Was ist der Break-even-Point?
Der Break-even-Point (deutsch: Gewinnschwelle, auch Nutzenschwelle) markiert den Punkt, an dem die Erlöse genau die gesamten Kosten decken. Darunter arbeitet ein Betrieb mit Verlust, darüber mit Gewinn. Das Ergebnis an diesem Punkt ist exakt null.
Die Gewinnschwelle lässt sich auf zwei Arten angeben: als Absatzmenge (zum Beispiel 2.000 verkaufte Stück) oder als Umsatz (zum Beispiel 120.000 Euro). Beide Angaben beschreiben denselben Punkt, nur aus unterschiedlicher Sicht. Die Mengenangabe ist für Produkte mit einheitlichem Preis praktisch, die Umsatzangabe für Händler und Dienstleister mit vielen verschiedenen Leistungen.
Die Kennzahl gehört zur Kosten- und Leistungsrechnung, einem Teilgebiet der Betriebswirtschaftslehre. Genutzt wird sie bei Gründungen, bei Preisentscheidungen und bei der Planung neuer Produkte.
Gewinnschwelle berechnen: die Formeln
Grundlage jeder Break-even-Rechnung ist die Trennung der Kosten in zwei Gruppen. Fixkosten fallen unabhängig von der Menge an, etwa Miete, Gehälter in der Verwaltung, Versicherungen oder Leasingraten. Variable Kosten steigen mit jeder zusätzlich produzierten oder verkauften Einheit, etwa Material, Wareneinsatz, Verpackung oder Versand.
Break-even-Menge
Jedes verkaufte Stück bringt den Verkaufspreis ein und verursacht die variablen Stückkosten. Die Differenz ist der Stückdeckungsbeitrag. Er steht zur Verfügung, um die Fixkosten abzutragen. Die Gewinnschwelle ist erreicht, sobald die Summe dieser Beiträge die Fixkosten vollständig deckt:
Break-even-Menge = Fixkosten ÷ (Verkaufspreis minus variable Stückkosten)
Break-even-Umsatz
Wer viele Produkte mit unterschiedlichen Preisen verkauft, rechnet besser mit dem Umsatz. Dafür braucht man die Deckungsbeitragsquote, also den Anteil des Deckungsbeitrags am Umsatz. Liegen die variablen Kosten bei 40 Prozent des Umsatzes, beträgt die Quote 60 Prozent.
Break-even-Umsatz = Fixkosten ÷ Deckungsbeitragsquote
Bei Fixkosten von 90.000 Euro und einer Quote von 60 Prozent liegt die Schwelle also bei 150.000 Euro Umsatz. Die Logik hinter dem Stückdeckungsbeitrag und seine weiteren Anwendungen erklärt der Beitrag zum Deckungsbeitrag.
Beispiel: die Gewinnschwelle einer kleinen Rösterei
Angenommen, eine kleine Kaffeerösterei verkauft ihren Kaffee in 500-Gramm-Packungen. Alle Zahlen sind ausgedacht und dienen nur der Veranschaulichung.
Fixkosten pro Jahr (Miete, Röstmaschine, Personal, Versicherungen): 60.000 Euro
Verkaufspreis je Packung (netto): 15 Euro
Variable Kosten je Packung (Rohkaffee, Verpackung, Energie zum Rösten): 7 Euro
Stückdeckungsbeitrag: 15 Euro minus 7 Euro = 8 Euro
Break-even-Menge: 60.000 Euro ÷ 8 Euro = 7.500 Packungen
Break-even-Umsatz: 7.500 × 15 Euro = 112.500 Euro
Ergebnis: Erst ab der 7.501. Packung im Jahr erwirtschaftet die Rösterei Gewinn.
