Was ist ein Kontokorrentkredit?

Ein Kontokorrentkredit ist ein Kreditrahmen, den eine Bank auf dem laufenden Geschäftskonto einräumt. Innerhalb dieses Limits darf das Konto ins Minus gehen, ohne dass für jede Auszahlung ein neuer Kreditantrag nötig ist. Eingehende Zahlungen verringern die Inanspruchnahme automatisch, ausgehende erhöhen sie. Zinsen fallen nur auf den Betrag an, der tatsächlich genutzt wird, und zwar taggenau.

Der Name kommt vom Kontokorrent, der „laufenden Rechnung“ im Sinne von § 355 HGB: Forderungen und Gegenforderungen zwischen Bank und Kunde werden verrechnet und in regelmäßigen Abständen saldiert. Für Unternehmen ist die Kreditlinie das wichtigste Instrument, um Schwankungen der Liquidität im Tagesgeschäft auszugleichen. Sie ist bewusst kurzfristig angelegt, auch wenn sie in der Praxis oft über viele Jahre besteht.

Die Merkmale auf einen Blick

  • Fester Höchstbetrag (Kreditlinie oder Limit), individuell mit der Bank vereinbart
  • Variabler Sollzins, der sich an Marktlage und Bonität orientiert
  • Keine festen Raten: Die Rückführung läuft über die Zahlungseingänge
  • Meist auf ein Jahr befristet oder „bis auf Weiteres“ eingeräumt und regelmäßig überprüft

Was ein Kontokorrentkredit kostet

Die Kreditlinie ist bequem, aber nicht billig. Der Sollzins liegt in der Regel deutlich über dem Zins eines Investitionsdarlehens mit fester Laufzeit, weil die Bank das Geld jederzeit bereithalten muss und keine Tilgung vereinbart ist. Wie hoch der Aufschlag ausfällt, hängt von der Bonität des Unternehmens, den Sicherheiten und dem allgemeinen Zinsniveau ab.

Die einzelnen Kostenbestandteile

  • Sollzins: fällt auf den genutzten Betrag an und ist variabel. Die Bank kann ihn bei veränderter Marktlage anpassen.
  • Überziehungszins: wird fällig, wenn das Konto über das vereinbarte Limit hinaus belastet wird. Er liegt spürbar über dem normalen Sollzins.
  • Bereitstellungs- oder Kreditprovision: Manche Banken berechnen eine Gebühr auf die zugesagte, aber nicht genutzte Linie. Ob und in welcher Höhe, ist Verhandlungssache.
  • Kontoführung und Nebenkosten: Kontogebühren, Kosten für die Bestellung von Sicherheiten oder für Bewertungen kommen je nach Bank hinzu.

Abgerechnet wird meist quartalsweise. Im Rechnungsabschluss lässt sich nachvollziehen, an wie vielen Tagen welcher Saldo zu welchem Zins gelaufen ist. Wer die Abrechnungen über ein Jahr nebeneinanderlegt, sieht schnell, ob die Linie als Puffer dient oder längst zur Dauerfinanzierung geworden ist.

Rechenbeispiel: Kreditlinie oder Darlehen?

Angenommen, ein Handwerksbetrieb hat eine Kreditlinie über 100.000 Euro zu einem Sollzins von 9 Prozent pro Jahr. Die Bank rechnet mit 360 Zinstagen.

In einem Monat (30 Tage) ist das Konto 20 Tage lang mit durchschnittlich 60.000 Euro im Minus, 10 Tage lang im Plus.

Zinsen: 60.000 Euro × 9 % × 20/360 = 300 Euro.

Ein Darlehen über 60.000 Euro zu angenommen 5 Prozent kostet im selben Monat 60.000 × 5 % × 30/360 = 250 Euro, weil es auch an den Tagen läuft, an denen das Geld nicht gebraucht wird.

Wird die Linie dagegen das ganze Jahr durchgehend mit 60.000 Euro genutzt, fallen 5.400 Euro Zinsen an. Das Darlehen läge bei 3.000 Euro.

Ergebnis: Für kurze, schwankende Bedarfe ist die Linie oft kaum teurer als ein Darlehen. Als Dauerfinanzierung kostet sie in diesem Beispiel 2.400 Euro mehr pro Jahr.

