Wer einen Kredit aufnimmt und am Ende weniger Geld auf dem Konto hat als die vereinbarte Kreditsumme, stößt auf ein Phänomen mit einem sperrigen Namen: das Disagio. Es klingt kompliziert, folgt aber einer einfachen Logik und kann den Zinssatz spürbar beeinflussen. Wir erklären, was dahintersteckt, warum es überhaupt existiert und worauf man beim Vergleich achten sollte.
Was es ist
Ein Disagio ist ein Abschlag bei der Auszahlung eines Kredits. Vereinbart man eine bestimmte Kreditsumme, bekommt man bei einem Kredit mit Disagio nicht den vollen Betrag ausgezahlt, sondern einen um das Disagio verringerten. Zurückzahlen muss man aber die volle vereinbarte Summe. Die Differenz ist das Disagio.
Der Begriff stammt aus dem Italienischen und bedeutet so viel wie Abschlag. Man spricht auch von einem Damnum. Im Kern ist das Disagio nichts anderes als eine vorweg gezahlte Zinszahlung. Statt die Zinsen vollständig über die Laufzeit zu verteilen, zahlt man einen Teil davon gleich zu Beginn, indem die Auszahlung entsprechend gekürzt wird.
Im Gegenzug für dieses vorweg einbehaltene Geld bietet die Bank einen niedrigeren laufenden Zinssatz, den sogenannten Nominalzins. Das Disagio ist also kein zusätzlicher Kostenpunkt aus dem Nichts, sondern eine Umverteilung: Man zahlt einen Teil der Zinsen vorab und hat dafür über die Laufzeit eine geringere Zinsbelastung. Wie Zinsen grundsätzlich funktionieren, erklären wir im Beitrag über Zinsen.
Wie es funktioniert
Das Disagio wird in Prozent der Kreditsumme angegeben. Vereinbart man etwa einen Kredit über eine bestimmte Summe mit einem Disagio von einigen Prozent, behält die Bank diesen Prozentsatz bei der Auszahlung ein. Man erhält also die Kreditsumme abzüglich des Disagios, schuldet der Bank aber die volle Summe.
Der entscheidende Effekt ist die Wirkung auf den Nominalzins. Weil die Bank durch das Disagio einen Teil ihrer Vergütung schon zu Beginn erhält, kann sie den laufenden Zinssatz niedriger ansetzen. Über die Laufzeit zahlt man dann geringere Zinsen auf die Restschuld. Das Disagio verschiebt also einen Teil der Zinskosten vom laufenden Zeitraum an den Anfang.
Wichtig ist, dass das Disagio die tatsächlichen Gesamtkosten des Kredits nicht einfach senkt. Was man an laufenden Zinsen spart, hat man vorab durch die geringere Auszahlung schon bezahlt. Es handelt sich also vor allem um eine andere Verteilung der Kosten über die Zeit, nicht zwingend um eine echte Ersparnis. Ob unterm Strich ein Vorteil bleibt, zeigt erst der Vergleich des effektiven Jahreszinses.
Ein anschauliches Beispiel
Ein vereinfachtes Beispiel macht das Prinzip greifbar. Nehmen wir an, jemand möchte tatsächlich 100.000 Euro für ein Vorhaben zur Verfügung haben und vereinbart einen Kredit mit einem Disagio. Damit am Ende die gewünschten 100.000 Euro ausgezahlt werden, muss die vereinbarte Kreditsumme höher angesetzt werden, denn ein Teil wird ja als Disagio einbehalten.
Beträgt das Disagio beispielsweise fünf Prozent, müsste die Kreditsumme entsprechend höher liegen, damit nach Abzug des Disagios die benötigten 100.000 Euro übrig bleiben. Man nimmt also formal einen größeren Kredit auf, bekommt den gewünschten Betrag ausgezahlt und zahlt die höhere Summe zurück, dafür aber zu einem niedrigeren Nominalzins.
Alternativ kann man die Auszahlung auch einfach um das Disagio gekürzt akzeptieren, wenn man den vollen Betrag nicht zwingend braucht. In jedem Fall zeigt das Beispiel: Das Disagio führt dazu, dass vereinbarte Kreditsumme und tatsächliche Auszahlung auseinanderfallen. Wer einen Kredit mit Disagio plant, muss das von Anfang an einkalkulieren, damit am Ende der benötigte Betrag zur Verfügung steht.
Wichtig zu wissen: Ein Disagio senkt nicht automatisch die Gesamtkosten eines Kredits. Es verschiebt Zinskosten an den Anfang. Was zählt, ist allein der effektive Jahreszins, der das Disagio bereits einrechnet und Kredite vergleichbar macht.
Disagio und Agio
Um das Disagio richtig einzuordnen, hilft der Blick auf seinen Gegenpart, das Agio. Während das Disagio ein Abschlag ist, ist das Agio ein Aufschlag. Beide Begriffe beschreiben die Differenz zwischen dem Nennwert und dem tatsächlichen Auszahlungs- oder Kaufpreis, nur in entgegengesetzte Richtungen.
