Was ist Rendite?

Die Rendite misst, wie viel eine Anlage gebracht hat oder bringen soll, bezogen auf den Kapitaleinsatz. Sie umfasst alle Erträge: Zinsen, Dividenden, Mieteinnahmen und Wertsteigerungen, abzüglich etwaiger Wertverluste. Erst die Rendite macht Anlagen unterschiedlicher Größe und Dauer miteinander vergleichbar.

Rendite, Zins und Rentabilität

Der Zins ist nur ein Teil der Rendite. Bei einem Sparbuch fallen beide zusammen, bei Aktien oder Immobilien nicht. Eine Anleihe mit 3 Prozent Kupon kann eine höhere oder niedrigere Rendite haben, je nachdem, zu welchem Kurs sie gekauft wurde. Wie Zinsen selbst entstehen, erklärt der Beitrag Wie Zinsen funktionieren. Im Unternehmen spricht man statt von Rendite häufig von Rentabilität, etwa der Eigenkapitalrentabilität.

Rendite berechnen: die Formel

Gesamtrendite

Die Grundformel ist einfach: Rendite = (Endwert + Erträge − Anfangswert) ÷ Anfangswert × 100. Sie liefert die Gesamtrendite über den gesamten Anlagezeitraum, unabhängig davon, wie lange er war.

Rendite pro Jahr

Um Anlagen mit unterschiedlicher Dauer zu vergleichen, rechnet man auf ein Jahr um. Die durchschnittliche jährliche Rendite ergibt sich aus (Endwert ÷ Anfangswert) hoch (1 ÷ Jahre) − 1. Diese Formel berücksichtigt, dass Gewinne in späteren Jahren auf einer größeren Basis entstehen, also den Zinseszins. Fachleute sprechen von der geometrischen Durchschnittsrendite.

Rechenbeispiel: Aktienkauf über drei Jahre

Angenommen, Aktien werden für 10.000 Euro gekauft und nach drei Jahren für 12.500 Euro verkauft. In dieser Zeit fließen insgesamt 600 Euro Dividenden.

Gesamtrendite: (12.500 + 600 − 10.000) ÷ 10.000 = 31,0 Prozent

Rendite pro Jahr: (13.100 ÷ 10.000) hoch (1/3) − 1 = 9,42 Prozent

Zum Vergleich: 31 Prozent einfach durch drei geteilt ergäbe 10,33 Prozent. Diese Abkürzung überzeichnet die tatsächliche Jahresrendite.

Vereinfachung: Die Dividenden werden so behandelt, als flössen sie am Ende.

Rendite berechnen bei Immobilien

Bei vermieteten Wohnungen hat der Begriff eine eigene Bedeutung. Die Bruttomietrendite setzt die Jahreskaltmiete ins Verhältnis zum Kaufpreis. Sie ist schnell gerechnet, lässt aber Kaufnebenkosten wie Grunderwerbsteuer, Notar und Makler sowie laufende Kosten, die nicht auf Mieter umgelegt werden können, außen vor. Aussagekräftiger ist die Nettomietrendite.

Rechenbeispiel: Mietrendite

Angenommen, eine Wohnung kostet 300.000 Euro und bringt 12.000 Euro Jahreskaltmiete.

Bruttomietrendite: 12.000 ÷ 300.000 = 4,0 Prozent

Mit 10 Prozent Kaufnebenkosten steigt der Einsatz auf 330.000 Euro. Nicht umlagefähige Kosten für Verwaltung und Instandhaltung: angenommen 2.000 Euro pro Jahr.

Nettomietrendite: (12.000 − 2.000) ÷ 330.000 = rund 3,0 Prozent

Wertsteigerung, Finanzierung und Steuern sind hier noch nicht berücksichtigt.

Von brutto zu netto: Rendite nach Kosten und Steuern

Die Rendite aus dem Beispiel ist eine Bruttorendite. Beim Anleger kommt weniger an, weil Kauf und Verkauf etwas kosten und auf den Gewinn Steuern fällig werden. Wie stark das wirkt, zeigt die Fortsetzung des Beispiels.

Dasselbe Investment in vier Stufen (Beispielwerte)
StufeGewinnGesamtrenditeRendite pro Jahr
1. Brutto, ohne Kosten3.100 Euro31,0 %9,42 %
2. Nach Kosten (je 50 Euro für Kauf und Verkauf)3.000 Euro29,9 %9,10 %
3. Nach Steuern (26,375 % auf 3.000 Euro)2.208,75 Euro22,0 %6,85 %
4. Real, nach 2,5 % Inflation pro Jahrkaufkraftbereinigt13,3 %4,24 %

Bei Stufe 2 steigt der Einsatz auf 10.050 Euro, der Rückfluss sinkt auf 13.050 Euro. Für Stufe 3 wurde die Abgeltungsteuer von 25 Prozent plus 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag darauf angesetzt, ohne Kirchensteuer. Die Transaktionskosten mindern den steuerpflichtigen Gewinn. Unterstellt ist außerdem, dass der Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro bereits durch andere Erträge ausgeschöpft ist. Wie die Steuer genau funktioniert, steht im Beitrag zur Kapitalertragsteuer.

Gut zu wissen: Bei Fonds und ETFs sind die laufenden Kosten (TER) bereits im Kurs enthalten. Die ausgewiesene Wertentwicklung eines Fonds ist also schon nach diesen Kosten, aber vor Ausgabeaufschlag, Depotgebühren und Steuern.

Nominale und reale Rendite

Die nominale Rendite gibt an, um wie viel der Geldbetrag gewachsen ist. Die reale Rendite zeigt, um wie viel die Kaufkraft gewachsen ist, also was man sich von dem Geld tatsächlich mehr leisten kann. Der Unterschied ist die Inflation.

