Gleicher Gewinn, unterschiedliche Rentabilität

Angenommen, zwei Handwerksbetriebe erzielen im selben Jahr jeweils 80.000 Euro Gewinn. Auf den ersten Blick stehen beide gleich gut da. Der Blick auf Kapital und Umsatz ändert das Bild.

Zwei Betriebe im Vergleich (Beispielwerte)
KennzahlBetrieb ABetrieb B
Gewinn80.000 €80.000 €
Eigenkapital400.000 €1.000.000 €
Umsatz800.000 €2.000.000 €
Eigenkapitalrentabilität20 %8 %
Umsatzrentabilität10 %4 %

Betrieb A erwirtschaftet mit weniger als der Hälfte des Kapitals denselben Gewinn. Jeder Euro Eigenkapital bringt dort 20 Cent im Jahr, bei Betrieb B nur 8 Cent. Die Eigentümer von Betrieb B könnten sich fragen, ob ihr Kapital anderswo bei vergleichbarem Risiko mehr abwerfen würde. Genau diese Frage beantworten Rentabilitätskennzahlen.

Was ist Rentabilität?

Rentabilität ist eine Verhältniszahl. Sie gibt in Prozent an, wie viel Gewinn ein Unternehmen im Verhältnis zu einer Bezugsgröße erzielt. Je nach Bezugsgröße entstehen unterschiedliche Kennzahlen mit unterschiedlicher Aussage.

Oft wird der Begriff mit Rendite gleichgesetzt, und tatsächlich überschneiden sich die Wörter stark. Von Rentabilität spricht man meist bei Unternehmen und ihren Bilanzzahlen, von Rendite eher bei einer Geldanlage, wo neben laufenden Erträgen auch Kursgewinne zählen.

Abzugrenzen sind zwei verwandte Begriffe. Wirtschaftlichkeit vergleicht Ertrag und Aufwand, ohne das Kapital zu betrachten. Liquidität fragt, ob ein Unternehmen jederzeit zahlen kann. Ein rentabler Betrieb kann trotzdem zahlungsunfähig werden, wenn Kunden spät zahlen oder zu viel Geld in Vorräten steckt. Mehr dazu im Beitrag zur Liquidität.

Die drei wichtigsten Kennzahlen

Die Formeln unterscheiden sich vor allem darin, welcher Gewinn im Zähler und welche Größe im Nenner steht. Alle folgenden Beispiele beziehen sich auf Jahreswerte.

Eigenkapitalrentabilität

Die Eigenkapitalrentabilität (auch Eigenkapitalrendite, englisch Return on Equity) zeigt, wie sich das Kapital der Eigentümer verzinst: Gewinn ÷ Eigenkapital × 100.

Als Gewinn dient meist der Jahresüberschuss aus der Gewinn- und Verlustrechnung. Beim Eigenkapital ist der Durchschnitt aus Anfangs- und Endbestand genauer als der Wert am Stichtag. Bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften sollte vom Gewinn ein kalkulatorischer Unternehmerlohn abgezogen werden, weil die Inhaber dort kein Gehalt beziehen. Sonst wirkt die Rentabilität höher, als sie ist.

Gesamtkapitalrentabilität

Die Gesamtkapitalrentabilität bewertet den Erfolg mit dem gesamten eingesetzten Kapital, egal wem es gehört. Weil die Zinsen für Fremdkapital das Entgelt der Kreditgeber sind, werden sie zum Gewinn addiert: (Gewinn + Fremdkapitalzinsen) ÷ Gesamtkapital × 100.

Angenommen, Betrieb A aus dem Vergleich oben arbeitet neben seinen 400.000 Euro Eigenkapital mit 600.000 Euro Krediten und zahlt dafür 30.000 Euro Zinsen im Jahr. Dann gilt: (80.000 + 30.000) ÷ 1.000.000 × 100 = 11 Prozent Gesamtkapitalrentabilität. Die hohe Eigenkapitalrentabilität von 20 Prozent beruht also zum Teil darauf, dass ein großer Teil des Geschäfts mit geliehenem Geld läuft.

