In Deutschland gibt es kaum eine Stadt ohne eine Filiale der örtlichen Sparkasse und der Volksbank. Beide sind feste Bestandteile der Bankenlandschaft, beide werben mit regionaler Verbundenheit und persönlicher Beratung. Auf den ersten Blick wirken sie austauschbar. Doch hinter den Kulissen sind sie grundverschieden organisiert, und dieser Unterschied ist durchaus interessant. Wir erklären ihn verständlich.
Zwei Banken, zwei Modelle
Sowohl Sparkassen als auch Volksbanken gehören zu den Banken, die regional verwurzelt sind und das klassische Bankgeschäft für Privatkunden und kleinere Unternehmen anbieten. Sie unterscheiden sich aber grundlegend in einer Frage, die viele Kunden nie stellen: Wem gehört die Bank eigentlich?
Bei einer normalen Geschäftsbank in Form einer Aktiengesellschaft gehört die Bank ihren Aktionären, die Gewinn erwarten. Bei Sparkassen und Volksbanken ist das anders, und zwar bei jeder der beiden auf ihre eigene Weise. Genau diese Eigentümerfrage ist der Kern des Unterschieds und prägt, wie die Institute denken und handeln.
Beide gehören zu großen Verbünden, die ihnen den Rücken stärken. Sparkassen sind Teil der Sparkassen-Finanzgruppe, Volksbanken gehören zur genossenschaftlichen Finanzgruppe. Innerhalb dieser Verbünde gibt es spezialisierte Partner für Bausparen, Versicherungen, Fondsanlagen und anderes. Für Kunden bedeutet das, dass sie über ihre örtliche Bank Zugang zu einem breiten Angebot bekommen.
Die Sparkasse
Sparkassen sind in der Regel öffentlich-rechtliche Institute. Das bedeutet, ihr Träger ist meist eine öffentliche Körperschaft, also etwa eine Stadt, ein Landkreis oder ein Zweckverband mehrerer Kommunen. Die Sparkasse ist damit eng mit der öffentlichen Hand der jeweiligen Region verbunden, gehört aber nicht im Sinne von Eigentum einzelnen Personen.
Aus dieser Trägerschaft ergibt sich ein wichtiges Merkmal: Sparkassen verfolgen traditionell einen öffentlichen Auftrag. Sie sollen die Versorgung der Bevölkerung und der regionalen Wirtschaft mit Finanzdienstleistungen sicherstellen, gerade auch in der Fläche. Gewinnmaximierung steht offiziell nicht im Vordergrund, sondern die Förderung der Region. Ein Teil der Überschüsse fließt häufig in gemeinnützige Zwecke vor Ort, etwa in Vereine, Kultur oder soziale Projekte.
Ein weiteres Kennzeichen ist das Regionalprinzip. Eine Sparkasse ist grundsätzlich für ein bestimmtes Gebiet zuständig und konzentriert ihr Geschäft dort. Das erklärt, warum es so viele rechtlich eigenständige Sparkassen gibt, die zwar alle unter demselben Namen und Logo auftreten, aber jeweils eigene Institute mit eigenen Konditionen sind. Die Sparkasse in der einen Stadt kann also andere Gebühren verlangen als die in der Nachbarstadt.
Die Volksbank
Volksbanken und Raiffeisenbanken, oft zusammen genannt, sind dagegen Genossenschaftsbanken. Das ist ein grundlegend anderes Modell. Eine Genossenschaftsbank gehört nicht der öffentlichen Hand, sondern ihren Mitgliedern. Wer Mitglied wird, erwirbt einen oder mehrere Genossenschaftsanteile und ist damit anteilig Miteigentümer der Bank.
Diese Mitgliederstruktur ist das Herzstück der Genossenschaftsidee. Die Mitglieder sind nicht nur Kunden, sondern Teilhaber. Sie können an der Generalversammlung teilnehmen und dort mitbestimmen, wobei nach dem genossenschaftlichen Prinzip oft jedes Mitglied eine Stimme hat, unabhängig von der Zahl seiner Anteile. Auf ihre Anteile erhalten die Mitglieder häufig eine jährliche Dividende, falls die Bank Gewinn macht und die Versammlung das beschließt.
Der Grundgedanke der Genossenschaft ist die Förderung der Mitglieder. Historisch entstanden diese Banken, damit sich Menschen und kleine Betriebe gegenseitig den Zugang zu Krediten und Finanzdienstleistungen ermöglichten, die ihnen sonst verwehrt blieben. Auch bei den Volksbanken gibt es viele rechtlich eigenständige Institute mit jeweils eigenen Konditionen, ähnlich wie bei den Sparkassen.
Wichtig zu wissen: Eine Sparkasse hat meist eine Kommune als Träger und einen öffentlichen Auftrag. Eine Volksbank gehört ihren Mitgliedern, die als Miteigentümer mitbestimmen und eine Dividende erhalten können. Das ist der zentrale Unterschied.
Was beide gemeinsam haben
Trotz der unterschiedlichen Eigentümerstruktur ähneln sich Sparkassen und Volksbanken im Alltag stark. Beide bieten das volle Spektrum des Bankgeschäfts: Girokonten, Sparprodukte, Kredite, Baufinanzierungen, Anlageberatung und Versicherungen über ihre Verbundpartner. Für die meisten Kunden fühlt sich der Service bei beiden sehr ähnlich an.
