Über Jahre hinweg fällt es kaum auf, doch wenn man alte Preise mit heutigen vergleicht, wird es deutlich. Was früher ein paar Mark oder wenige Euro kostete, ist heute ein Vielfaches teurer. Dahinter steckt ein Vorgang, der zu den wichtigsten in der gesamten Wirtschaft gehört: die Inflation. Sie betrifft jeden, der einkauft, spart oder Geld verdient, und trotzdem verstehen viele Menschen nicht genau, was eigentlich passiert, wenn die Preise steigen.

Was Inflation bedeutet

Inflation beschreibt einen anhaltenden Anstieg des allgemeinen Preisniveaus. Das Stichwort ist allgemein. Es geht nicht darum, dass ein einzelnes Produkt teurer wird, etwa weil eine Ernte schlecht ausfiel. Von Inflation spricht man, wenn die Preise auf breiter Front steigen, also quer durch Lebensmittel, Mieten, Energie, Dienstleistungen und vieles mehr.

Die Folge ist immer dieselbe: Ihr Geld verliert an Kaufkraft. Mit demselben Betrag können Sie sich nach und nach weniger leisten. Hundert Euro bleiben zwar hundert Euro, aber was Sie dafür bekommen, schrumpft. Genau das ist der Kern der Inflation. Sie ist kein abstraktes Phänomen für Wirtschaftsexperten, sondern etwas, das sich direkt im Geldbeutel bemerkbar macht.

Ein gewisses Maß an Inflation gilt übrigens als normal und sogar als gesund. Die Europäische Zentralbank strebt eine Rate von rund zwei Prozent pro Jahr an. Diese leichte, stetige Geldentwertung soll die Wirtschaft am Laufen halten, ohne dass die Preise außer Kontrolle geraten. Problematisch wird es, wenn die Inflation deutlich darüber liegt oder umgekehrt die Preise fallen, was man als Deflation bezeichnet. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag über Deflation.

Wie die Inflation gemessen wird

Um die Inflation in eine Zahl zu fassen, gehen die Statistiker pragmatisch vor. Sie stellen einen sogenannten Warenkorb zusammen, der die typischen Ausgaben eines durchschnittlichen Haushalts abbildet. In diesem Korb stecken Hunderte von Produkten und Dienstleistungen, von Brot und Benzin über Miete und Strom bis zum Friseurbesuch. Jeder Posten wird entsprechend seiner Bedeutung im Haushaltsbudget gewichtet, denn Wohnen fällt stärker ins Gewicht als ein gelegentlicher Kinobesuch.

Nun verfolgt man, wie sich der Preis dieses Warenkorbs über die Zeit verändert. Vergleicht man den Preis mit dem des Vorjahres, ergibt sich die Inflationsrate. Steigt der Korb um drei Prozent, beträgt die Inflationsrate drei Prozent. Diese Zahl hören Sie in den Nachrichten, und sie ist eine wichtige Grundlage für viele Entscheidungen, von Tarifverhandlungen bis zur Zinspolitik der Zentralbank.

Wichtig ist, dass diese Rate einen Durchschnitt darstellt. Ihre persönliche Inflation kann davon abweichen. Wer ein Auto fährt und viel pendelt, spürt steigende Spritpreise stärker. Wer zur Miete in einer angespannten Stadt wohnt, leidet besonders unter Mietsteigerungen. Die offizielle Zahl ist also eine gute Orientierung, aber nicht für jeden Haushalt exakt zutreffend.

Die wichtigsten Ursachen

Inflation hat nicht eine einzige Ursache, sondern entsteht aus verschiedenen Richtungen. Ökonomen unterscheiden dabei vor allem zwei Mechanismen, die oft zusammenwirken.

Wenn die Nachfrage größer ist als das Angebot

Die erste Form nennt man Nachfrageinflation. Sie entsteht, wenn die Menschen insgesamt mehr kaufen wollen, als die Wirtschaft produzieren kann. Wollen alle gleichzeitig mehr Güter, als verfügbar sind, steigen die Preise, weil Anbieter mehr verlangen können. Das passiert oft in Phasen, in denen die Wirtschaft boomt, die Löhne steigen und die Menschen viel Geld zur Verfügung haben. Auch wenn der Staat oder die Zentralbank sehr viel Geld in Umlauf bringen, kann die Nachfrage so stark wachsen, dass die Preise nachziehen.