Bei einem Disagio liegt der Auszahlungsbetrag unter dem Nennwert: Man bekommt weniger ausgezahlt, als vereinbart und zurückzuzahlen ist. Bei einem Agio liegt der Preis über dem Nennwert: Man zahlt einen Aufschlag. Das Agio begegnet einem vor allem in der Welt der Geldanlage, etwa beim Kauf von Fondsanteilen, wo es als Ausgabeaufschlag bekannt ist.
Im Bereich der Kredite und Baufinanzierungen ist in aller Regel das Disagio gemeint, also der Abschlag bei der Auszahlung. Bei Anleihen wiederum können beide Varianten vorkommen, je nachdem, ob ein Papier über oder unter seinem Nennwert ausgegeben oder gehandelt wird. Die Begriffe sind also in verschiedenen Zusammenhängen nützlich, beschreiben aber immer dasselbe Grundprinzip von Abschlag und Aufschlag.
Warum der Effektivzins zählt
Beim Vergleich von Krediten führt das Disagio leicht in die Irre, wenn man nur auf den Nominalzins schaut. Ein Kredit mit Disagio hat einen niedrigeren Nominalzins, wirkt also auf den ersten Blick günstiger. Das täuscht aber, denn die vorab gezahlten Zinsen über das Disagio sind in diesem Nominalzins nicht enthalten.
Deshalb gibt es den effektiven Jahreszins. Er bezieht das Disagio und andere Kostenbestandteile mit ein und drückt die tatsächlichen jährlichen Kosten eines Kredits aus. Erst der Effektivzins macht verschiedene Kreditangebote wirklich vergleichbar, unabhängig davon, ob sie mit oder ohne Disagio gestaltet sind. Banken sind verpflichtet, ihn anzugeben.
Die praktische Regel lautet deshalb: Vergleichen Sie Kredite immer anhand des effektiven Jahreszinses, nicht des Nominalzinses. Ein scheinbar niedriger Nominalzins, der durch ein hohes Disagio erkauft ist, sagt für sich genommen wenig aus. Der Effektivzins dagegen verrät, welcher Kredit unter dem Strich tatsächlich teurer oder günstiger ist. Wer das beachtet, lässt sich von der optischen Wirkung eines Disagios nicht blenden.
Wann es sich lohnen kann
Ob sich ein Disagio lohnt, lässt sich nicht pauschal sagen, sondern hängt von der individuellen Situation ab. Da es die Kosten vor allem zeitlich verschiebt, ergibt sich ein echter Vorteil meist nur unter bestimmten Umständen, etwa wenn steuerliche Aspekte eine Rolle spielen oder man bewusst niedrige laufende Raten anstrebt.
In bestimmten Fällen, vor allem bei vermieteten Immobilien, konnte ein Disagio in der Vergangenheit steuerlich vorteilhaft sein, weil die vorweg gezahlten Zinsen unter Umständen früher steuerlich geltend gemacht werden konnten. Solche steuerlichen Gestaltungen sind aber komplex, an Bedingungen geknüpft und sollten mit fachkundiger Beratung geprüft werden, etwa durch einen Steuerberater.
Für die meisten privaten Kreditnehmer, die einfach eine günstige Finanzierung suchen, ist das Disagio dagegen vor allem ein Faktor, den man beim Vergleich richtig einordnen muss. Entscheidend bleibt der effektive Jahreszins. Wer einen Kredit mit Disagio in Betracht zieht, sollte genau durchrechnen, ob sich daraus ein realer Vorteil ergibt, oder ob ein Kredit ohne Disagio bei gleichem Effektivzins nicht einfacher und übersichtlicher ist.
Häufige Fragen
Ein Disagio ist ein Abschlag bei der Auszahlung eines Kredits. Man bekommt weniger ausgezahlt, als man als Kreditsumme vereinbart hat und zurückzahlen muss. Der einbehaltene Teil ist eine vorweg gezahlte Zinszahlung und senkt im Gegenzug den laufenden Nominalzins.
Ein Disagio ist ein Abschlag, ein Agio ein Aufschlag. Beim Disagio wird weniger als der Nennwert ausgezahlt, beim Agio zahlt man mehr als den Nennwert. Im Kreditbereich ist meist das Disagio gemeint, das Agio kennt man vor allem aus der Geldanlage.
Ein Disagio senkt den laufenden Zinssatz, erfordert aber eine höhere Kreditsumme oder mehr Eigenmittel zu Beginn. Ob es sich lohnt, hängt vom Einzelfall ab, etwa von steuerlichen Aspekten. Entscheidend ist immer der effektive Jahreszins für den Vergleich.
Weil ein Disagio den Nominalzins künstlich senkt und einen Kredit scheinbar günstiger macht. Der effektive Jahreszins rechnet das Disagio mit ein und zeigt die tatsächlichen Kosten. Erst er macht Kredite mit und ohne Disagio wirklich vergleichbar.