Die meisten Menschen versichern ihr Auto, ihr Smartphone oder ihr Fahrrad, aber nicht das, was ihnen am meisten Geld einbringt: die eigene Arbeitskraft. Dabei ist genau sie die Grundlage des gesamten Einkommens. Fällt sie durch Krankheit oder Unfall weg, steht man schnell vor dem finanziellen Nichts. Die Berufsunfähigkeitsversicherung schützt davor, und wir erklären, warum sie für viele so wichtig ist.

Was sie ist

Die Berufsunfähigkeitsversicherung, oft mit BU abgekürzt, zahlt eine vereinbarte monatliche Rente, wenn man seinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen dauerhaft nicht mehr ausüben kann. Maßgeblich ist dabei der zuletzt ausgeübte Beruf, nicht irgendeine beliebige Tätigkeit. Kann man diesen Beruf zu einem bestimmten Grad nicht mehr ausüben, leistet die Versicherung.

Der Auslöser ist also nicht ein bestimmter Unfall oder eine bestimmte Krankheit, sondern die Folge: die Unfähigkeit, weiter im eigenen Beruf zu arbeiten. Die Ursachen sind vielfältig und oft andere, als man denkt. Ein großer Teil der Berufsunfähigkeit geht nicht auf spektakuläre Unfälle zurück, sondern auf Erkrankungen wie Probleme des Bewegungsapparats oder psychische Leiden.

Die monatliche Rente soll den Wegfall des Arbeitseinkommens ausgleichen und es einem ermöglichen, den Lebensstandard zumindest in Grundzügen zu halten. Sie wird gezahlt, solange die Berufsunfähigkeit besteht, längstens bis zum vereinbarten Endalter, das meist am Rentenbeginn liegt. Damit schließt sie eine Lücke, die für viele existenziell ist.

Das größte Vermögen

Um die Bedeutung der BU zu verstehen, hilft ein Blick auf den Wert der eigenen Arbeitskraft. Rechnet man das Einkommen hoch, das man bis zur Rente noch verdienen wird, kommt man schnell auf eine Summe von vielen Hunderttausend bis über eine Million Euro. Die Arbeitskraft ist damit für die meisten Menschen das mit Abstand wertvollste, was sie besitzen, wertvoller als Auto, Hausrat oder oft sogar die Immobilie.

Genau dieses wertvollste Gut ist aber bei den wenigsten abgesichert. Während man selbstverständlich eine Versicherung für das Auto abschließt, lässt man die eigene Einkommensquelle oft ungeschützt. Dabei ist das Risiko real: Ein nennenswerter Teil der Erwerbstätigen wird im Lauf des Berufslebens zumindest zeitweise berufsunfähig.

Fällt die Arbeitskraft weg, fällt das gesamte Einkommen weg, von dem man lebt und mit dem man eventuell auch andere versorgt oder einen Kredit bedient. Die finanziellen Folgen sind oft gravierender als bei den meisten anderen versicherbaren Risiken. Deshalb gehört die Absicherung der Arbeitskraft für viele Fachleute zu den wichtigsten überhaupt, gleich nach der Haftpflichtversicherung.

Wichtig zu wissen: Die meisten Fälle von Berufsunfähigkeit gehen nicht auf Unfälle zurück, sondern auf Krankheiten, darunter häufig psychische Leiden und Probleme des Bewegungsapparats. Eine reine Unfallversicherung reicht daher als Ersatz nicht aus.

Warum der Staat nicht reicht

Viele verlassen sich darauf, dass der Staat im Fall der Fälle schon einspringt. Tatsächlich gibt es eine gesetzliche Absicherung, die sogenannte Erwerbsminderungsrente. Doch diese reicht in den allermeisten Fällen bei Weitem nicht aus, um den gewohnten Lebensstandard zu halten, und sie ist an strenge Voraussetzungen geknüpft.

Entscheidend ist ein grundlegender Unterschied: Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente fragt nicht danach, ob man seinen erlernten oder zuletzt ausgeübten Beruf noch ausüben kann, sondern ob man überhaupt noch irgendeiner Tätigkeit nachgehen kann. Wer also seinen eigentlichen Beruf nicht mehr ausüben kann, aber theoretisch noch eine andere, einfachere Tätigkeit verrichten könnte, bekommt oft nur eine geringe oder gar keine Leistung.

Zudem fällt die gesetzliche Leistung der Höhe nach meist sehr knapp aus und liegt deutlich unter dem vorherigen Einkommen. Die Lücke zwischen dem, was der Staat zahlt, und dem, was man zum Leben braucht, ist daher in der Regel groß. Genau diese Lücke schließt die private Berufsunfähigkeitsversicherung, die am eigenen Beruf ansetzt und eine frei vereinbarte Rente zahlt.