Die Tabelle zeigt, wie sich das Ergebnis bei unterschiedlichen Absatzmengen entwickelt. Jede zusätzliche Packung verbessert das Ergebnis um genau 8 Euro, ganz gleich, ob die Rösterei gerade im Verlust oder im Gewinn steht.
| Absatz (Packungen) | Erlös | Fixkosten | Variable Kosten | Gesamtkosten | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|---|
| 0 | 0 | 60.000 | 0 | 60.000 | -60.000 |
| 2.500 | 37.500 | 60.000 | 17.500 | 77.500 | -40.000 |
| 5.000 | 75.000 | 60.000 | 35.000 | 95.000 | -20.000 |
| 7.500 | 112.500 | 60.000 | 52.500 | 112.500 | 0 |
| 10.000 | 150.000 | 60.000 | 70.000 | 130.000 | +20.000 |
| 12.500 | 187.500 | 60.000 | 87.500 | 147.500 | +40.000 |
Gut zu wissen: In Diagrammen erscheint der Break-even-Point als Schnittpunkt zweier Linien: der Erlösgeraden, die im Nullpunkt beginnt, und der Gesamtkostengeraden, die auf Höhe der Fixkosten startet. Links vom Schnittpunkt liegt die Verlustzone, rechts davon die Gewinnzone.
Fixkosten und variable Kosten richtig zuordnen
Die Formel ist nur so gut wie die Zahlen, die man hineinsteckt. Die häufigste Fehlerquelle ist eine falsche Zuordnung der Kosten. Viele Positionen sind nicht eindeutig fix oder variabel, sondern enthalten beide Anteile.
- Typisch fix: Miete, Grundgebühren, Gehälter in der Verwaltung, Abschreibungen auf Maschinen, Versicherungsbeiträge, Kreditzinsen, Software-Abos.
- Typisch variabel: Material und Wareneinsatz, Verpackung, Versandkosten, Verkaufsprovisionen, Zahlungsgebühren je Transaktion.
- Gemischt: Strom (Grundpreis fix, Verbrauch variabel), Personalkosten mit Überstunden oder Aushilfen, Fahrzeugkosten.
Gemischte Kosten teilt man so gut wie möglich auf. Bei Strom lässt sich der Grundpreis den Fixkosten und der verbrauchsabhängige Teil den variablen Kosten zuschlagen. Eine grobe Schätzung ist besser als eine pauschale Zuordnung zu einer Gruppe, weil sonst der Stückdeckungsbeitrag verzerrt wird.
Auch Abschreibungen gehören zu den Fixkosten, obwohl dafür im laufenden Jahr kein Geld abfließt. Wer eine Maschine für 50.000 Euro kauft und sie fünf Jahre nutzt, muss jedes Jahr einen Teil davon wieder verdienen. Wie dieser Teil ermittelt wird, steht im Beitrag zur Abschreibung.
Was die Gewinnschwelle aussagt
Die Zahl allein ist wenig wert. Interessant wird sie im Vergleich mit dem tatsächlichen oder geplanten Absatz. Der Abstand zwischen beiden heißt Sicherheitsabstand oder Sicherheitsspanne. Er zeigt, wie stark der Absatz einbrechen darf, bevor Verluste entstehen.
Geplanter Absatz der Rösterei: 10.000 Packungen
Break-even-Menge: 7.500 Packungen
Sicherheitsabstand: 2.500 Packungen, das sind 25 Prozent des geplanten Absatzes
Ergebnis: Der Absatz darf um ein Viertel sinken, bevor die Rösterei in die Verlustzone rutscht.
Ein kleiner Sicherheitsabstand bedeutet, dass schon leichte Schwankungen den Gewinn aufzehren. Betriebe mit hohen Fixkosten und geringen variablen Kosten, etwa Hotels, Fitnessstudios oder Softwareanbieter, haben einen hohen Stückdeckungsbeitrag. Sie verdienen oberhalb der Schwelle schnell viel Geld, verlieren darunter aber ebenso schnell. Bei Betrieben mit niedrigen Fixkosten verläuft das Ergebnis flacher.
Die drei Stellschrauben
- Höherer Preis: Der Stückdeckungsbeitrag steigt, die Schwelle sinkt. Im Beispiel würde ein Preis von 16 Euro die Break-even-Menge auf rund 6.667 Packungen senken.
- Niedrigere variable Kosten: Günstigerer Einkauf oder weniger Ausschuss wirken genauso wie ein höherer Preis.
- Niedrigere Fixkosten: Eine kleinere Fläche oder weniger langfristige Verträge senken die Schwelle. Wer Fixkosten in variable Kosten umwandelt, etwa durch Fremdvergabe statt eigener Mitarbeiter, senkt sie ebenfalls, verdient oberhalb davon aber weniger je Stück.
Grenzen der Break-even-Analyse
Die Break-even-Analyse arbeitet mit vereinfachenden Annahmen. Wer sie kennt, kann die Ergebnisse richtig einordnen.
