Wie Festgeld funktioniert
Festgeld ist eine Termineinlage bei einer Bank. Sie vereinbaren einen Betrag, eine Laufzeit und einen Zinssatz. Dieser Zins steht vom ersten bis zum letzten Tag fest, egal wie sich das Zinsniveau in der Zwischenzeit entwickelt. Am Ende der Laufzeit bekommen Sie den Anlagebetrag plus Zinsen zurück.
- Festgeldkonto eröffnen, meist mit einem Referenzkonto zur Auszahlung
- Betrag überweisen und Laufzeit wählen
- Zins wird für die gesamte Laufzeit festgeschrieben
- Bei Fälligkeit fließen Kapital und Zinsen auf das Referenzkonto oder werden neu angelegt
Eine vorzeitige Kündigung ist in der Regel nicht vorgesehen. Einige Banken erlauben sie in Ausnahmefällen, dann meist gegen Verzicht auf einen Teil oder alle Zinsen. Wer das Geld vielleicht früher braucht, sollte das vor dem Abschluss in den Bedingungen nachlesen.
Festgeld oder Tagesgeld?
Die beiden Sparformen werden oft verglichen, weil sie ähnlich sicher sind. Der Unterschied liegt in der Bindung. Beim Tagesgeld kommen Sie jederzeit an Ihr Geld, der Zins kann sich aber jederzeit ändern. Beim Festgeld ist es umgekehrt.
| Kriterium | Festgeld | Tagesgeld |
|---|---|---|
| Zins | fest für die gesamte Laufzeit | variabel, jederzeit änderbar |
| Verfügbarkeit | erst bei Fälligkeit | täglich |
| Bei fallenden Zinsen | Vorteil: der alte Zins bleibt | Nachteil: der Zins sinkt mit |
| Bei steigenden Zinsen | Nachteil: man profitiert nicht | Vorteil: der Zins steigt eher mit |
| Planbarkeit | Endbetrag steht vorher fest | Endbetrag offen |
| Einlagensicherung | bis 100.000 Euro je Kunde und Bank | bis 100.000 Euro je Kunde und Bank |
Festgeld lohnt sich vor allem, wenn ein Betrag für einen klaren Zeitraum sicher nicht gebraucht wird und der Festzins spürbar über dem Tagesgeldzins liegt. Ist der Abstand klein, wiegt die Flexibilität des Tagesgelds oft schwerer.
Laufzeiten und was sie bedeuten
Banken bieten Festgeld meist mit Laufzeiten von wenigen Monaten bis zu zehn Jahren an. Normalerweise gilt: Je länger das Geld gebunden ist, desto höher der Zins. Das ist aber keine feste Regel. Erwarten die Märkte sinkende Zinsen, können kurze Laufzeiten zeitweise besser verzinst sein als lange. Man spricht dann von einer inversen Zinsstruktur.
| Laufzeit | Passt für | Zu bedenken |
|---|---|---|
| 1 bis 6 Monate | Geld, das bald für einen festen Termin gebraucht wird | Zinsvorteil gegenüber Tagesgeld oft gering |
| 1 bis 2 Jahre | geplante Anschaffungen, etwa Auto oder Renovierung | guter Kompromiss aus Zins und Bindung |
| 3 bis 5 Jahre | Rücklagen mit festem Zweck, Teil einer Zinstreppe | Inflation kann den Festzins aufzehren |
| über 5 Jahre | nur für Geld, das sicher nicht gebraucht wird | hohes Risiko, eine Zinswende zu verpassen |
Wie sich die Zinsen entwickeln, hängt stark vom Leitzins der Europäischen Zentralbank ab. Niemand kann diese Entwicklung verlässlich vorhersagen. Wer sich für sehr lange Laufzeiten entscheidet, wettet im Grunde darauf, dass die Zinsen nicht steigen.
Die Zinstreppe: Laufzeiten staffeln
Eine Zinstreppe verteilt einen Betrag auf mehrere Festgeldanlagen mit unterschiedlichen Laufzeiten. So wird jedes Jahr ein Teil frei, und man ist nicht auf einen einzigen Zinszeitpunkt festgelegt. Wird eine Stufe fällig und das Geld nicht gebraucht, legt man es auf die längste Laufzeit neu an.
Angenommen, 20.000 Euro werden in vier Teile zu je 5.000 Euro aufgeteilt. Beispielzinsen: 1 Jahr 2,0 %, 2 Jahre 2,2 %, 3 Jahre 2,4 %, 4 Jahre 2,6 %.
Zinsen im ersten Jahr: 100 + 110 + 120 + 130 Euro = 460 Euro
Das entspricht im Schnitt 2,3 Prozent auf die gesamten 20.000 Euro.
Nach einem Jahr werden 5.000 Euro fällig und für 4 Jahre neu angelegt. Bleiben die Zinsen gleich, liegen nach drei weiteren Jahren alle Stufen beim Vierjahreszins von 2,6 Prozent.
Trotzdem wird jedes Jahr ein Viertel des Geldes frei.
Die Zinstreppe glättet das Zinsänderungsrisiko. Steigen die Zinsen, profitiert man mit jeder neuen Stufe. Fallen sie, bleibt ein Teil des Geldes noch zu den alten Konditionen angelegt. Der Nachteil ist mehr Verwaltungsaufwand, weil mehrere Fälligkeiten im Blick bleiben müssen.
