Kaum ein Begriff ist beim Thema Geldanlage in den letzten Jahren so populär geworden wie der ETF. Für viele gilt er als der einfachste und vernünftigste Weg, langfristig Vermögen aufzubauen. Doch was steckt eigentlich dahinter, und warum sind diese Indexfonds so beliebt? Wir bauen das Thema von Grund auf zusammen, damit am Ende klar ist, worum es geht.
Was ein Fonds ist
Um einen ETF zu verstehen, fängt man am besten beim Fonds an. Ein Fonds ist ein großer Topf, in den viele Anleger gemeinsam Geld einzahlen. Dieses gebündelte Geld wird dann in viele verschiedene Anlagen investiert, etwa in zahlreiche Aktien. Jeder Anleger besitzt einen Anteil am Fonds und ist damit indirekt an allen Anlagen im Topf beteiligt.
Der große Vorteil ist die Streuung. Mit einem einzigen Fondsanteil ist man auf einen Schlag an vielen Unternehmen beteiligt, nicht nur an einem. Das senkt das Risiko erheblich, denn das Schicksal eines einzelnen Unternehmens fällt im Gesamtbild kaum ins Gewicht. Diese Risikostreuung ist der Grundgedanke jeder vernünftigen Investition.
Traditionell werden Fonds von Fondsmanagern verwaltet, die aktiv entscheiden, welche Aktien gekauft und verkauft werden. Sie versuchen, durch geschickte Auswahl besser abzuschneiden als der Markt. Dieses aktive Management kostet allerdings Geld, denn die Manager und ihr Aufwand müssen bezahlt werden. Und genau hier setzt der Indexfonds an, der einen anderen Weg geht.
Was ein Index ist
Ein Index ist eine Art Messlatte für einen Markt. Er fasst eine bestimmte Gruppe von Wertpapieren zusammen und bildet deren Entwicklung in einer einzigen Zahl ab. Bekannte Beispiele sind große Aktienindizes, die die wichtigsten Unternehmen eines Landes oder einer Region umfassen. Steigt der Index, sind die enthaltenen Aktien im Durchschnitt gestiegen, fällt er, sind sie gefallen.
Ein Index ist also zunächst nur eine Kennzahl, die zeigt, wie sich ein bestimmter Markt entwickelt. Er fasst zum Beispiel die größten Unternehmen zusammen und gewichtet sie nach ihrer Größe. So bekommt man mit einem Blick ein Bild davon, wie es dem gesamten Markt geht, ohne jede einzelne Aktie verfolgen zu müssen.
Die entscheidende Idee dahinter: Wenn ein Index die Entwicklung eines ganzen Marktes abbildet, könnte man doch einfach genau diesen Index nachkaufen, statt zu versuchen, einzelne Gewinneraktien herauszupicken. Man würde dann automatisch so abschneiden wie der Markt insgesamt. Genau das macht ein Indexfonds.
Was ein ETF ist
Ein Indexfonds ist ein Fonds, der nicht aktiv verwaltet wird, sondern einfach einen bestimmten Index nachbildet. Statt dass ein Manager Aktien auswählt, kauft der Fonds automatisch genau die Wertpapiere, die im Index enthalten sind, und in derselben Gewichtung. Der Fonds entwickelt sich dann praktisch genauso wie der Index, dem er folgt.
Ein ETF ist die heute verbreitetste Form des Indexfonds. Die Abkürzung steht für die englische Bezeichnung eines börsengehandelten Fonds. Der wichtigste Unterschied zum klassischen Indexfonds ist, dass ein ETF wie eine Aktie laufend an der Börse gehandelt wird und sich daher jederzeit kaufen und verkaufen lässt. In der Praxis meint man heute meist einen ETF, wenn man von einem Indexfonds spricht.
Der Clou am ETF ist seine Einfachheit. Mit einem einzigen ETF auf einen breiten Index investiert man auf einen Schlag in Hunderte oder sogar Tausende Unternehmen weltweit. Man muss keine einzelnen Aktien auswählen und sich nicht ständig kümmern, sondern beteiligt sich einfach an der Entwicklung eines ganzen Marktes. Das macht den ETF zum idealen Werkzeug für breite Streuung mit minimalem Aufwand.
Praktischer Tipp: Ein breit gestreuter ETF auf einen weltweiten Aktienindex gilt für viele als solide Basis für den langfristigen Vermögensaufbau. Mit einem Produkt ist man an Tausenden Unternehmen beteiligt, zu sehr geringen Kosten.
Warum sie so beliebt sind
Die Beliebtheit der ETFs hat mehrere gute Gründe. Der erste sind die niedrigen Kosten. Weil kein teures Fondsmanagement nötig ist, das ständig Aktien auswählt, sind ETFs deutlich günstiger als aktiv verwaltete Fonds. Über die Jahre macht das einen großen Unterschied, denn hohe Gebühren fressen einen erheblichen Teil der Rendite auf.
