Was ist Tagesgeld?

Ein Tagesgeldkonto ist ein Sparkonto ohne feste Laufzeit und ohne Kündigungsfrist. Das Guthaben wird verzinst, und Sie können täglich über den gesamten Betrag verfügen. Anders als beim Girokonto sind keine Kartenzahlungen, Lastschriften oder Daueraufträge an Dritte möglich. Geld fließt nur zwischen dem Tagesgeldkonto und einem festgelegten Referenzkonto hin und her.

Der Zins ist variabel. Die Bank darf ihn jederzeit senken oder erhöhen, ohne dass Sie zustimmen müssen. Das ist der wesentliche Unterschied zum Festgeld, bei dem der Zins für die gesamte Laufzeit feststeht, das Geld dafür aber gebunden ist.

  • keine Mindestlaufzeit, keine Kündigungsfrist
  • variabler Zins, den die Bank anpassen kann
  • Auszahlung nur auf das hinterlegte Referenzkonto
  • in der Regel ohne Kontoführungsgebühr
  • Schutz durch die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro je Kunde und Bank

Verfügbarkeit: täglich, aber nicht immer sofort

Täglich verfügbar heißt, dass die Bank keine Frist verlangt. Es heißt nicht zwingend, dass das Geld in derselben Minute auf dem Girokonto liegt. Eine normale Überweisung auf das Referenzkonto dauert meist einen Bankarbeitstag. Am Wochenende oder an Feiertagen kann es länger dauern, sofern die Bank keine Echtzeitüberweisung für Übertragungen vom Tagesgeldkonto anbietet.

Im Alltag fällt das selten ins Gewicht. Wer aber kurzfristig eine größere Rechnung bezahlen muss, sollte ein oder zwei Tage Puffer einplanen. Ein kleiner Betrag auf dem Girokonto bleibt deshalb sinnvoll, auch wenn er dort nicht verzinst wird.

Gut zu wissen: Tagesgeld ist der klassische Ort für den Notgroschen. Wie groß diese Reserve sein sollte, hängt von Einkommen und Fixkosten ab. Hinweise dazu finden Sie im Beitrag zu Rücklagen.

Wie sich der Tagesgeldzins bildet

Banken orientieren sich beim Tagesgeldzins vor allem am Leitzins der Europäischen Zentralbank, genauer am Einlagensatz. Steigt er, ziehen die Tagesgeldzinsen meist mit Verzögerung nach. Sinkt er, geben Banken die Senkung oft schneller weiter. Daneben zählt, wie dringend eine Bank Einlagen braucht: Wer neue Kunden gewinnen oder Kredite refinanzieren will, zahlt eher mehr.

Weil sich die Konditionen laufend ändern, nennt dieser Beitrag bewusst keine aktuellen Zinssätze. Alle Zahlen unten sind Beispielwerte.

Zinsgutschrift und Zinseszins

Die Zinsen werden je nach Bank monatlich, vierteljährlich oder jährlich gutgeschrieben. Bleiben sie auf dem Konto, werden sie in der nächsten Periode mitverzinst. Dieser Zinseszins macht bei kleinen Beträgen und kurzen Zeiträumen nur wenige Cent aus, ist bei häufiger Gutschrift aber ein kleiner Vorteil.

Gestaffelte Zinsen und Höchstbeträge

Nicht jedes Konto verzinst jeden Euro gleich. Manche Banken staffeln den Zins nach der Höhe des Guthabens: Bis zu einer Grenze gibt es den beworbenen Satz, für den darüber liegenden Teil weniger oder gar nichts. Andere zahlen umgekehrt erst ab einem Mindestbetrag den vollen Zins. In den Konditionen steht das meist unscheinbar im Kleingedruckten.

Für den Vergleich zählt deshalb der Zins auf den Betrag, den Sie tatsächlich anlegen wollen. Wer 50.000 Euro parkt, profitiert wenig von einem Spitzensatz, der nur bis 10.000 Euro gilt. Rechnen Sie im Zweifel die erwarteten Zinsen für ein Jahr in Euro aus, das macht Angebote direkt vergleichbar.

Zins und Inflation

Liegt der Tagesgeldzins unter der Teuerungsrate, verliert das Guthaben trotz Zinsen an Kaufkraft. Das war in Deutschland über längere Phasen der Fall. Tagesgeld schützt also vor Kursschwankungen, nicht aber zuverlässig vor Inflation.

Lockangebote: den Neukundenzins genau lesen

Viele Banken werben mit einem erhöhten Zins, der nur für Neukunden und nur für einige Monate gilt. Danach fällt das Konto auf den regulären Zins zurück, der deutlich niedriger sein kann. Das ist kein Betrug, aber die Überschrift sagt selten die ganze Wahrheit.

  • Befristung: Der Aktionszins gilt oft drei bis sechs Monate.
  • Betragsgrenze: Der hohe Zins gilt nur bis zu einer Obergrenze, darüber der Normalzins.
  • Neukundenbedingung: Wer schon einmal Kunde war, ist häufig ausgeschlossen.
  • Kopplung: Manchmal setzt der Zins ein Girokonto oder einen Mindestgeldeingang voraus.
Rechenbeispiel: Aktionszins über ein Jahr

Angenommen, Sie legen 20.000 Euro an. Die Bank zahlt 4 Monate lang 3,0 Prozent, danach 1,5 Prozent.

Zinsen in den ersten 4 Monaten: 20.000 × 3,0 % × 4/12 = 200 Euro

Zinsen in den restlichen 8 Monaten: 20.000 × 1,5 % × 8/12 = 200 Euro

Summe im ersten Jahr: 400 Euro, das entspricht 2,0 Prozent auf das Jahr gerechnet.