Für wen sie sinnvoll ist

Die kurze Antwort lautet: für fast jeden, der von seinem Arbeitseinkommen lebt. Wer auf sein Gehalt angewiesen ist, um den Lebensunterhalt zu bestreiten, trägt das Risiko, bei Berufsunfähigkeit ohne ausreichende Absicherung dazustehen. Das betrifft Angestellte ebenso wie Selbstständige, oft Letztere sogar noch stärker, weil sie meist gar keine gesetzliche Absicherung haben.

Besonders wichtig ist die BU für Berufseinsteiger und junge Menschen. Das mag überraschen, hat aber zwei Gründe. Erstens haben sie noch das gesamte Berufsleben und damit das volle Einkommen vor sich, das es abzusichern gilt. Zweitens sind die Beiträge umso günstiger, je jünger und gesünder man beim Abschluss ist. Wer früh abschließt, sichert sich dauerhaft niedrige Beiträge.

Weniger dringend ist sie für Menschen, die nicht mehr auf ihr Arbeitseinkommen angewiesen sind, etwa weil sie bereits ausreichend Vermögen aufgebaut haben oder kurz vor der Rente stehen. Auch hier gilt das Grundprinzip vernünftigen Versicherns: Man sichert die Risiken ab, die man selbst nicht tragen kann. Wie sich die BU in die Gesamtplanung einfügt, lesen Sie im Beitrag Welche Versicherungen sind sinnvoll.

Worauf man achten sollte

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist ein komplexes Produkt, bei dem die Details entscheidend sind. Der erste Punkt ist die Höhe der BU-Rente. Sie sollte hoch genug sein, um die laufenden Kosten zu decken, als Orientierung dienen oft etwa 60 bis 80 Prozent des Nettoeinkommens. Eine zu niedrige Rente verfehlt den Zweck.

Ein zentraler Punkt ist der Verzicht auf die sogenannte abstrakte Verweisung. Ohne diesen Verzicht könnte die Versicherung einen darauf verweisen, einen anderen Beruf auszuüben, und die Leistung verweigern. Gute Tarife verzichten auf diese Klausel, sodass es wirklich nur auf den zuletzt ausgeübten Beruf ankommt. Achten sollte man außerdem auf eine ausreichend lange Laufzeit, idealerweise bis zum Rentenbeginn.

Schließlich sind die Gesundheitsfragen beim Abschluss von großer Bedeutung. Sie müssen vollständig und wahrheitsgemäß beantwortet werden, denn falsche Angaben können dazu führen, dass die Versicherung im Ernstfall nicht zahlt. Wer bereits Vorerkrankungen hat, sollte sich gut beraten lassen. Insgesamt ist die BU ein Produkt, bei dem sich eine unabhängige Beratung und ein sorgfältiger Vergleich besonders lohnen.

Was sie kostet

Die Berufsunfähigkeitsversicherung gehört zu den teureren Versicherungen, was angesichts des hohen abgesicherten Risikos nachvollziehbar ist. Wie hoch der Beitrag ausfällt, hängt von mehreren Faktoren ab, vor allem vom ausgeübten Beruf, vom Alter, vom Gesundheitszustand und von der Höhe der vereinbarten Rente.

Der Beruf spielt eine große Rolle, weil körperlich anstrengende oder risikoreiche Tätigkeiten ein höheres Risiko der Berufsunfähigkeit haben und daher teurer sind als Bürotätigkeiten. Auch das Eintrittsalter ist entscheidend: Wer jung und gesund abschließt, zahlt deutlich weniger, weil das Risiko statistisch geringer ist und über die lange Laufzeit verteilt wird.

Trotz der nicht unerheblichen Kosten gilt die BU für viele Fachleute als sinnvoll investiertes Geld, weil sie ein existenzielles Risiko absichert. Wer den vollen Beitrag nicht stemmen kann, sollte zumindest über Einsteigertarife oder eine etwas niedrigere Rente nachdenken, statt ganz auf den Schutz zu verzichten. Denn die Lücke, die eine Berufsunfähigkeit ohne Versicherung reißt, ist für die meisten Menschen kaum aus eigener Kraft zu schließen.

Häufige Fragen

Sie zahlt eine monatliche Rente, wenn man seinen zuletzt ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen dauerhaft nicht mehr ausüben kann. Sie sichert damit das Einkommen ab, wenn die eigene Arbeitskraft wegfällt.

Für fast jeden, der von seinem Arbeitseinkommen lebt, besonders für Berufseinsteiger und Selbstständige. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente reicht in der Regel nicht aus, um den Lebensstandard zu halten, und ist an strenge Bedingungen geknüpft.

Auf eine ausreichend hohe Rente, einen Verzicht auf die abstrakte Verweisung, eine lange Laufzeit bis zum Rentenbeginn und gesundheitliche Fragen, die man wahrheitsgemäß beantworten muss. Früh und gesund abschließen ist deutlich günstiger.

Meist nicht. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente fragt nicht nach dem eigenen Beruf, sondern ob man überhaupt noch irgendeiner Tätigkeit nachgehen kann, und fällt der Höhe nach knapp aus. Die Lücke zum gewohnten Einkommen ist in der Regel groß.