Zinszahlung, Zinseszins und Steuern
Jährliche Auszahlung oder Zinsansammlung
Bei mehrjährigem Festgeld zahlen manche Banken die Zinsen jährlich auf das Referenzkonto aus, andere schreiben sie dem Festgeld gut und verzinsen sie mit. Im zweiten Fall entsteht ein Zinseszins, der allerdings erst bei längeren Laufzeiten nennenswert wird.
Angenommen, der Festzins beträgt 2,5 Prozent pro Jahr.
Mit jährlicher Auszahlung: 2 × 250 Euro = 500 Euro Zinsen
Mit Mitverzinsung: 10.000 × 1,025 × 1,025 = 10.506,25 Euro, also 506,25 Euro Zinsen
Unterschied: 6,25 Euro zugunsten der Mitverzinsung
Wann die Zinsen versteuert werden
Zinsen unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer, soweit sie den Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro (2.000 Euro bei Zusammenveranlagung) übersteigen. Mehr dazu im Beitrag zur Kapitalertragsteuer. Entscheidend ist der Zeitpunkt, an dem die Zinsen zufließen.
Wichtig zu wissen: Werden die Zinsen eines mehrjährigen Festgelds erst am Ende gutgeschrieben, fallen sie steuerlich komplett in ein einziges Jahr. Dann kann der Sparerpauschbetrag in diesem Jahr überschritten werden, obwohl er bei jährlicher Zahlung gereicht hätte.
Was am Ende der Laufzeit passiert
Bei Fälligkeit gibt es zwei Varianten. Entweder überweist die Bank Kapital und Zinsen automatisch auf das Referenzkonto, oder sie verlängert die Anlage selbstständig um dieselbe Laufzeit. Diese automatische Verlängerung heißt Prolongation. Der neue Zins richtet sich dann nach den Konditionen am Verlängerungstag und kann deutlich niedriger sein als zuvor.
Wer eine Prolongation nicht möchte, muss ihr meist vor dem Fälligkeitstag widersprechen. Es lohnt sich, das Datum zu notieren und rechtzeitig zu prüfen, ob eine Neuanlage zu den dann gültigen Bedingungen sinnvoll ist.
Grenzen und Risiken
Festgeld gilt als sehr sichere Anlage, ist aber nicht frei von Risiken und Nachteilen. Die wichtigsten:
- Inflation: Liegt die Teuerung über dem Festzins, verliert das Geld real an Wert. Der Zins ist fest, die Inflation nicht.
- Gebundenes Kapital: Für unerwartete Ausgaben steht das Geld nicht bereit. Eine separate Reserve bleibt nötig.
- Verpasste Zinsanstiege: Bei langen Laufzeiten kann man von steigenden Zinsen nicht profitieren.
- Ausländische Banken: Hohe Festgeldzinsen kommen oft von Banken im EU-Ausland. Die Einlagensicherung bis 100.000 Euro gilt dort ebenfalls, im Ernstfall aber über das Sicherungssystem des jeweiligen Landes.
- Kein Vermögensaufbau: Für Ziele in zehn oder zwanzig Jahren bringt Festgeld nach Inflation meist wenig. Hier kommen eher breit gestreute Wertpapiere in Betracht, etwa über einen Sparplan.
Ein fester Zins ist also Stärke und Schwäche zugleich. Er schützt vor sinkenden Zinsen und macht den Endbetrag planbar, nimmt aber jede Chance auf mehr. Am besten passt Festgeld deshalb zu Beträgen mit einem bekannten Termin: der Anzahlung für eine Wohnung in zwei Jahren, einer anstehenden Steuernachzahlung oder einer größeren Anschaffung. Für diese Zwecke ist das Kursrisiko von Aktien oder Anleihen mit langer Restlaufzeit oft unpassend, und der Festzins liefert genau die Sicherheit, die gebraucht wird.
Vor dem Abschluss lohnt ein Blick auf drei Punkte: Wer ist die Bank und in welchem Land sitzt sie, wann und wie werden die Zinsen gezahlt, und was passiert automatisch bei Fälligkeit. Diese Angaben stehen in den Produktbedingungen und im Informationsbogen für den Einleger.
Häufige Fragen
Grundsätzlich nicht. Festgeld ist für die vereinbarte Laufzeit gebunden. Manche Banken lassen eine vorzeitige Auflösung in Härtefällen zu, verlangen dann aber meist einen Zinsverzicht oder eine Gebühr.
Das hängt davon ab, wann das Geld gebraucht wird. Die Laufzeit sollte vor dem geplanten Verwendungstermin enden. Wer unsicher ist, wie sich die Zinsen entwickeln, kann mehrere Laufzeiten kombinieren.
Einlagen sind bis 100.000 Euro je Kunde und Bank gesetzlich geschützt. Das gilt auch für Festgeld. Die Sicherungseinrichtung zahlt den Betrag einschließlich der bis dahin aufgelaufenen Zinsen innerhalb dieser Grenze aus.
Nur bedingt. Liegt die Inflation über dem Festzins, sinkt die Kaufkraft trotz Zinsen. Festgeld schützt den Nennwert, nicht den realen Wert des Geldes.
Quellen und weiterführende Informationen
Gesetzestexte und Angaben der genannten Stellen in der jeweils aktuellen Fassung. Beispielrechnungen dienen der Veranschaulichung.