Ein Konto mit dauerhaft 2,2 Prozent hätte im selben Zeitraum 440 Euro gebracht.

Aktionszinsen können sich trotzdem lohnen, wenn man bereit ist, nach Ablauf das Konto zu wechseln. Dieses Zinshopping kostet Zeit und erzeugt mehrere Konten, die man im Blick behalten muss. Wer das nicht möchte, fährt mit einem soliden Dauerzins oft genauso gut.

Wie sicher ist Tagesgeld?

Guthaben auf dem Tagesgeldkonto fallen unter die gesetzliche Einlagensicherung. In der EU sind 100.000 Euro je Kunde und Bank geschützt. Bei einem Gemeinschaftskonto gilt die Grenze für jeden Kontoinhaber, zusammen also bis 200.000 Euro. Geht die Bank pleite, zahlt die zuständige Sicherungseinrichtung den Betrag innerhalb weniger Arbeitstage aus.

Viele deutsche Institute sind zusätzlich Mitglied in freiwilligen Sicherungssystemen ihrer Verbände. Diese schützen oft deutlich höhere Beträge, ein einklagbarer Rechtsanspruch besteht aber meist nicht.

Einlagensicherung beim Tagesgeld im Überblick
SituationWas gilt
Bank mit Sitz in Deutschlandgesetzlicher Schutz bis 100.000 Euro, oft zusätzlich freiwillige Sicherung
Bank mit Sitz in einem anderen EU-LandSchutz bis 100.000 Euro über die Sicherung des jeweiligen Landes
Mehrere Konten bei derselben BankGuthaben werden zusammengerechnet, die Grenze gilt einmal
Zwei Marken, eine Banklizenzzählt als eine Bank, die Grenze gilt nur einmal
Gemeinschaftskonto zweier PersonenGrenze je Person, zusammen bis 200.000 Euro

Wichtig zu wissen: Über Zinsportale vermittelte Konten liegen oft bei Banken im EU-Ausland. Der Schutz ist dort ebenfalls auf 100.000 Euro harmonisiert, die Leistungsfähigkeit der Sicherungstöpfe unterscheidet sich aber von Land zu Land. Welche Bank tatsächlich Vertragspartner ist, steht im Informationsbogen für den Einleger.

Steuern auf Tagesgeldzinsen

Zinsen sind Kapitalerträge. Oberhalb des Sparerpauschbetrags von 1.000 Euro (2.000 Euro bei Zusammenveranlagung) behält eine deutsche Bank die Kapitalertragsteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer direkt ein. Damit der Freibetrag greift, braucht die Bank einen Freistellungsauftrag. Er lässt sich auf mehrere Banken verteilen.

Banken ohne Niederlassung in Deutschland führen keine deutsche Steuer ab. Die Zinsen müssen dann selbst in der Steuererklärung in der Anlage KAP angegeben werden. Wer ein geringes Einkommen hat, kann über die Günstigerprüfung eventuell zu viel gezahlte Steuer zurückholen.

Tagesgeld im Vergleich zu Girokonto, Festgeld und Wertpapieren

Tagesgeld ist ein Parkplatz, kein Motor. Es verbindet Sicherheit und Verfügbarkeit, verzichtet dafür auf höhere Ertragschancen. Für Geld, das über viele Jahre liegen bleibt, kommen eher breit gestreute Wertpapiere wie ETFs in Betracht, mit den bekannten Schwankungen.

Einordnung des Tagesgelds
MerkmalGirokontoTagesgeldFestgeldAktien-ETF
Verfügbarkeitsoforttäglicherst bei Fälligkeitbörsentäglich, Kurs offen
Zins oder Ertragmeist keinervariabelfest für die Laufzeitschwankend
Verlustrisikogeringgeringgeringdeutlich, kurzfristig hoch
Typischer ZweckZahlungsverkehrRücklage, Zwischenparkenplanbare Ausgabenlangfristiger Vermögensaufbau

In der Praxis nutzen viele Sparer eine Kombination: laufende Ausgaben auf dem Girokonto, eine Reserve auf dem Tagesgeldkonto, Beträge mit festem Termin im Festgeld und den Rest langfristig am Kapitalmarkt. Wichtiger als der letzte Zehntelprozentpunkt beim Zins ist, dass die Aufteilung zur eigenen Lebenslage passt.

Häufige Fragen

Ja. Der Zins ist vertraglich variabel, die Bank darf ihn jederzeit anpassen. Sie muss die Änderung mitteilen, eine Zustimmung ist nicht nötig. Im Gegenzug können Sie das Geld ebenso jederzeit abziehen.

Eine feste Regel gibt es nicht. Häufig wird eine Reserve von drei bis sechs Monatsausgaben genannt, plus Beträge für geplante Anschaffungen der nächsten ein bis zwei Jahre. Alles darüber hinaus verliert auf Tagesgeld langfristig oft an Kaufkraft.

Innerhalb der EU sind Einlagen bis 100.000 Euro je Kunde und Bank gesetzlich geschützt. Zuständig ist aber die Sicherungseinrichtung des Landes, in dem die Bank ihren Sitz hat. Im Ernstfall kann die Abwicklung aufwendiger sein als bei einer inländischen Bank.

Bei einer deutschen Bank ist die Steuer mit dem Einbehalt abgegolten, eine Angabe ist meist nicht nötig. Bei Banken ohne deutsche Niederlassung wird keine Steuer einbehalten, dann gehören die Zinsen in die Anlage KAP.

Quellen und weiterführende Informationen

Gesetzestexte und Angaben der genannten Stellen in der jeweils aktuellen Fassung. Beispielrechnungen dienen der Veranschaulichung.