Exakt gerechnet: reale Rendite = (1 + nominale Rendite) ÷ (1 + Inflationsrate) − 1. Im Beispiel: 1,0685 ÷ 1,025 − 1 = 4,24 Prozent. Die bekannte Faustformel nominal minus Inflation ergibt 4,35 Prozent und ist bei niedrigen Werten nah genug. Bei hoher Inflation weicht sie deutlicher ab.

Eine positive nominale Rendite kann real negativ sein. Bringt Tagesgeld 2 Prozent Zinsen und liegt die Teuerung bei 3 Prozent, wächst das Guthaben auf dem Konto, die Kaufkraft schrumpft trotzdem. Die amtliche Inflationsrate veröffentlicht das Statistische Bundesamt. Hintergründe stehen im Beitrag zur Inflation.

Typische Rechenfallen

Minus 50, plus 50 ist nicht null

Fällt eine Anlage von 10.000 auf 5.000 Euro (minus 50 Prozent) und steigt danach um 50 Prozent, steht sie bei 7.500 Euro. Der einfache Durchschnitt der beiden Jahresrenditen ist null, tatsächlich fehlen aber 25 Prozent. Um einen Verlust von 50 Prozent auszugleichen, braucht es ein Plus von 100 Prozent.

Durchschnitt ist nicht gleich Durchschnitt

Werbung und Ranglisten nennen manchmal den arithmetischen Durchschnitt einzelner Jahresrenditen. Er liegt bei schwankenden Anlagen immer über dem geometrischen Durchschnitt, der wirklich angibt, wie das Vermögen gewachsen ist. Für die eigene Planung zählt der geometrische Wert.

Rendite bei regelmäßigen Einzahlungen

Bei einem Sparplan war nicht das ganze Geld über die gesamte Zeit angelegt. Die Formel oben ist dann nicht anwendbar. Man braucht eine Rechnung, die jeden Zahlungszeitpunkt berücksichtigt, etwa den internen Zinsfuß. Viele Depotbanken zeigen nur Gewinn in Prozent der Einzahlungen, was mit der Jahresrendite nicht zu verwechseln ist.

Vergangene Rendite ist keine Zusage

Historische Renditen beschreiben, was war. Sie hängen stark vom gewählten Zeitraum ab. Wer einen Zeitraum kurz nach einem Börsentief wählt, bekommt beeindruckende Zahlen, die sich nicht wiederholen müssen.

Rendite, Risiko und Verfügbarkeit

Keine Anlage bietet zugleich hohe Rendite, hohe Sicherheit und jederzeitige Verfügbarkeit. Man spricht vom magischen Dreieck der Geldanlage. Höhere Renditechancen gibt es fast immer nur gegen höhere Schwankungen oder längere Bindung.

Das magische Dreieck an Beispielen
AnlageRenditechanceSicherheitVerfügbarkeit
Tagesgeldniedrighochhoch
Festgeldniedrig bis mittelhochgering bis Fälligkeit
Anleihen guter Bonitätmittelmittel bis hochbörsentäglich, Kurs schwankt
Breit gestreute Aktienhochkurzfristig geringbörsentäglich, Kurs schwankt stark
Selbst genutzte Immobilieschwer messbarmittelgering

Wer eine angebotene Rendite bewerten will, sollte fragen, welches Risiko dahintersteht. Auffällig hohe Renditeversprechen bei angeblich geringem Risiko sind ein Warnsignal. Ein Teil des Risikos lässt sich durch Streuung senken, ganz verschwinden wird es nie.

Bevor man zwei Renditeangaben vergleicht, helfen vier Fragen:

  • Ist es eine Gesamtrendite oder eine Rendite pro Jahr?
  • Welcher Zeitraum liegt zugrunde, und beginnt er an einem günstigen Punkt?
  • Sind Kosten wie Ausgabeaufschlag, Ordergebühren und Depotkosten abgezogen?
  • Ist die Zahl vor oder nach Steuern und nominal oder real angegeben?

Nur wenn beide Angaben auf derselben Grundlage beruhen, sagt der Vergleich etwas aus. Ansonsten werden Äpfel mit Birnen verglichen, und die vermeintlich bessere Anlage ist am Ende die schlechtere.

Häufige Fragen

Man teilt den Gewinn einschließlich aller Erträge durch das eingesetzte Kapital und multipliziert mit 100. Wer 1.000 Euro anlegt und am Ende 1.080 Euro hat, erzielt 8 Prozent Gesamtrendite. Für eine Jahresrendite muss die Dauer berücksichtigt werden.

Das hängt vom Risiko und vom Zeitraum ab. Eine Rendite sollte zumindest über der Inflation liegen, sonst verliert das Geld an Kaufkraft. Wer deutlich mehr will, muss in der Regel Schwankungen in Kauf nehmen.

Der Zins ist die vereinbarte Vergütung für überlassenes Geld. Die Rendite erfasst alle Erträge einer Anlage, also auch Kursgewinne oder Kursverluste, und bezieht sie auf das tatsächlich eingesetzte Kapital.

Angaben in Prospekten, Factsheets und Ranglisten sind fast immer vor Steuern. Bei Fonds ist die laufende Kostenquote meist schon berücksichtigt, Ausgabeaufschläge oft nicht. Die persönliche Nettorendite muss man selbst ausrechnen.

Quellen und weiterführende Informationen

Gesetzestexte und Angaben der genannten Stellen in der jeweils aktuellen Fassung. Beispielrechnungen dienen der Veranschaulichung.