Was ist ein Dispokredit?

Der Dispositionskredit, kurz Dispo, ist ein Kreditrahmen auf dem Girokonto. Die Bank erlaubt, das Konto bis zu einem vereinbarten Betrag ins Minus zu ziehen. Zinsen fallen nur auf den Betrag an, der tatsächlich in Anspruch genommen wird, und nur für die Tage, an denen das Konto im Minus steht. Sobald wieder Geld eingeht, wird der Saldo automatisch ausgeglichen.

Rechtlich ist der Dispo eine eingeräumte Überziehungsmöglichkeit nach § 504 BGB. Anders als beim Ratenkredit gibt es keinen Tilgungsplan und keine feste Laufzeit. Der Zins ist variabel: Die Bank kann ihn anpassen, meist gekoppelt an einen Referenzzins. Für Unternehmen gibt es dasselbe Prinzip in Form des Kontokorrentkredits.

Wie hoch der Überziehungsrahmen ist

Die Höhe legt die Bank fest. Häufig orientiert sie sich am regelmäßigen Geldeingang, oft an zwei bis drei Nettogehältern, je nach Institut und Kundenprofil auch weniger oder mehr. Voraussetzung ist in der Regel ein regelmäßiger Eingang auf dem Konto und eine unauffällige Auskunft bei der SCHUFA.

  • Der Rahmen wird meist ohne gesonderten Antrag eingeräumt, sobald das Gehaltskonto eine Weile läuft.
  • Kunden können eine Erhöhung beantragen oder den Rahmen auf eigenen Wunsch senken oder ganz streichen lassen.
  • Die Bank kann den Rahmen kürzen oder kündigen, etwa wenn Geldeingänge ausbleiben. Dann wird der offene Betrag fällig.

Ein großzügiger Rahmen ist kein Zeichen besonderer Kreditwürdigkeit, sondern ein Angebot der Bank. Wer ihn nicht braucht, verliert durch eine Senkung nichts und schützt sich vor schleichender Verschuldung.

So werden die Dispozinsen berechnet

Dispozinsen liegen deutlich über den Zinsen für Ratenkredite. Wie hoch sie bei der eigenen Bank sind, steht im Preis- und Leistungsverzeichnis. Banken müssen ihre Sätze außerdem auf ihrer Website veröffentlichen. Berechnet wird tagesgenau auf den jeweiligen Minusbetrag, abgerechnet wird häufig zum Quartalsende.

Rechenbeispiel mit angenommenem Dispozins von 12 Prozent

Angenommen, das Konto steht 90 Tage lang mit 1.500 Euro im Minus.

Zinsen: 1.500 Euro x 12 Prozent x 90 / 365 = rund 44,38 Euro.

Bleibt der Betrag ein ganzes Jahr stehen, sind es 180 Euro, ohne dass die Schuld kleiner wird.

Zum Vergleich: Wird dieselbe Summe in 12 gleichen Raten abgebaut, kostet das beim Dispozins von 12 Prozent rund 99 Euro, bei einem angenommenen Ratenkreditzins von 6 Prozent rund 49 Euro.

Das eigentliche Problem ist selten der einmalige Ausrutscher, sondern die Dauernutzung. Wer jeden Monat einige Hundert Euro im Minus ist, zahlt über Jahre Zinsen auf einen Betrag, der nie abgebaut wird. Der Dispo wird so zu einem festen Kostenposten, ähnlich einer Gebühr. Bei der Einordnung der Zinssätze hilft der effektive Jahreszins, der wegen der quartalsweisen Verrechnung etwas über dem Sollzins liegt.

Geduldete Überziehung: wenn das Limit nicht reicht

Überschreitet eine Zahlung den vereinbarten Rahmen, kann die Bank sie ablehnen oder ausführen. Führt sie aus, entsteht eine geduldete Überziehung nach § 505 BGB. Dasselbe gilt, wenn ein Konto ganz ohne Dispo ins Minus rutscht. Für den Betrag oberhalb des Rahmens berechnen Banken meist einen höheren Zinssatz als für den Dispo selbst.

