mit einer regelmäßigen Liquiditätsplanung im Blick.
Quellen und weiterführende Informationen
Gesetzestexte und Angaben der genannten Stellen in der jeweils aktuellen Fassung. Beispielrechnungen dienen der Veranschaulichung.