Der Unterschied zwischen Kontokorrentkredit und Dispo

Technisch funktionieren beide gleich: Ein Konto darf bis zu einer Grenze ins Minus. Juristisch ist der Dispokredit sogar eine Sonderform des Kontokorrentkredits. Im Sprachgebrauch meint Dispo aber die Überziehungsmöglichkeit auf dem privaten Girokonto, Kontokorrentkredit die Linie auf dem Geschäftskonto. Die Unterschiede liegen in Höhe, Prüfung und Schutzvorschriften.

Kontokorrentkredit und Dispokredit im Vergleich
MerkmalKontokorrentkreditDispokredit
KreditnehmerUnternehmen, Selbstständige, FreiberuflerPrivatpersonen (Verbraucher)
Grundlage für die HöheUmsatz, Jahresabschluss, Bonität, Sicherheitenregelmäßiger Geldeingang, meist das Gehalt
Typische Höheindividuell, von einigen tausend Euro bis in Millionenhöhehäufig ein Vielfaches des monatlichen Nettoeinkommens
Sicherheitenoft verlangt, etwa Forderungsabtretung oder Bürgschaftin der Regel keine
VerbraucherschutzRegeln für Verbraucherkredite gelten nichtVorgaben der §§ 504 ff. BGB, etwa Informations- und Beratungspflichten
Konditionenwerden verhandeltmeist fest laut Preisaushang

Für Selbstständige ist die Abgrenzung praktisch wichtig. Wer das Privatkonto für betriebliche Zahlungen nutzt und dort den Dispo ausreizt, finanziert sein Geschäft zu Konditionen, die dafür nicht gedacht sind. Außerdem vermischen sich private und betriebliche Zinsen, was die Buchführung und die Steuererklärung unnötig erschwert.

Wofür sich die Kreditlinie eignet

Eine alte Regel der Finanzierung lautet: Was kurzfristig gebunden ist, wird kurzfristig finanziert, was lange im Unternehmen bleibt, langfristig. Der Kontokorrentkredit gehört zur ersten Kategorie. Er überbrückt die Zeit zwischen Ausgaben und Einnahmen, also den Bereich, den Betriebswirte als Working Capital bezeichnen.

Sinnvolle Einsätze

  • Löhne, Miete und Material vorfinanzieren, bis Kundenzahlungen eingehen
  • Saisonale Spitzen abfangen, etwa im Handel vor dem Weihnachtsgeschäft oder im Bau im Frühjahr
  • Lieferantenrechnungen früh bezahlen und dabei Skonto ziehen
  • Unerwartete Zahlungsverzögerungen einzelner Kunden ausgleichen

Der Skonto-Punkt wird oft unterschätzt. Der Verzicht auf zwei Prozent Abzug entspricht, aufs Jahr gerechnet, meist einem Zins, der weit über jedem Kontokorrentzins liegt. Die Rechnung über die Linie früh zu bezahlen, ist dann die günstigere Variante.

Weniger geeignete Einsätze

Maschinen, Fahrzeuge oder Immobilien über die Linie zu bezahlen, ist teuer und riskant. Das Geld steckt dann für Jahre in der Anlage, während die Bank die Linie jedes Jahr neu bewerten kann. Auch laufende Verluste über den Kontokorrent auszugleichen, löst kein Problem, es verschiebt es nur.

Wichtig zu wissen: Ist das Konto über Monate nie im Plus, spricht man von einer Dauerinanspruchnahme. Banken werten das als Warnsignal. Die Folge können höhere Zinsen, zusätzliche Sicherheitenforderungen oder eine Kürzung der Linie sein.

Wie die Bank die Linie bemisst und absichert

Wie groß der Rahmen ausfällt, leitet die Bank vor allem aus Umsatz, Ertragslage und Zahlungsverhalten ab. Sie verlangt dafür den Jahresabschluss oder die Einnahmenüberschussrechnung, bei größeren Linien zusätzlich unterjährige Auswertungen. Aus diesen Zahlen und weiteren Faktoren ergibt sich das interne Rating, also die Einschätzung der Bonität.