Auch das Filialnetz und die persönliche Beratung vor Ort sind bei beiden ein zentrales Versprechen. Anders als reine Direktbanken setzen sie auf Niederlassungen mit Ansprechpartnern, was gerade für Menschen wichtig ist, die das persönliche Gespräch schätzen. Beide gehören zudem Sicherungssystemen an, die die Einlagen der Kunden schützen.
Auch bei den Kosten gibt es keine grundsätzliche Regel, dass die eine Gruppe günstiger wäre als die andere. Kontoführungsgebühren, Zinsen und sonstige Konditionen unterscheiden sich vor allem von Institut zu Institut, nicht systematisch zwischen Sparkassen und Volksbanken. Das ist ein wichtiger Punkt für die Wahl, zu der wir jetzt kommen.
Worauf es bei der Wahl ankommt
Wenn Sie vor der Entscheidung stehen, sollten Sie sich von der grundsätzlichen Frage Sparkasse oder Volksbank lösen und stattdessen das konkrete Institut betrachten. Da jede einzelne Sparkasse und jede einzelne Volksbank eigene Konditionen festlegt, ist der Vergleich der konkreten Angebote vor Ort viel aussagekräftiger als die allgemeine Zugehörigkeit.
Achten Sie auf die Dinge, die für Sie wirklich zählen. Wie hoch sind die Kontoführungsgebühren? Gibt es ein dichtes Netz an Geldautomaten, die Sie kostenlos nutzen können? Wie gut ist das Onlinebanking und die App? Wie ist die Beratung, und passt der Ansprechpartner zu Ihnen? Diese praktischen Fragen entscheiden im Alltag mehr über Ihre Zufriedenheit als die Frage, wem die Bank gehört.
Ein Aspekt, der bei der Volksbank besonders ist: Wenn Sie Mitglied werden, sind Sie Miteigentümer und können eine Dividende erhalten. Für manche ist das ein netter Zusatznutzen, für andere unwichtig. Bei der Sparkasse wiederum schätzen manche den Gedanken, dass Überschüsse der Region zugutekommen. Solche Werte können bei sonst ähnlichen Angeboten den Ausschlag geben. Wer ein Konto eröffnet, sollte auch an die Themen denken, die damit zusammenhängen, etwa den Schutz vor Überziehung und Schulden, wie im Beitrag über den Schufa-Eintrag beschrieben.
Welche passt zu Ihnen?
Die ehrliche Antwort lautet: Es gibt keine pauschal bessere Wahl. Sparkasse und Volksbank sind beide solide, regional verankerte Banken mit einem breiten Angebot und persönlicher Beratung. Der organisatorische Unterschied, öffentlich-rechtlicher Träger auf der einen, Genossenschaft der Mitglieder auf der anderen Seite, ist interessant und prägt die Philosophie, hat im Alltag des einzelnen Kunden aber oft weniger Bedeutung, als man denken könnte.
Viel wichtiger ist, das konkrete Institut bei Ihnen vor Ort genau anzuschauen und die Konditionen mit Ihren Bedürfnissen abzugleichen. Vergleichen Sie Gebühren, Erreichbarkeit, digitale Angebote und den Eindruck aus einem Beratungsgespräch. Eine Bank ist eine langfristige Beziehung, deshalb lohnt es sich, hier genau hinzuschauen, statt sich allein vom Namen oder vom Logo leiten zu lassen.
Wenn Sie die Unterschiede verstanden haben, können Sie die Entscheidung selbstbewusst treffen. Sie wissen nun, dass hinter den ähnlichen Fassaden zwei verschiedene Modelle stecken, und Sie wissen, dass die wahren Unterschiede für Sie als Kunde meist im konkreten Angebot liegen. Mit diesem Wissen wählen Sie nicht nach Bauchgefühl, sondern nach dem, was wirklich zu Ihnen passt.
Häufige Fragen
Sparkassen sind öffentlich-rechtliche Institute, deren Träger meist eine Stadt oder ein Landkreis ist und die einen öffentlichen Auftrag verfolgen. Volksbanken und Raiffeisenbanken sind Genossenschaftsbanken, die ihren Mitgliedern gehören. Der zentrale Unterschied liegt in der Trägerschaft und Eigentümerstruktur.
Eine Volksbank gehört ihren Mitgliedern. Wer Mitglied wird, erwirbt Genossenschaftsanteile und ist damit Miteigentümer. Mitglieder können an der Generalversammlung teilnehmen, mitbestimmen und erhalten oft eine Dividende auf ihre Anteile, wenn die Bank Gewinn macht.
Pauschal ist keine besser. Konditionen, Gebühren und Service unterscheiden sich vor allem von Institut zu Institut, nicht grundsätzlich zwischen den beiden Gruppen. Ein konkreter Vergleich der Angebote vor Ort ist deshalb sinnvoller als eine allgemeine Entscheidung.
Beide gehören Sicherungssystemen ihrer jeweiligen Verbünde an, die dem Schutz der Kundeneinlagen dienen. Zusätzlich gilt die gesetzliche Einlagensicherung. Die konkreten Details der Sicherungssysteme unterscheiden sich, der Schutz der Einlagen ist aber bei beiden ein zentrales Element.