Wo Fremdkapital in der Bilanz steht

Die kürzeste Definition: Fremdkapital ist Kapital, das ein Unternehmen von Dritten erhält, befristet überlassen bekommt und zurückzahlen muss. Sichtbar wird es auf der Passivseite der Bilanz, die zeigt, woher das Geld eines Unternehmens kommt. Oben steht das Eigenkapital der Eigentümer, darunter das Fremdkapital. Nach der Gliederung des § 266 HGB besteht es im Wesentlichen aus zwei Blöcken:

  • Rückstellungen: Verpflichtungen, deren Höhe oder Fälligkeit noch nicht feststeht, etwa für Pensionen, Steuern oder Gewährleistung
  • Verbindlichkeiten: feststehende Schulden, zum Beispiel gegenüber Banken, Lieferanten, dem Finanzamt oder aus erhaltenen Anzahlungen

Meist wird auch der passive Rechnungsabgrenzungsposten dazugezählt. Rechtlich entscheidend ist: Fremdkapitalgeber sind Gläubiger. Sie haben einen Anspruch auf Rückzahlung und die vereinbarten Zinsen, unabhängig davon, ob das Unternehmen Gewinn macht. Eigentümer bekommen dagegen nur, was nach den Gläubigern übrig bleibt.

Arten von Fremdkapital

Fremdkapital lässt sich nach Laufzeit, Herkunft und Besicherung ordnen. Für die Finanzplanung ist die Fristigkeit am wichtigsten, weil sie bestimmt, wann Geld abfließt. Die Grenzen von einem und fünf Jahren entsprechen den Restlaufzeiten, die Kapitalgesellschaften im Jahresabschluss angeben müssen.

Fremdkapital nach Fristigkeit
FristigkeitTypische FormenMerkmal
Kurzfristig (bis 1 Jahr)Kontokorrentkredit, Lieferantenkredit, Kundenanzahlungen, Steuerschuldenfinanziert das laufende Geschäft, schwankt stark
Mittelfristig (1 bis 5 Jahre)Investitionsdarlehen, Ratendarlehen, Verpflichtungen aus Leasingoft für Fahrzeuge, Maschinen, IT
Langfristig (über 5 Jahre)Immobiliendarlehen, Pensionsrückstellungen, Anleihen, Förderdarlehenfinanziert Anlagevermögen, planbare Belastung

Nach Herkunft

  • Kreditinstitute: Darlehen, Kreditlinien, Avale
  • Lieferanten: Zahlungsziele auf Rechnungen, also der Lieferantenkredit
  • Kunden: Anzahlungen vor der Lieferung
  • Kapitalmarkt: Anleihen und Schuldscheine, meist nur für größere Unternehmen
  • Gesellschafter: Gesellschafterdarlehen, die rechtlich Fremdkapital sind, auch wenn das Geld von den Eigentümern kommt
  • Förderbanken: Förderkredite, etwa von der KfW, oft mit günstigeren Konditionen

Nach Besicherung

Besichertes Fremdkapital ist durch konkrete Werte abgesichert, etwa durch eine Grundschuld, die Sicherungsübereignung von Maschinen oder die Abtretung von Forderungen. Fällt der Kreditnehmer aus, kann der Gläubiger auf diese Werte zugreifen. Unbesichertes Fremdkapital hat diesen Schutz nicht, typische Beispiele sind Lieferantenkredite ohne Eigentumsvorbehalt oder Anleihen ohne Sicherheiten. Für den Kreditnehmer ist besichertes Fremdkapital in der Regel günstiger, es bindet aber Vermögen, das für spätere Finanzierungen dann nicht mehr als Sicherheit zur Verfügung steht.

Eine Grenzform zwischen Eigen- und Fremdkapital ist Mezzanine-Kapital. Es ist rechtlich meist Fremdkapital, wird aber wegen seines Nachrangs von Banken teilweise wie Eigenkapital behandelt.

Was Fremdkapital kostet

Die offensichtlichen Kosten sind Zinsen. Dazu kommen Bearbeitungs- und Bereitstellungsgebühren, ein mögliches Disagio und die Kosten für Sicherheiten wie die Bestellung einer Grundschuld. Weniger sichtbar sind Pflichten, die kein Geld kosten, aber Freiheit: Banken vereinbaren oft Finanzkennzahlen (Covenants), deren Verletzung Nachverhandlungen oder ein Kündigungsrecht auslöst.

