Wenn von Geldanlage die Rede ist, denken die meisten zuerst an Aktien. Dabei gibt es eine zweite große Gruppe von Wertpapieren, die für Stabilität sorgt: die Anleihen. Sie funktionieren nach einem völlig anderen Prinzip und spielen besonders dann eine Rolle, wenn es um Sicherheit und planbare Erträge geht. Wir erklären, was Anleihen sind und wie sie sich von Aktien unterscheiden.

Was eine Anleihe ist

Eine Anleihe ist im Kern ein Kredit, nur andersherum gedacht als üblich. Statt dass man sich Geld leiht, leiht man selbst Geld an jemand anderen, nämlich an einen Staat oder ein Unternehmen. Im Gegenzug erhält man dafür regelmäßig Zinsen und am Ende der vereinbarten Laufzeit den verliehenen Betrag zurück.

Wer eine Anleihe kauft, wird also zum Gläubiger. Der Staat oder das Unternehmen, das die Anleihe ausgibt, ist der Schuldner und verpflichtet sich, die Zinsen zu zahlen und das Geld zurückzuzahlen. Anders als bei einer Aktie wird man nicht Miteigentümer, sondern bleibt außenstehender Geldgeber mit klar festgelegten Ansprüchen.

Der Grund, warum Staaten und Unternehmen Anleihen ausgeben, ist einfach: Sie brauchen Geld. Ein Staat finanziert damit seinen Haushalt, ein Unternehmen seine Investitionen. Statt einen einzigen großen Kredit bei einer Bank aufzunehmen, leihen sie sich das Geld von vielen Anlegern, die im Gegenzug Zinsen bekommen. Anleihen sind damit eine Form der Investition, die auf festen Zinsen beruht.

Wie sie funktioniert

Eine Anleihe hat einige feste Eckdaten, die von Anfang an bekannt sind. Es gibt einen Nennwert, also den Betrag, der am Ende zurückgezahlt wird. Es gibt einen Zinssatz, der angibt, wie viel Zinsen jährlich gezahlt werden. Und es gibt eine Laufzeit, also den Zeitraum, nach dem das Geld zurückfließt. Diese Eckdaten machen die Erträge gut planbar.

Ein vereinfachtes Beispiel: Man kauft eine Anleihe über 1.000 Euro mit drei Prozent Zinsen und zehn Jahren Laufzeit. Dann erhält man zehn Jahre lang jedes Jahr 30 Euro Zinsen und am Ende die 1.000 Euro zurück. Diese Planbarkeit ist der große Reiz von Anleihen, man weiß im Voraus, was man bekommt, sofern der Schuldner zahlungsfähig bleibt.

Anleihen lassen sich auch vor dem Ende der Laufzeit an der Börse verkaufen. Ihr Kurs schwankt dann, vor allem in Abhängigkeit vom allgemeinen Zinsniveau. Steigen die Zinsen am Markt, fallen die Kurse bestehender Anleihen, weil neue Anleihen attraktiver werden, und umgekehrt. Wer aber bis zum Ende der Laufzeit hält, bekommt unabhängig von diesen Kursbewegungen seinen Nennwert zurück. Wie Zinsen grundsätzlich wirken, erklären wir im Beitrag über Zinsen.

Welche Arten es gibt

Anleihen unterscheidet man vor allem danach, wer sie ausgibt. Staatsanleihen werden von Staaten ausgegeben, um ihren Haushalt zu finanzieren. Anleihen solider, wirtschaftlich starker Staaten gelten als besonders sicher, weil das Risiko, dass ein solcher Staat nicht zahlt, sehr gering ist. Dafür sind die Zinsen meist niedrig.

Unternehmensanleihen werden von Firmen ausgegeben. Hier hängt die Sicherheit von der Finanzkraft des Unternehmens ab. Ein großes, solides Unternehmen gilt als verlässlicher Schuldner, ein angeschlagenes als riskanter. Entsprechend bieten Unternehmensanleihen je nach Schuldner unterschiedlich hohe Zinsen, riskantere Schuldner müssen mehr bieten, um Anleger zu locken.

Um die Sicherheit einzuschätzen, gibt es Bonitätsbewertungen, die die Zahlungsfähigkeit von Schuldnern beurteilen. Je besser die Bewertung, desto sicherer gilt die Anleihe und desto niedriger sind die Zinsen. Je schlechter die Bewertung, desto höher das Risiko und desto höher die gebotenen Zinsen. Auch hier zeigt sich der Grundsatz, dass höhere Erträge mit höherem Risiko erkauft werden.

Wichtig zu wissen: Wer eine Anleihe kauft, wird Gläubiger und kein Miteigentümer. Man hat Anspruch auf Zinsen und Rückzahlung, ist aber nicht am Gewinn beteiligt. Geht der Schuldner pleite, kann das geliehene Geld dennoch verloren gehen.

