Was die Abkürzungen bedeuten

Die Begriffe stammen aus dem Englischen. Jeder Buchstabe steht für einen Posten, der beim Ergebnis noch nicht abgezogen ist.

Die Bausteine von EBIT und EBITDA
BuchstabeEnglischDeutsch
EEarningsErgebnis, Gewinn
BBeforevor
IInterestZinsen und Finanzergebnis
TTaxesSteuern vom Einkommen und Ertrag
DDepreciationAbschreibungen auf Sachanlagen
AAmortizationAbschreibungen auf immaterielle Werte

EBIT ist also das Ergebnis vor Zinsen und Steuern, im Deutschen oft operatives Ergebnis genannt. EBITDA geht einen Schritt weiter und rechnet zusätzlich die Abschreibungen heraus. Beide Kennzahlen sollen zeigen, was das Kerngeschäft erwirtschaftet, unabhängig davon, wie ein Unternehmen finanziert ist und in welchem Land es Steuern zahlt.

Berechnung: zwei Wege zum gleichen Ergebnis

Die Zahlen stammen aus der Gewinn- und Verlustrechnung. Man kann sich von oben oder von unten herantasten.

Von unten: vom Jahresüberschuss aus

  1. Jahresüberschuss nehmen
  2. Steuern vom Einkommen und vom Ertrag addieren
  3. Zinsaufwand addieren und Zinserträge abziehen (also das Finanzergebnis herausrechnen)
  4. = EBIT
  5. Abschreibungen auf Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte addieren
  6. = EBITDA

Von oben: vom Umsatz aus

Alternativ startet man bei den Umsatzerlösen, addiert sonstige betriebliche Erträge und Bestandsveränderungen und zieht alle betrieblichen Aufwendungen ab: Material, Personal, Abschreibungen und sonstige Aufwendungen. Heraus kommt das Betriebsergebnis, das in der Regel dem EBIT entspricht. Lässt man die Abschreibungen beim Abziehen weg, erhält man direkt das EBITDA.

Wichtig zu wissen: Weder das HGB noch die internationalen Rechnungslegungsstandards definieren EBIT oder EBITDA verbindlich. Unternehmen grenzen die Posten unterschiedlich ab, etwa beim Umgang mit Beteiligungserträgen oder Sonderposten. Wer zwei Firmen vergleicht, sollte im Geschäftsbericht nachsehen, wie die Kennzahl jeweils berechnet wurde.

Rechenbeispiel: gleiches EBITDA, ganz andere Lage

Am deutlichsten wird die Aussagekraft, wenn man zwei Unternehmen nebeneinanderstellt. Angenommen, ein Softwareanbieter und eine Spedition machen jeweils 10 Millionen Euro Umsatz.

Zwei Unternehmen im Vergleich (Beispielzahlen)

Softwareanbieter: Jahresüberschuss 1.050.000 Euro + Steuern 450.000 Euro + Zinsaufwand 100.000 Euro = EBIT 1.600.000 Euro

Softwareanbieter: EBIT 1.600.000 Euro + Abschreibungen 400.000 Euro = EBITDA 2.000.000 Euro

Spedition: Jahresüberschuss 210.000 Euro + Steuern 90.000 Euro + Zinsaufwand 500.000 Euro = EBIT 800.000 Euro

Spedition: EBIT 800.000 Euro + Abschreibungen 1.200.000 Euro = EBITDA 2.000.000 Euro

Ergebnis: Beide haben eine EBITDA-Marge von 20 Prozent. Die EBIT-Marge liegt aber bei 16 Prozent gegenüber 8 Prozent, und der Jahresüberschuss der Spedition beträgt nur ein Fünftel.

Nach EBITDA sehen die Firmen gleich stark aus. Tatsächlich muss die Spedition ihre Lkw-Flotte regelmäßig erneuern, die hohen Abschreibungen sind also keine Buchhaltungsformalie, sondern spiegeln echte künftige Ausgaben. Dazu kommt eine deutlich höhere Zinslast, die auf viel Fremdkapital hindeutet. Das EBIT zeigt diesen Unterschied zumindest zum Teil, das EBITDA verdeckt ihn vollständig.

Wofür die Kennzahlen genutzt werden

  • Margen: EBIT oder EBITDA geteilt durch den Umsatz ergibt die operative Marge. Sie eignet sich für den Vergleich über mehrere Jahre und innerhalb einer Branche und ist eine gängige Größe der Rentabilität.
  • Unternehmensbewertung: Bei Firmenkäufen wird der Unternehmenswert oft als Vielfaches des EBITDA angegeben. Je nach Branche und Marktlage schwanken diese Multiplikatoren stark.
  • Kreditverträge: Banken setzen die Nettoverschuldung ins Verhältnis zum EBITDA. Liegt die Spedition aus dem Beispiel bei 7 Millionen Euro Nettoschulden, ergibt das einen Faktor von 3,5. Überschreitet ein Kreditnehmer einen vereinbarten Höchstwert, kann die Bank nachverhandeln oder kündigen.
  • Internationale Vergleiche: Weil Steuern und Finanzierung herausgerechnet sind, lassen sich Unternehmen aus Ländern mit unterschiedlichen Steuersätzen besser nebeneinanderlegen.

Auch Anleger, die Aktien analysieren, stoßen ständig auf die Kennzahlen, weil Unternehmen ihre Prognosen häufig als EBIT- oder EBITDA-Ziel formulieren.

