Formel: So wird die Eigenkapitalquote berechnet

Um die Eigenkapitalquote zu berechnen, braucht man nur zwei Zahlen aus der Bilanz: das Eigenkapital und das Gesamtkapital. Die Formel lautet:

Eigenkapitalquote = Eigenkapital ÷ Gesamtkapital × 100

Weil Aktiv- und Passivseite einer Bilanz immer gleich groß sind, entspricht das Gesamtkapital der Bilanzsumme. Das Gegenstück ist die Fremdkapitalquote, also der Anteil von Schulden und Rückstellungen an der Bilanzsumme. Beide zusammen ergeben stets 100 Prozent.

Vereinfachte Bilanz eines Beispielunternehmens (Werte angenommen)
AktivaEuroPassivaEuro
Grundstücke und Gebäude400.000Gezeichnetes Kapital50.000
Maschinen und Ausstattung250.000Gewinnrücklagen180.000
Vorräte150.000Jahresüberschuss70.000
Forderungen160.000Rückstellungen60.000
Bankguthaben40.000Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten480.000
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen160.000
Summe1.000.000Summe1.000.000
Rechenbeispiel zur Tabelle

Eigenkapital: 50.000 + 180.000 + 70.000 = 300.000 Euro

Gesamtkapital (Bilanzsumme): 1.000.000 Euro

Eigenkapitalquote: 300.000 ÷ 1.000.000 × 100 = 30 Prozent

Fremdkapitalquote: 700.000 ÷ 1.000.000 × 100 = 70 Prozent

Was zum Eigenkapital zählt und was nicht

Bei Kapitalgesellschaften gliedert § 266 HGB das Eigenkapital in feste Posten:

  • Gezeichnetes Kapital, bei der GmbH das Stammkapital
  • Kapitalrücklage, etwa aus einem Aufgeld bei einer Kapitalerhöhung
  • Gewinnrücklagen, also einbehaltene Gewinne früherer Jahre
  • Gewinnvortrag oder Verlustvortrag
  • Jahresüberschuss oder Jahresfehlbetrag

Einzelunternehmen und Personengesellschaften führen stattdessen Kapitalkonten der Inhaber. Dort schwankt das Eigenkapital stärker, weil Privatentnahmen es direkt verringern und Einlagen es erhöhen.

Nicht zum Eigenkapital gehören Rückstellungen, auch wenn sie keine Bankschulden sind. Sie stehen für ungewisse Verpflichtungen und zählen zum Fremdkapital. Übersteigen aufgelaufene Verluste das Eigenkapital, wird auf der Aktivseite ein „nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag“ ausgewiesen (§ 268 Abs. 3 HGB). Die Quote ist dann negativ, die Gesellschaft bilanziell überschuldet.

Wichtig zu wissen: Bilanziell überschuldet heißt nicht automatisch insolvenzreif. Ob eine Überschuldung im Sinne von § 19 InsO vorliegt, wird in einer eigenen Prüfung mit Fortführungsprognose festgestellt. Ein negatives Eigenkapital ist aber ein Signal, das Geschäftsführung und Gläubiger ernst nehmen sollten.

Die bereinigte Quote: der Blick der Bank

Banken übernehmen die Quote aus dem Jahresabschluss selten unverändert. Sie ermitteln ein wirtschaftliches Eigenkapital, das zeigen soll, was im Ernstfall tatsächlich als Verlustpuffer bereitsteht. Die Details unterscheiden sich von Institut zu Institut, das Prinzip ist ähnlich.

Häufig abgezogen

  • Immaterielle Werte wie ein erworbener Firmenwert, weil sie in der Krise kaum verwertbar sind
  • Forderungen gegen Gesellschafter, etwa ausstehende Einlagen oder Darlehen an den Inhaber
  • Aktive latente Steuern
  • Bereits beschlossene oder geplante Ausschüttungen aus dem Jahresüberschuss

Häufig hinzugerechnet

  • Gesellschafterdarlehen mit Rangrücktritt
  • Nachrangiges Mezzanine-Kapital mit ausreichender Restlaufzeit

Im Beispiel oben würde ein Gesellschafterdarlehen über 100.000 Euro mit Rangrücktritt die wirtschaftliche Quote auf 40 Prozent heben, obwohl in der Bilanz weiter 30 Prozent stehen. Umgekehrt drückt ein hoher Firmenwert die bereinigte Quote unter den ausgewiesenen Wert. Wer seine eigene Kennzahl richtig einordnen will, sollte beide Werte kennen.