Der zweite Grund ist die breite Streuung. Mit einem einzigen ETF ist man automatisch an vielen Unternehmen beteiligt und damit nicht vom Schicksal einzelner Firmen abhängig. Der dritte Grund ist die Einfachheit. Man muss kein Experte sein und keine Aktien analysieren, sondern kauft einfach einen ganzen Markt. Das spart Zeit, Nerven und schützt vor vielen Anfängerfehlern.
Hinzu kommt ein bemerkenswerter Befund: Über lange Zeiträume schneiden die meisten aktiv verwalteten Fonds nicht besser ab als der Markt, oft sogar schlechter, nachdem man ihre höheren Kosten abzieht. Ein günstiger ETF, der einfach den Markt nachbildet, ist deshalb für viele Anleger die vernünftigere Wahl. Man versucht gar nicht erst, den Markt zu schlagen, sondern macht einfach mit ihm mit.
Worauf man achten sollte
Auch wenn ETFs einfach sind, gibt es ein paar Punkte, auf die man achten sollte. Wichtig ist zunächst, welchen Index ein ETF abbildet. Ein breit gestreuter, weltweiter Index ist für die meisten Anleger sinnvoller als ein enger Index, der nur auf eine Branche oder ein einzelnes Land setzt, denn breitere Streuung bedeutet weniger Risiko.
Ein zweiter Punkt sind die Kosten. ETFs sind generell günstig, aber es gibt Unterschiede. Die laufenden Kosten werden meist als kleine jährliche Gebühr angegeben, und je niedriger sie sind, desto besser für die Rendite. Da ETFs auf denselben Index sich kaum unterscheiden, lohnt es sich, auf einen günstigen Anbieter zu achten.
Ein dritter Punkt ist der Umgang mit den Erträgen. Manche ETFs schütten die Dividenden der enthaltenen Unternehmen an die Anleger aus, andere legen sie automatisch wieder an. Beide Varianten haben ihre Berechtigung, je nachdem, ob man laufende Auszahlungen möchte oder den Zinseszinseffekt nutzen will. Wie dieser Effekt wirkt, erklären wir im Beitrag über den Zinseszins.
So setzt man ETFs ein
In der Praxis kauft man ETFs über ein Wertpapierdepot, genau wie einzelne Aktien. Besonders verbreitet ist der ETF-Sparplan, bei dem man automatisch in festen Abständen, etwa monatlich, einen bestimmten Betrag in einen ETF investiert. So baut man kontinuierlich Vermögen auf, ohne den richtigen Einstiegszeitpunkt finden zu müssen.
Diese Methode passt gut zu einer langfristigen Anlagestrategie. Man legt regelmäßig an, lässt das Geld über viele Jahre arbeiten und profitiert vom Zinseszinseffekt sowie von der langfristigen Entwicklung der Märkte. Kurzfristige Schwankungen sitzt man dabei aus, weil man ohnehin auf Jahre und Jahrzehnte plant. Wichtig ist nur, vorher einen Notgroschen aufzubauen, wie im Beitrag über Rücklagen beschrieben.
Für sehr viele Anleger ist die Kombination aus einem breit gestreuten, günstigen ETF und einem regelmäßigen Sparplan der einfachste und zugleich solideste Weg zum Vermögensaufbau. Man braucht kein Spezialwissen, keinen ständigen Aufwand und keine Wette auf einzelne Werte. Genau diese Mischung aus Einfachheit, niedrigen Kosten und breiter Streuung hat den ETF zum Liebling vieler Privatanleger gemacht.
Häufige Fragen
Ein ETF ist ein börsengehandelter Indexfonds. Er bildet einen Index wie einen großen Aktienkorb nach und investiert das Geld der Anleger automatisch in alle darin enthaltenen Werte. Damit ist man mit einem einzigen Produkt breit gestreut.
Ein ETF ist eine besondere Form des Indexfonds, die laufend an der Börse gehandelt wird und sich jederzeit kaufen und verkaufen lässt. Klassische Indexfonds werden dagegen nur einmal täglich abgerechnet. In der Praxis meint man mit Indexfonds heute meist ETFs.
ETFs sind günstig, breit gestreut und einfach. Sie verzichten auf teures aktives Management und bilden einfach einen Markt nach. Da die meisten aktiven Fonds langfristig nicht besser abschneiden, gelten ETFs für den Vermögensaufbau als sehr sinnvolles Werkzeug.
Auf einen breit gestreuten Index, auf niedrige laufende Kosten und darauf, ob die Erträge ausgeschüttet oder wieder angelegt werden. Ein weltweiter Index streut breiter als ein enger Branchen- oder Länderindex und senkt damit das Risiko.