Der unterschätzte Lieferantenkredit

Ausgerechnet die bequemste Form ist häufig die teuerste. Wer eine Rechnung mit Skonto nicht innerhalb der Skontofrist bezahlt, nimmt faktisch einen Kredit beim Lieferanten auf. Sein Preis ist der entgangene Abzug.

Rechenbeispiel: Jahreszins des Lieferantenkredits

Angenommen, die Zahlungsbedingung lautet: 2 Prozent Skonto bei Zahlung innerhalb von 10 Tagen, sonst netto in 30 Tagen.

Wer am 30. statt am 10. Tag zahlt, bekommt 20 Tage zusätzlichen Kredit und verzichtet dafür auf 2 Prozent des Rechnungsbetrags.

Näherungsweise aufs Jahr hochgerechnet: 2 ÷ 98 × 360 ÷ 20 = rund 36,7 Prozent Jahreszins.

Ergebnis: Selbst ein teurer Kontokorrentkredit ist in diesem Fall deutlich günstiger als der Verzicht auf Skonto.

Fremdkapital und Eigenkapital im Vergleich

Die wichtigsten Unterschiede
MerkmalEigenkapitalFremdkapital
Stellung des GeldgebersEigentümerGläubiger
VergütungGewinnanteil, nicht garantiertvereinbarter Zins, auch bei Verlust fällig
Laufzeitunbefristetbefristet
Rang in der Insolvenzwird zuletzt bedientwird vor den Eigentümern bedient
MitspracheStimm- und Kontrollrechtegrundsätzlich keine, außer vertraglich vereinbart
SteuerAusschüttungen mindern den Gewinn nichtZinsen sind grundsätzlich Betriebsausgaben
Kosten für das Unternehmenhöher, weil das Risiko höher istniedriger, aber feste Belastung

Das Verhältnis beider Größen beschreibt der Verschuldungsgrad: Fremdkapital geteilt durch Eigenkapital. Ein Verschuldungsgrad von 2 bedeutet, dass auf jeden Euro Eigenkapital zwei Euro Schulden kommen. Dieselbe Information in anderer Form liefert die Eigenkapitalquote: Bei einem Verschuldungsgrad von 2 liegt sie bei einem Drittel.

Eine alte Faustregel der Finanzierungslehre fordert ein Verhältnis von 1 zu 1. Viele Unternehmen liegen deutlich darüber, ohne deshalb ungesund zu sein. Aussagekräftiger ist oft der dynamische Verschuldungsgrad. Er setzt die Nettoschulden ins Verhältnis zum jährlichen Cashflow und zeigt, wie viele Jahre ein Unternehmen rechnerisch bräuchte, um seine Schulden aus eigener Kraft zu tilgen.

Der Leverage-Effekt

Fremdkapital kann die Rendite der Eigentümer erhöhen. Voraussetzung ist, dass das Unternehmen mit dem eingesetzten Kapital mehr verdient, als die Schulden kosten. Die Differenz fließt dann den Eigentümern zu, und zwar umso stärker, je mehr Fremdkapital im Spiel ist. Die Formel dazu:

Eigenkapitalrendite = Gesamtkapitalrendite + (Gesamtkapitalrendite minus Fremdkapitalzins) × Fremdkapital ÷ Eigenkapital

Rechenbeispiel: Hebel in guten und schlechten Jahren

Angenommen, ein Unternehmen arbeitet mit 1 Mio. Euro Gesamtkapital. Steuern bleiben zur Vereinfachung außen vor.

Variante A: 1 Mio. Euro Eigenkapital, kein Kredit. Variante B: 400.000 Euro Eigenkapital und 600.000 Euro Kredit zu 5 Prozent (30.000 Euro Zinsen pro Jahr).

Gutes Jahr mit 8 Prozent Gesamtkapitalrendite (80.000 Euro Gewinn vor Zinsen): A erzielt 8 Prozent Eigenkapitalrendite. B erzielt (80.000 minus 30.000) ÷ 400.000 = 12,5 Prozent.

Schwaches Jahr mit 3 Prozent (30.000 Euro vor Zinsen): A erzielt 3 Prozent. B erzielt (30.000 minus 30.000) ÷ 400.000 = 0 Prozent.