Wenn die Produktion teurer wird

Die zweite Form ist die Angebotsinflation, auch Kosteninflation genannt. Hier steigen die Preise, weil die Herstellung teurer wird. Verteuern sich etwa Energie, Rohstoffe oder Löhne, geben die Unternehmen diese Kosten an ihre Kunden weiter. Ein gutes Beispiel sind stark steigende Energiepreise, die sich durch fast die gesamte Wirtschaft ziehen, weil nahezu jede Produktion Energie braucht. Auch Lieferengpässe, etwa nach Störungen im weltweiten Handel, können auf diese Weise Inflation auslösen.

In der Praxis treten beide Formen häufig gemeinsam auf und verstärken sich gegenseitig. Steigen zum Beispiel die Preise, fordern Beschäftigte höhere Löhne, um den Verlust auszugleichen. Diese höheren Löhne erhöhen wiederum die Produktionskosten, was die Preise weiter nach oben treibt. Diesen sich selbst verstärkenden Kreislauf nennt man Lohn-Preis-Spirale, und er gehört zu den Dingen, die Zentralbanken besonders fürchten.

Auswirkungen auf Verbraucher

Die offensichtlichste Folge spüren Sie an der Kasse: Das Leben wird teurer. Doch die Wirkung der Inflation reicht weiter und trifft verschiedene Gruppen unterschiedlich stark.

Besonders betroffen sind Menschen mit Ersparnissen auf gering verzinsten Konten. Liegt das Geld auf einem Konto, das kaum Zinsen abwirft, während die Preise kräftig steigen, schrumpft der reale Wert des Vermögens Jahr für Jahr. Der Kontostand bleibt gleich oder wächst leicht, aber die Kaufkraft nimmt ab. Wie dieser Zusammenhang zwischen Zinsen und Inflation genau funktioniert, erklären wir im Beitrag über Zinsen.

Auch wer ein festes Einkommen bezieht, das nicht mit der Inflation steigt, verliert. Renten, manche Gehälter oder feste vertragliche Zahlungen werden real weniger wert, wenn die Preise schneller steigen als das Einkommen. Auf der anderen Seite gibt es auch Gewinner. Wer Schulden hat, kann von Inflation sogar profitieren, denn der reale Wert der Schuld sinkt mit der Zeit. Eine feste Schuldsumme wiegt nach Jahren hoher Inflation weniger schwer als zu Beginn, weil das Geld, mit dem man sie zurückzahlt, weniger wert ist.

Wichtig zu wissen: Inflation trifft Sparer und Bezieher fester Einkommen am stärksten. Wer Schulden hat, kann dagegen entlastet werden, weil die reale Last der Schulden sinkt.

Maßnahmen gegen Inflation

Gegen eine zu hohe Inflation vorzugehen, ist vor allem Aufgabe der Zentralbank. Ihr wichtigstes Werkzeug ist der Leitzins. Steigt die Inflation zu stark, erhöht die Zentralbank diesen Zinssatz. Das macht Kredite teurer, sowohl für Unternehmen als auch für Verbraucher. In der Folge wird weniger investiert und weniger konsumiert, die Nachfrage sinkt, und das bremst den Preisanstieg. Gleichzeitig wird Sparen attraktiver, weil es wieder mehr Zinsen gibt, was ebenfalls Geld aus dem Konsum abzieht.

Diese Medizin wirkt, hat aber Nebenwirkungen. Höhere Zinsen bremsen nicht nur die Inflation, sondern auch das Wirtschaftswachstum. Wenn Kredite teuer sind, halten sich Unternehmen mit Investitionen zurück, und die Wirtschaft kühlt ab. Die Zentralbank muss deshalb einen schwierigen Balanceakt vollführen: Sie will die Preise stabilisieren, ohne die Wirtschaft abzuwürgen. Dieser Kompromiss ist der Grund, warum Zinsentscheidungen oft kontrovers diskutiert werden.