Die Kennzahl eignet sich, um Unternehmen mit unterschiedlicher Finanzierung zu vergleichen. Sie zeigt, wie ertragreich das Geschäft selbst ist, bevor die Frage der Finanzierung ins Spiel kommt.

Umsatzrentabilität

Die Umsatzrentabilität, auch Umsatzrendite oder Gewinnmarge, gibt an, wie viel von jedem Euro Umsatz als Gewinn übrig bleibt: Gewinn ÷ Umsatz × 100. Bei 5 Prozent bleiben von 100 Euro Umsatz 5 Euro Gewinn.

Die Werte unterscheiden sich stark nach Branche. Der Lebensmittelhandel arbeitet mit schmalen Margen und hohem Umsatz, Software- oder Beratungsunternehmen haben oft deutlich höhere Margen. Vergleiche ergeben deshalb nur innerhalb einer Branche Sinn. Statt des Jahresüberschusses wird häufig das EBIT verwendet, um Steuer- und Finanzierungseffekte auszublenden.

ROI: Marge mal Kapitalumschlag

Der Return on Investment (ROI) zerlegt die Rentabilität in zwei Treiber. In der klassischen Form, bekannt als Du-Pont-Schema, gilt: ROI = Umsatzrentabilität × Kapitalumschlag.

Der Kapitalumschlag ist Umsatz ÷ Gesamtkapital. Er zeigt, wie oft das eingesetzte Kapital im Jahr über den Umsatz zurückfließt. Multipliziert man beide Faktoren, kürzt sich der Umsatz heraus, und übrig bleibt Gewinn ÷ Kapital.

Rechenbeispiel ROI

Angenommen, ein Onlinehändler erzielt 2 Mio. Euro Umsatz und 100.000 Euro Gewinn. Das Gesamtkapital beträgt 800.000 Euro.

Umsatzrentabilität: 100.000 ÷ 2.000.000 = 5 Prozent

Kapitalumschlag: 2.000.000 ÷ 800.000 = 2,5

ROI: 5 Prozent × 2,5 = 12,5 Prozent

Kontrolle: 100.000 ÷ 800.000 = 12,5 Prozent

Der Nutzen liegt in der Zerlegung. Ein schwacher ROI kann an zu geringen Margen liegen oder daran, dass zu viel Kapital gebunden ist, etwa in Lagerbeständen oder offenen Forderungen. Wer das Working Capital senkt, verbessert den Kapitalumschlag und damit den ROI, ohne einen Euro mehr zu verdienen.

ROI einer einzelnen Investition

Im Alltag wird ROI auch für einzelne Vorhaben genutzt, etwa eine Werbekampagne oder eine neue Maschine: Gewinn aus der Maßnahme ÷ eingesetztes Kapital × 100. Diese Form ist einfach, berücksichtigt aber nicht, wann die Rückflüsse kommen. Für längerfristige Investitionen sind Verfahren wie die Kapitalwertmethode genauer, weil sie den Zeitwert des Geldes einbeziehen.

Leverage-Effekt: wenn Schulden die Rentabilität heben

Eigenkapital- und Gesamtkapitalrentabilität hängen über den Verschuldungsgrad zusammen. Solange die Gesamtkapitalrentabilität über dem Zins für Fremdkapital liegt, steigt die Eigenkapitalrentabilität mit jedem zusätzlichen Euro Kredit. Diesen Hebel nennt man Leverage-Effekt.

Beispiel Leverage-Effekt

Angenommen, ein Vorhaben erfordert 1 Mio. Euro Kapital und bringt vor Zinsen 100.000 Euro, also 10 Prozent Gesamtkapitalrentabilität. Der Kreditzins liegt bei 5 Prozent, Steuern bleiben der Einfachheit halber außen vor.