Verlustjahr mit minus 2 Prozent (20.000 Euro Verlust vor Zinsen): A verliert 2 Prozent seines Eigenkapitals. B verliert (20.000 + 30.000) ÷ 400.000 = 12,5 Prozent.

Ergebnis: Der Hebel vergrößert Gewinne und Verluste gleichermaßen. Er lohnt sich nur, solange die Gesamtkapitalrendite verlässlich über dem Fremdkapitalzins liegt.

In der Praxis verschärft sich die Wirkung, weil Banken bei sinkenden Erträgen höhere Zinsen oder zusätzliche Sicherheiten verlangen. Genau dann, wenn der Hebel schadet, wird das Fremdkapital also teurer. Unternehmen mit stark schwankenden Erträgen fahren deshalb meist mit weniger Fremdkapital besser als solche mit stabilem, planbarem Geschäft.

Gut zu wissen: Der Leverage-Effekt gilt auch für Privatleute, etwa bei kreditfinanzierten Mietimmobilien oder Wertpapierkrediten. Die Logik ist dieselbe, das Risiko auch.

Die steuerliche Seite

Zinsen auf betriebliche Schulden sind grundsätzlich Betriebsausgaben und senken den zu versteuernden Gewinn. Nach Steuern ist Fremdkapital dadurch günstiger, als der Nominalzins vermuten lässt. Gewinnausschüttungen an Eigentümer haben diesen Effekt nicht.

Der Gesetzgeber begrenzt den Vorteil an zwei Stellen. Für die Gewerbesteuer wird ein Teil der Zinsen dem Gewinn wieder hinzugerechnet, soweit die Finanzierungsentgelte einen Freibetrag übersteigen. Und die Zinsschranke nach § 4h EStG beschränkt den Abzug hoher Zinsaufwendungen. Sie greift erst oberhalb einer Freigrenze in Millionenhöhe und betrifft daher vor allem größere Unternehmen.

Wie viel Fremdkapital ist vernünftig?

Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht, wohl aber Prüffragen, mit denen sich die eigene Kapitalstruktur einordnen lässt:

  1. Passt die Laufzeit zum Zweck? Langfristig gebundenes Vermögen sollte nicht mit kurzfristigen Mitteln bezahlt werden.
  2. Reicht der Cashflow, um Zins und Tilgung auch in einem schwachen Jahr zu leisten?
  3. Wie abhängig ist das Unternehmen von einer einzelnen Bank oder einem einzelnen Lieferanten?
  4. Gibt es Covenants, und wie viel Abstand besteht zu ihren Grenzwerten?
  5. Was passiert bei steigenden Zinsen, etwa wenn variable Kredite teurer werden?

Wer diese Fragen ehrlich beantworten kann, hat einen besseren Maßstab als jede Branchenkennzahl. Fremdkapital ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein normales Werkzeug. Gefährlich wird es dort, wo es laufende Verluste finanziert oder die Rückzahlung von optimistischen Annahmen abhängt.

Häufige Fragen

Weder noch. Fremdkapital ermöglicht Investitionen, die aus eigenen Mitteln nicht oder erst später möglich wären, und kann die Eigenkapitalrendite steigern. Zu viel davon macht ein Unternehmen aber anfällig für Ertragseinbrüche und Zinsanstiege.

Ja. Rückstellungen stehen für Verpflichtungen, deren Höhe oder Zeitpunkt noch unsicher ist, etwa Pensionszusagen oder erwartete Steuernachzahlungen. Sie sind keine Schulden gegenüber einer Bank, müssen aber voraussichtlich an Dritte gezahlt werden und zählen deshalb zum Fremdkapital.

Die Fremdkapitalquote setzt das Fremdkapital ins Verhältnis zur Bilanzsumme. Der Verschuldungsgrad setzt es ins Verhältnis zum Eigenkapital. Beide beschreiben dieselbe Struktur, nur aus einem anderen Blickwinkel.

Rechtlich und bilanziell ja, denn der Gesellschafter tritt hier als Kreditgeber auf. In der Insolvenz sind solche Darlehen allerdings nachrangig. Banken werten sie bei der Kreditprüfung oft als wirtschaftliches Eigenkapital, wenn ein Rangrücktritt vereinbart ist.

Quellen und weiterführende Informationen

Gesetzestexte und Angaben der genannten Stellen in der jeweils aktuellen Fassung. Beispielrechnungen dienen der Veranschaulichung.