Bedeutung für Bonität und Krisenfestigkeit

Eigenkapital ist das Geld, das zuerst verloren geht. Solange es Verluste auffängt, bleiben die Ansprüche der Gläubiger unberührt. Je höher die Quote, desto größer dieser Puffer. Darin liegt ihre Bedeutung für interne Ratingverfahren, mit denen Banken die Bonität einstufen. Ein besseres Rating heißt in der Regel günstigere Zinsen und geringere Anforderungen an Sicherheiten.

Rechenbeispiel: derselbe Verlust, zwei Unternehmen

Angenommen, zwei Unternehmen haben je 1 Mio. Euro Bilanzsumme. Unternehmen A hat eine Eigenkapitalquote von 10 Prozent (100.000 Euro), Unternehmen B von 35 Prozent (350.000 Euro).

Ein schwaches Jahr bringt beiden einen Verlust von 120.000 Euro, der das Vermögen entsprechend verringert.

A: 100.000 Euro Eigenkapital minus 120.000 Euro Verlust ergibt minus 20.000 Euro. Das Eigenkapital ist aufgezehrt, die Bilanz zeigt einen Fehlbetrag.

B: 350.000 minus 120.000 ergibt 230.000 Euro bei 880.000 Euro Bilanzsumme. Die Quote sinkt auf rund 26 Prozent.

Ergebnis: Der Verlust ist identisch, die Folgen für Kreditwürdigkeit und Handlungsspielraum sind völlig verschieden.

Dazu kommt ein weicher Faktor: Eigenkapital muss nicht zu festen Terminen bedient werden. Ein Unternehmen mit hoher Quote kann in schwachen Jahren Ausschüttungen aussetzen, ein stark verschuldetes muss Zins und Tilgung weiter bezahlen. Diese Flexibilität ist in Krisen oft wichtiger als die Kennzahl selbst.

Welche Werte sind üblich?

Feste Richtwerte, die für alle gelten, gibt es nicht. Wie hoch die Quote sinnvollerweise ist, hängt vor allem vom Geschäftsmodell ab. Wer viel Anlagevermögen braucht oder lange auf sein Geld wartet, hat andere Strukturen als ein Dienstleister mit geringem Kapitalbedarf. Die Deutsche Bundesbank veröffentlicht regelmäßig Auswertungen von Unternehmensabschlüssen, aus denen sich Vergleichswerte nach Branchen ablesen lassen. Die folgende Übersicht ist nur eine grobe, qualitative Orientierung.

Grobe Orientierung nach Geschäftsmodell (keine Statistik)
GeschäftsmodellTendenz der QuoteTypischer Grund
Industrie mit hohem Anlagevermögenhäufig im mittleren BereichBanken erwarten für langfristige Anlagen eine solide Eigenkapitalbasis
Handeleher niedrig bis mittelVorräte und Lieferantenkredite vergrößern die Bilanzsumme
Baueher niedrigKundenanzahlungen und lange Projektlaufzeiten
Dienstleistung, Beratung, Softwarestark schwankendwenig Anlagevermögen, Bilanzsumme oft klein
Immobilienunternehmeneher niedrig bis mittelObjekte werden überwiegend mit langfristigen Krediten finanziert
Junge Unternehmenoft sehr niedrig oder negativAnlaufverluste zehren das Startkapital auf

In der Praxis wird oft die Daumenregel genannt, dass eine Quote unter 10 Prozent als schwach gilt und Werte ab etwa 30 Prozent als solide. Das ist eine verbreitete Orientierung, keine Norm. Aussagekräftig sind Vergleiche nur innerhalb ähnlicher Geschäftsmodelle und über mehrere Jahre, denn eine Bilanz ist eine Momentaufnahme zum Stichtag.

Ist eine höhere Quote immer besser?

Aus Sicht der Sicherheit ja, aus Sicht der Rendite nicht unbedingt. Eigenkapital ist teuer: Gesellschafter erwarten eine höhere Verzinsung als Banken, weil sie mehr Risiko tragen. Ist eine Investition rentabler, als der Kredit kostet, steigert zusätzliches Fremdkapital die Eigenkapitalrendite. Dieser Leverage-Effekt wirkt allerdings in beide Richtungen.