Neben der Zentralbank kann auch die Politik einen Beitrag leisten. Der Staat kann etwa seine eigenen Ausgaben zurückfahren, um die Nachfrage nicht zusätzlich anzuheizen. Bei einer Inflation, die durch hohe Energiepreise getrieben wird, können gezielte Maßnahmen zur Senkung der Energiekosten helfen. Solche Eingriffe sind allerdings oft umstritten, weil sie an anderer Stelle neue Probleme schaffen können.

Wie Sie sich schützen können

Als einzelner Mensch haben Sie auf die Inflation selbst keinen Einfluss, aber Sie können beeinflussen, wie stark sie Ihr Vermögen trifft. Der wichtigste Punkt zuerst: Sehr große Geldbeträge dauerhaft auf einem unverzinsten oder gering verzinsten Konto liegen zu lassen, ist in Zeiten hoher Inflation real ein Verlustgeschäft, auch wenn der Kontostand das nicht zeigt.

Viele Menschen legen deshalb einen Teil ihres Vermögens in Sachwerte oder breit gestreute Anlagen an, deren Wert mit der Zeit tendenziell mit dem Preisniveau mitwächst. Das ist keine Garantie, denn auch solche Anlagen schwanken und können an Wert verlieren. Aber über lange Zeiträume betrachtet bietet eine durchdachte Anlage eher die Chance, die Kaufkraft zu erhalten, als pures Bargeld. Welche Begriffe und Überlegungen dabei wichtig sind, finden Sie im Beitrag über Investition.

Gleichzeitig gilt eine schlichte Wahrheit: Eine ausreichende Reserve an schnell verfügbarem Geld brauchen Sie trotzdem, etwa für unerwartete Ausgaben. Diesen Notgroschen sollten Sie nicht aus Angst vor Inflation komplett anlegen, denn er erfüllt einen anderen Zweck. Es geht also um eine gesunde Mischung, nicht um Alles-oder-nichts. Mehr zum Thema verfügbares Geld lesen Sie unter Liquidität.

Am Ende ist das Wichtigste, die Inflation überhaupt zu verstehen und im Blick zu behalten. Wer weiß, dass Geld auf dem Konto bei hoher Inflation real schrumpft, trifft andere Entscheidungen als jemand, der nur auf den Kontostand schaut. Sie müssen kein Finanzprofi sein, um damit umzugehen. Es reicht, die Zusammenhänge zu kennen und Ihre Ersparnisse nicht einfach untätig der Geldentwertung zu überlassen.

Häufige Fragen

Inflation bedeutet, dass die Preise im Durchschnitt steigen und Ihr Geld dadurch an Kaufkraft verliert. Für denselben Betrag bekommen Sie über die Zeit weniger Waren und Dienstleistungen. Ein leichter, stetiger Anstieg von rund zwei Prozent pro Jahr gilt dabei als normal.

Statistikämter stellen einen Warenkorb mit den typischen Ausgaben eines Haushalts zusammen, von Lebensmitteln über Miete bis zu Dienstleistungen. Sie vergleichen, wie sich der Preis dieses Korbs verändert. Die prozentuale Veränderung gegenüber dem Vorjahr ist die Inflationsrate.

Große Bargeldbestände verlieren bei hoher Inflation real an Wert. Viele Menschen legen einen Teil ihres Vermögens deshalb in Sachwerte oder breit gestreute Anlagen, statt alles auf gering verzinsten Konten zu halten. Eine ausreichende Reserve an verfügbarem Geld sollte man trotzdem behalten. Eine Garantie gegen Wertverlust gibt es nicht.

In gewissem Maße ja. Der reale Wert einer festen Schuld sinkt mit der Zeit, weil das Geld, mit dem man sie zurückzahlt, weniger wert ist. Voraussetzung ist, dass das eigene Einkommen mit der Inflation mithält. Steigt das Einkommen nicht, kann der Vorteil schnell durch teurere Lebenshaltungskosten aufgezehrt werden.