- Lineare Kosten: Die Rechnung unterstellt, dass die variablen Stückkosten bei jeder Menge gleich bleiben. In der Praxis gibt es Mengenrabatte im Einkauf, aber auch Engpässe, die bei hoher Auslastung teurer werden.
- Konstante Fixkosten: Fixkosten sind nur innerhalb eines bestimmten Bereichs fix. Ab einer gewissen Menge braucht es eine zweite Maschine oder mehr Personal, und die Kosten springen nach oben (sprungfixe Kosten).
- Fester Preis: Die Formel geht davon aus, dass sich jede Menge zum selben Preis verkaufen lässt. Oft gelingt mehr Absatz nur mit Rabatten.
- Fester Produktmix: Bei mehreren Produkten gilt der Break-even-Umsatz nur, solange die Zusammensetzung des Absatzes gleich bleibt.
- Gewinn ist nicht Geld auf dem Konto: Wer die Gewinnschwelle erreicht, ist nicht automatisch zahlungsfähig. Zahlungsziele, Lagerbestände und Tilgungen wirken auf die Liquidität, nicht auf den Break-even.
Hinzu kommt: Der Break-even-Point berücksichtigt keine Steuern und keinen kalkulatorischen Unternehmerlohn. Wer als Einzelunternehmer selbst im Betrieb arbeitet, sollte ein angemessenes eigenes Einkommen in die Fixkosten einrechnen. Sonst bedeutet „Break-even erreicht“ nur, dass der Inhaber unbezahlt arbeitet.
Worauf es in der Praxis ankommt
Für Gründer ist die Break-even-Rechnung oft der erste Realitätscheck des Businessplans. Banken erwarten, besonders bei Förderkrediten, eine nachvollziehbare Planung, aus der hervorgeht, ab wann sich das Vorhaben trägt. Hilfreich ist es, neben der Gewinnschwelle auch den Zeitpunkt zu schätzen, zu dem sie voraussichtlich erreicht wird.
Sinnvoll ist eine Rechnung mit mehreren Szenarien: realistisch, vorsichtig und optimistisch. So wird sichtbar, wie empfindlich das Ergebnis auf Preis- oder Mengenänderungen reagiert. Ändern sich Kosten oder Preise im Lauf des Jahres, lohnt es sich, die Gewinnschwelle neu zu berechnen.
In bestehenden Unternehmen ist die Kennzahl ein Baustein der laufenden Steuerung, ergänzt durch Größen wie Rentabilität und Cashflow. Der Break-even-Point sagt, ab wann Gewinn entsteht. Wie gut sich das eingesetzte Kapital verzinst, beantwortet er nicht.
Häufige Fragen
Der englische Ausdruck lässt sich mit „plus minus null herauskommen“ übersetzen. Im Deutschen spricht man von Gewinnschwelle oder Nutzenschwelle. Gemeint ist der Punkt, an dem Erlöse und Kosten gleich hoch sind.
Jede weitere verkaufte Einheit erhöht den Gewinn um ihren Stückdeckungsbeitrag, solange Preise und Kosten gleich bleiben, denn die Fixkosten sind bereits gedeckt. Steigt der Absatz so stark, dass zusätzliche Kapazitäten nötig werden, entstehen neue Fixkosten. Die Schwelle verschiebt sich dann nach oben.
Bei einer GmbH ist das Geschäftsführergehalt ohnehin Teil der Personalkosten. Einzelunternehmer und Gesellschafter von Personengesellschaften beziehen kein Gehalt, sondern leben vom Gewinn. Sie sollten einen angemessenen Betrag für den eigenen Lebensunterhalt als Fixkosten ansetzen, damit die Schwelle realistisch ist.
Das hängt stark von Branche und Investitionsbedarf ab. Ein Dienstleister ohne große Anschaffungen kann die Gewinnschwelle nach wenigen Monaten erreichen, ein produzierender Betrieb mit hohen Anfangsinvestitionen oft erst nach Jahren. Eine seriöse Planung leitet den Zeitpunkt aus der erwarteten Absatzentwicklung ab, statt Pauschalwerte anzusetzen.
Quellen und weiterführende Informationen
Gesetzestexte und Angaben der genannten Stellen in der jeweils aktuellen Fassung. Beispielrechnungen dienen der Veranschaulichung.