Eine sehr hohe Quote kann deshalb auch bedeuten, dass ein Unternehmen Wachstumschancen nicht nutzt oder Kapital bindet, das die Eigentümer anderswo besser anlegen könnten. Für eine Bewertung zählt neben der Sicherheit immer auch die Rentabilität.

Was die Kennzahl nicht verrät

Die Eigenkapitalquote beschreibt die Struktur der Passivseite, mehr nicht. Über die Zahlungsfähigkeit sagt sie wenig: Ein Unternehmen mit 40 Prozent Eigenkapital kann in Zahlungsnot geraten, wenn das Geld in Vorräten und Maschinen steckt und Kunden spät zahlen. Dafür sind Kennzahlen zur Liquidität und der Cashflow aussagekräftiger.

Hinzu kommen Bewertungsspielräume. Das HGB folgt dem Vorsichtsprinzip, Vermögenswerte stehen höchstens mit ihren Anschaffungskosten in der Bilanz. Ein Betrieb, der seit Jahrzehnten ein Grundstück besitzt, hat dadurch oft stille Reserven, die in der Quote nicht auftauchen. Umgekehrt können Forderungen gegen einen wackligen Großkunden noch mit vollem Wert bilanziert sein, obwohl ihr Ausfall droht.

  • Stichtagsbezogen: Die Quote gilt für einen Tag und kann kurz davor gezielt beeinflusst worden sein
  • Abhängig von Bilanzierungsentscheidungen, etwa bei Abschreibungen oder Rückstellungen
  • Ohne Aussage über Ertragskraft und künftige Entwicklung

Wie sich die Eigenkapitalquote verbessern lässt

Die Quote steigt, wenn das Eigenkapital wächst oder die Bilanzsumme schrumpft. Daraus ergeben sich zwei Gruppen von Maßnahmen.

Eigenkapital stärken

  • Gewinne im Unternehmen lassen, statt sie auszuschütten oder zu entnehmen. Das ist der langsamste, aber nachhaltigste Weg.
  • Kapital zuführen, durch eine Kapitalerhöhung, neue Gesellschafter oder Einlagen der Inhaber.
  • Gesellschafterdarlehen mit Rangrücktritt versehen oder in Eigenkapital umwandeln.

Bilanzsumme verkürzen

  • Forderungen über Factoring verkaufen und mit dem Erlös Verbindlichkeiten tilgen
  • Nicht betriebsnotwendiges Vermögen verkaufen
  • Vorräte abbauen und die frei werdenden Mittel zur Tilgung nutzen

Bei den bilanzverkürzenden Maßnahmen lohnt ein ehrlicher Blick: Sie verbessern die Kennzahl, ändern aber nicht unbedingt die wirtschaftliche Substanz. Erfahrene Kreditprüfer erkennen, ob eine Quote durch Gewinne gewachsen ist oder kurz vor dem Bilanzstichtag optisch aufgebessert wurde.

Häufige Fragen

Das hängt stark von der Branche ab. Als grobe Faustregel gelten Werte ab etwa 30 Prozent als solide und Werte unter 10 Prozent als schwach. Sinnvoll ist der Vergleich mit Unternehmen, die ein ähnliches Geschäftsmodell haben.

Ja. Wenn Verluste das gesamte Eigenkapital aufgezehrt haben, ist die Quote negativ und die Bilanz weist einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag aus. Das bedeutet bilanzielle Überschuldung, aber nicht zwingend eine Insolvenzpflicht.

Wer nur eine Einnahmenüberschussrechnung erstellt, hat keine Bilanz, aus der sich die Quote direkt ablesen lässt. Banken behelfen sich dann mit Vermögensaufstellungen, in denen betriebliche Werte und Schulden gegenübergestellt werden. Die Aussagekraft ist geringer als bei einer echten Bilanz.

Die Eigenkapitalquote beschreibt die Finanzierungsstruktur, also den Anteil eigener Mittel an der Bilanzsumme. Die Eigenkapitalrendite misst den Gewinn im Verhältnis zum Eigenkapital. Eine niedrige Quote kann die Rendite erhöhen, macht das Unternehmen aber anfälliger.

Quellen und weiterführende Informationen

Gesetzestexte und Angaben der genannten Stellen in der jeweils aktuellen Fassung. Beispielrechnungen dienen der Veranschaulichung.