Variante 1, nur Eigenkapital: 100.000 ÷ 1.000.000 = 10 Prozent Eigenkapitalrentabilität

Variante 2, je 500.000 Euro Eigenkapital und Kredit: Zinsen 25.000 Euro, Gewinn 75.000 Euro, also 75.000 ÷ 500.000 = 15 Prozent

Variante 3, 200.000 Euro Eigenkapital und 800.000 Euro Kredit: Zinsen 40.000 Euro, Gewinn 60.000 Euro, also 60.000 ÷ 200.000 = 30 Prozent

Der Hebel wirkt auch in die andere Richtung. Sinkt die Gesamtkapitalrentabilität in einem schwachen Jahr auf 3 Prozent, also 30.000 Euro, bleibt in Variante 3 nach 40.000 Euro Zinsen ein Verlust von 10.000 Euro. Variante 1 hätte immer noch einen kleinen Gewinn. Hohe Verschuldung macht die Eigenkapitalrentabilität also nicht nur höher, sondern auch anfälliger. Deshalb achten Banken neben der Rentabilität auf die Eigenkapitalquote.

Was Rentabilitätskennzahlen nicht zeigen

Rentabilitätskennzahlen sind verbreitet, weil sie sich leicht berechnen lassen. Gerade deshalb lohnt ein kritischer Blick auf ihre Schwächen:

  • Bilanzpolitik: Gewinn und Eigenkapital beruhen auf Bilanzwerten mit Wahlrechten und Schätzungen. Abschreibungsmethoden oder Rückstellungen verschieben Gewinn zwischen den Jahren.
  • Dünnes Eigenkapital verzerrt: Je weniger Eigenkapital, desto höher die Eigenkapitalrentabilität. Ein Unternehmen mit fast aufgezehrtem Eigenkapital kann eine beeindruckende Quote ausweisen und trotzdem gefährdet sein.
  • Momentaufnahme: Hohe Investitionen drücken die Rentabilität kurzfristig, auch wenn sie sich später auszahlen. Aussagekräftiger ist die Entwicklung über mehrere Jahre.
  • Alte Anlagen schönen die Zahl: Weitgehend abgeschriebene Maschinen senken das ausgewiesene Kapital. Die Rentabilität wirkt gut, bis Ersatzinvestitionen fällig werden.
  • Kein Maß für Risiko: Zwei Unternehmen mit gleicher Rentabilität können sehr unterschiedlich sicher sein.

Wer die eigene Rentabilität verbessern will, hat grundsätzlich drei Ansatzpunkte: höhere Margen durch bessere Preise oder niedrigere Kosten, weniger gebundenes Kapital durch schlankere Lager und schnellere Zahlungseingänge sowie eine passende Finanzierung. Der dritte Hebel ist der riskanteste, weil er die Abhängigkeit von Kreditgebern erhöht.

Rentabilität sollte deshalb immer zusammen mit Kennzahlen zu Liquidität, Verschuldung und Cashflow betrachtet werden. Erst das Zusammenspiel ergibt ein belastbares Bild davon, wie gut ein Unternehmen wirtschaftet.

Häufige Fragen

Pauschal lässt sich das nicht sagen. Als Faustregel sollte sie deutlich über dem Zins risikoarmer Anlagen liegen, weil Eigentümer ein unternehmerisches Risiko tragen. Wie groß dieser Abstand sein sollte, hängt von Branche, Größe und Risiko des Unternehmens ab.

Beide beschreiben das Verhältnis von Ertrag zu eingesetztem Kapital. Rentabilität bezieht sich meist auf Unternehmen und deren Bilanzzahlen, Rendite eher auf Geldanlagen wie Aktien, Anleihen oder Immobilien. Im Sprachgebrauch werden die Wörter aber oft synonym verwendet.

Ja, sobald ein Verlust entsteht. Eine negative Eigenkapitalrentabilität bedeutet, dass das Eigenkapital im betrachteten Zeitraum geschrumpft ist. Ist das Eigenkapital selbst bereits negativ, verliert die Kennzahl ihren Sinn und sollte nicht interpretiert werden.

Das ist nicht einheitlich geregelt. Üblich sind der Jahresüberschuss, das Ergebnis vor Steuern oder das EBIT. Wer mehrere Unternehmen oder Jahre vergleicht, muss immer dieselbe Gewinngröße verwenden.

Quellen und weiterführende Informationen

Gesetzestexte und Angaben der genannten Stellen in der jeweils aktuellen Fassung. Beispielrechnungen dienen der Veranschaulichung.