Der Unterschied zu Aktien

Der zentrale Unterschied zwischen Anleihen und Aktien liegt in der Beziehung zum Unternehmen. Wer eine Aktie kauft, wird Miteigentümer und ist am Erfolg wie am Misserfolg beteiligt. Steigt der Wert des Unternehmens, profitiert man, fällt er, verliert man. Es gibt keine feste Verzinsung und keine Rückzahlung, der Ertrag hängt allein von der Entwicklung ab.

Wer dagegen eine Anleihe kauft, leiht nur Geld und bleibt außen vor. Man profitiert nicht, wenn das Unternehmen besonders gut läuft, denn die Zinsen sind fest vereinbart. Dafür bekommt man auch bei mäßigem Geschäft seine Zinsen und am Ende sein Geld zurück, solange der Schuldner zahlungsfähig bleibt. Anleihen sind damit berechenbarer, aber in der Regel auch weniger ertragreich.

Daraus ergibt sich die übliche Einordnung: Aktien gelten als chancenreicher, aber schwankungsanfälliger, Anleihen als stabiler, aber ertragsärmer. Viele Anleger kombinieren beide, um Chancen und Sicherheit auszubalancieren. Welcher Anteil sinnvoll ist, hängt von den eigenen Zielen, dem Zeithorizont und der Risikobereitschaft ab.

Chancen und Risiken

Auch Anleihen sind nicht risikolos, auch wenn sie als vergleichsweise sicher gelten. Das wichtigste Risiko ist, dass der Schuldner nicht zahlen kann. Geht ein Unternehmen pleite oder gerät ein Staat in eine Zahlungskrise, können Zinsen ausfallen und im schlimmsten Fall das geliehene Geld teilweise oder ganz verloren gehen. Dieses Risiko ist bei soliden Schuldnern sehr gering, bei wackligen deutlich höher.

Ein zweites Risiko betrifft den Kurs während der Laufzeit. Wer eine Anleihe vor dem Ende verkaufen möchte, bekommt den aktuellen Marktpreis, der je nach Zinsentwicklung über oder unter dem Nennwert liegen kann. Wer dagegen bis zum Ende der Laufzeit hält, erhält den vollen Nennwert zurück und muss sich um zwischenzeitliche Kursbewegungen nicht kümmern.

Schließlich gibt es das Risiko der Inflation. Wenn die Zinsen einer Anleihe niedriger sind als die Teuerung, verliert das Geld real an Kaufkraft, auch wenn nominal alles zurückgezahlt wird. Anleihen schützen also nicht automatisch vor Geldentwertung. Wer all diese Punkte im Blick behält, kann Anleihen aber gezielt für den stabileren Teil seiner Anlage nutzen.

Welche Rolle sie im Depot spielen

Im Zusammenspiel verschiedener Anlagen übernehmen Anleihen meist die Rolle des Stabilitätsankers. Während Aktien für Wachstum und Rendite sorgen, aber stark schwanken können, bringen Anleihen Ruhe und planbare Erträge ins Depot. Diese Mischung kann das Gesamtrisiko senken, weil sich Anleihen und Aktien oft unterschiedlich entwickeln.

Wie hoch der Anleihenanteil sein sollte, hängt stark von der persönlichen Situation ab. Wer einen langen Anlagehorizont hat und Schwankungen aushält, kann einen größeren Aktienanteil wählen. Wer es ruhiger mag oder das Geld in absehbarer Zeit braucht, gewichtet Anleihen stärker. Es gibt hier keine pauschal richtige Aufteilung, sondern nur eine, die zu den eigenen Zielen passt.

Für Privatanleger lassen sich Anleihen ähnlich wie Aktien über breit gestreute Fonds kaufen, sodass man nicht einzelne Anleihen auswählen muss, sondern in viele zugleich investiert. So profitiert man von der Stabilität dieser Anlageklasse, ohne sich um jeden einzelnen Schuldner kümmern zu müssen. Anleihen sind damit ein wichtiger Baustein, um ein Vermögen breit und ausgewogen aufzustellen, wie wir es im Beitrag über Investition beschreiben.

Häufige Fragen

Eine Anleihe ist ein Wertpapier, mit dem man einem Staat oder Unternehmen Geld leiht. Dafür erhält man regelmäßig Zinsen und am Ende der Laufzeit den geliehenen Betrag zurück. Man ist also Gläubiger, nicht Miteigentümer.

Bei einer Aktie wird man Miteigentümer und ist am Erfolg des Unternehmens beteiligt. Bei einer Anleihe leiht man nur Geld und erhält feste Zinsen. Anleihen gelten meist als sicherer und berechenbarer, bringen aber in der Regel weniger Rendite als Aktien.

Das hängt vom Schuldner ab. Anleihen sehr solider Staaten gelten als sehr sicher, Anleihen wackliger Schuldner sind riskanter, bieten dafür aber höhere Zinsen. Auch hier hängen Rendite und Risiko zusammen. Zudem kann die Inflation die reale Rendite mindern.

Anleihen sind meist der Stabilitätsanker. Während Aktien für Wachstum sorgen, aber schwanken, bringen Anleihen planbare Erträge und Ruhe. Die Mischung aus beiden kann das Gesamtrisiko senken, weil sie sich oft unterschiedlich entwickeln.