Als Sicherheiten kommen bei Kontokorrentkrediten vor allem Werte infrage, die selbst kurzfristig umschlagen oder leicht zu verwerten sind:

  • Globalzession: Abtretung aller gegenwärtigen und künftigen Kundenforderungen an die Bank
  • Sicherungsübereignung des Warenlagers
  • Bürgschaft der Gesellschafter, häufig bei GmbH und UG
  • Grundschuld auf einer Immobilie, sofern vorhanden

Gerade bei jungen Unternehmen ist die persönliche Bürgschaft des Geschäftsführers üblich. Sie hebelt die Haftungsbeschränkung einer Kapitalgesellschaft für diesen Kredit praktisch aus: Kann die Firma nicht zahlen, haftet der Gesellschafter mit seinem Privatvermögen.

Laufzeit, Verlängerung und Kündigung

Viele Linien werden für ein Jahr zugesagt und danach verlängert (Prolongation), andere laufen unbefristet. In beiden Fällen schaut die Bank regelmäßig auf die aktuellen Zahlen. Verschlechtert sich die Lage, kann sie die Konditionen anpassen oder den Rahmen reduzieren, bei einer befristeten Linie spätestens zum Ablauf.

Unbefristete Kreditlinien kann die Bank nach ihren Geschäftsbedingungen ordentlich kündigen, muss dabei aber auf berechtigte Belange des Kunden Rücksicht nehmen. Zusätzlich gibt § 490 BGB ein außerordentliches Kündigungsrecht, wenn sich die Vermögensverhältnisse des Kreditnehmers wesentlich verschlechtern und die Rückzahlung dadurch gefährdet ist. Für ein Unternehmen, dessen gesamter Zahlungsverkehr über das Konto läuft, kann eine gekündigte Linie innerhalb weniger Tage zur Zahlungsunfähigkeit führen.

Gut zu wissen: Linien bei zwei Banken verteilen das Risiko. Wer zudem die Bank frühzeitig informiert, wenn ein schwaches Quartal absehbar ist, steht meist besser da als jemand, dessen Probleme erst im Jahresabschluss auffallen.

Wenn der Rahmen dauerhaft nicht reicht

Ist die Linie ständig ausgeschöpft, liegt meist ein strukturelles Problem vor: Entweder wächst das Unternehmen schneller als seine Finanzierung, oder Investitionen wurden kurzfristig bezahlt. Statt nur eine höhere Linie zu beantragen, lohnt es sich, die Ursache zu klären.

  • Langfristige Anschaffungen mit einem Investitionsdarlehen oder über Förderkredite umfinanzieren und so den Kontokorrent entlasten
  • Offene Kundenrechnungen über Factoring früher zu Geld machen
  • Zahlungsziele für Kunden verkürzen und das Mahnwesen straffen
  • Lagerbestände prüfen, denn gebundene Ware bindet auch Kreditlinie

Der Kontokorrentkredit bleibt dann, wofür er gedacht ist: ein Puffer, der im normalen Geschäftsverlauf immer wieder auf null oder ins Plus zurückkehrt.

Häufige Fragen

Eine feste Zahl gibt es nicht. Der Sollzins ist variabel und richtet sich nach dem Marktzins, der Bonität und den Sicherheiten. In der Regel liegt er deutlich über dem Zins eines Darlehens mit fester Laufzeit, aber unter dem Zins für Überziehungen über das Limit hinaus.

Für Privatpersonen heißt das Gegenstück Dispokredit. Er funktioniert ähnlich, ist aber an regelmäßige Geldeingänge gekoppelt und unterliegt den Vorschriften für Verbraucherkredite. Selbstständige und Freiberufler können für ihr Geschäftskonto einen Kontokorrentkredit vereinbaren.

Feste Raten gibt es nicht, die Rückführung geschieht über Zahlungseingänge auf dem Konto. Endet die Linie durch Kündigung oder Ablauf, wird der dann offene Saldo jedoch vollständig fällig. Darauf sollte ein Unternehmen vorbereitet sein.

Die Bank kann Zahlungen ablehnen oder die Überziehung dulden und dafür einen höheren Zins berechnen. Häufige oder dauerhafte Überschreitungen verschlechtern das Rating. Im ungünstigen Fall nimmt die Bank sie zum Anlass, die Linie zu kürzen oder zu kündigen.

Quellen und weiterführende Informationen

Gesetzestexte und Angaben der genannten Stellen in der jeweils aktuellen Fassung. Beispielrechnungen dienen der Veranschaulichung.