Was EBITDA verschweigt

Die Kennzahl ist beliebt, weil sie meist die höchste Gewinnzahl im Bericht ist. Genau das macht sie anfällig für eine geschönte Darstellung. Folgende Punkte bleiben unsichtbar:

  • Investitionsbedarf: Maschinen, Gebäude und Fahrzeuge nutzen sich ab und müssen ersetzt werden. Ein Geschäft mit hohem EBITDA kann trotzdem dauerhaft Geld verbrennen.
  • Finanzierungskosten: Zinsen sind real. Ein hoch verschuldetes Unternehmen kann ein gutes EBITDA haben und an seiner Zinslast scheitern.
  • Steuern: Auch sie fließen tatsächlich ab und mindern das, was für Eigentümer übrig bleibt.
  • Gebundenes Kapital: Steigen Vorräte und Forderungen, bindet das Geld. Das Working Capital taucht im EBITDA nicht auf.

Deshalb ist EBITDA kein Ersatz für den Cashflow. Es wird zwar oft als Näherung dafür verwendet, weil Abschreibungen kein Geld kosten. Der tatsächliche Zahlungsüberschuss nach Investitionen, Zinsen und Steuern kann aber weit darunter liegen.

Das EBIT ist an diesem Punkt ehrlicher, weil es die Abnutzung der Anlagen berücksichtigt. Aber auch das EBIT kann einiges verschweigen: hohe Schulden, eine ungünstige Steuerlage oder einen Gewinn, der nur auf dem Papier steht, weil Kunden noch nicht bezahlt haben. Wer eine Kennzahl liest, sollte deshalb immer fragen, welche Kosten bewusst ausgeklammert wurden und ob diese Kosten im konkreten Geschäft eine große oder eine kleine Rolle spielen.

Bereinigte Werte und Sondereffekte

Viele Unternehmen veröffentlichen neben dem berichteten ein bereinigtes EBITDA oder EBIT, im Englischen adjusted. Herausgerechnet werden Kosten, die das Management als einmalig betrachtet, etwa für Umstrukturierungen, Rechtsstreitigkeiten oder Übernahmen. Das kann sinnvoll sein, wenn ein echter Sondereffekt das Bild verzerrt.

Problematisch wird es, wenn angeblich einmalige Kosten jedes Jahr wieder auftauchen. Dann wirkt das Unternehmen dauerhaft profitabler, als es ist. Börsennotierte Unternehmen müssen bereinigte Kennzahlen in der EU nachvollziehbar herleiten und auf die offiziellen Zahlen überleiten. Ein Blick in diese Überleitung zeigt, wie groß die Differenz ist.

Effekt der Leasingbilanzierung

Seit 2019 bilanzieren Unternehmen nach IFRS die meisten Leasingverträge in der Bilanz. Statt einer Leasingrate im Aufwand entstehen Abschreibungen und Zinsen. Beide fallen beim EBITDA heraus. Allein durch diese Umstellung ist das EBITDA vieler Konzerne gestiegen, ohne dass sich am Geschäft etwas verändert hat. Vergleiche über diesen Zeitpunkt hinweg sind deshalb nur eingeschränkt möglich.

Welche Zahl für welche Frage taugt

Kennzahlen und ihr Einsatzzweck
KennzahlBeantwortet die FrageBlinder Fleck
EBITDAWie stark ist das operative Geschäft vor Investitionen?Abschreibungen, Zinsen, Steuern, Kapitalbindung
EBITWas verdient das Kerngeschäft nach Abnutzung der Anlagen?Finanzierung und Steuern
JahresüberschussWas bleibt den Eigentümern nach allen Aufwendungen?Sondereffekte, Zahlungszeitpunkte
CashflowWie viel Geld ist tatsächlich geflossen?schwankt stark mit Investitionszyklen

Keine dieser Zahlen reicht allein. Für ein belastbares Bild betrachtet man EBIT und EBITDA im Zeitverlauf, vergleicht sie mit Wettbewerbern derselben Branche und stellt sie dem Cashflow und der Verschuldung gegenüber.

Häufige Fragen

Beim EBITDA werden zusätzlich die Abschreibungen herausgerechnet. Es ist daher immer gleich hoch oder höher als das EBIT. Der Abstand zeigt, wie anlageintensiv ein Geschäft ist.

Das hängt stark von der Branche ab. Software- und Pharmaunternehmen erreichen oft deutlich höhere Margen als Handel oder Bau. Sinnvoll ist nur der Vergleich mit Unternehmen ähnlicher Struktur und mit der eigenen Entwicklung über mehrere Jahre.

Ja. Ein negatives EBITDA bedeutet, dass das Unternehmen schon im laufenden Geschäft mehr ausgibt, als es einnimmt, noch bevor Abschreibungen, Zinsen und Steuern berücksichtigt sind. Bei jungen Wachstumsunternehmen kommt das häufig vor.

Meistens annähernd. Je nach Unternehmen werden Beteiligungserträge oder bestimmte Sonderposten unterschiedlich zugeordnet. Deshalb lohnt der Blick in die Definition im Geschäftsbericht.

Quellen und weiterführende Informationen

Gesetzestexte und Angaben der genannten Stellen in der jeweils aktuellen Fassung. Beispielrechnungen dienen der Veranschaulichung.