Einen Anspruch auf Duldung gibt es nicht. Wird eine Lastschrift mangels Deckung zurückgegeben, können weitere Kosten folgen, etwa Gebühren des Zahlungsempfängers oder Mahnkosten. Wiederholte Rücklastschriften belasten außerdem das Verhältnis zur Bank.

Pflicht zum Beratungsangebot

Das Gesetz verpflichtet Banken, bei dauerhafter und hoher Nutzung eine Beratung anzubieten (§ 504a BGB). Das greift, wenn der Dispo ununterbrochen über sechs Monate genutzt wird und im Durchschnitt mehr als 75 Prozent des Rahmens ausmacht. Für die geduldete Überziehung gilt eine ähnliche Regel bei mehr als drei Monaten und einem Minus von mehr als der Hälfte der durchschnittlichen monatlichen Eingänge. Die Bank soll dabei kostengünstigere Alternativen aufzeigen.

Gut zu wissen: Das Beratungsangebot ist freiwillig. Wer es annimmt, sollte sich nicht zu Zusatzprodukten drängen lassen. Entscheidend ist, ob ein günstigerer Ratenkredit möglich ist und was er insgesamt kostet.

Dispo, Ratenkredit und Rahmenkredit im Vergleich

Typische Merkmale, Details unterscheiden sich je nach Bank
MerkmalDispokreditRatenkreditRahmenkredit
Zinsvariabel, hochmeist fest, niedrigervariabel, meist zwischen beiden
Tilgungkeine feste Pflichtfeste MonatsrateMindestrate, flexibel
Verfügbarkeitsofort auf dem Kontonach Antrag und Prüfungnach Antrag, dann flexibel abrufbar
Geeignet fürkurze Engpässe von wenigen Wochengrößere, planbare Ausgabenwiederkehrenden, schwankenden Bedarf
RisikoDauerverschuldung ohne AbbauBindung an LaufzeitVerleitet zum erneuten Abrufen

Die Kontoüberziehung ist damit die flexibelste, aber auch die teuerste Form, sich Geld zu leihen. Der Ratenkredit verlangt mehr Planung, zwingt aber zum Abbau der Schuld. Der Rahmenkredit liegt dazwischen: Er wird einmal beantragt und kann dann bei Bedarf abgerufen werden, oft zu einem niedrigeren Zins als der Dispo. Welche Form passt, hängt weniger vom Betrag ab als von der Frage, wie schnell das Geld zurückgezahlt werden kann.

Wege aus dem Dispo

Wer dauerhaft im Minus steht, kommt selten durch gute Vorsätze heraus, sondern durch einen Plan. Bewährt hat sich diese Reihenfolge:

  1. Bestandsaufnahme: Wie hoch ist das Minus im Monatsdurchschnitt, und wie viel Zinsen sind im letzten Jahr angefallen? Die Zahl steht in den Quartalsabschlüssen.
  2. Ursache finden: Ein Haushaltsbuch zeigt, ob das Minus von einmaligen Ausgaben kommt oder ob die laufenden Ausgaben das Einkommen übersteigen.
  3. Umschulden: Den Dauerbetrag mit einem günstigeren Ratenkredit ablösen. Der feste Tilgungsplan sorgt dafür, dass die Schuld wirklich sinkt. Wie man das durchrechnet, zeigt der Beitrag zur Umschuldung.
  4. Rahmen senken: Nach der Ablösung den Dispo verkleinern, damit er nicht sofort wieder ausgeschöpft wird.
  5. Puffer aufbauen: Auch kleine monatliche Beträge auf ein separates Konto bilden mit der Zeit Rücklagen, die künftige Engpässe ohne Dispo auffangen.

Wichtig zu wissen: Eine Umschuldung bringt nur etwas, wenn der Dispo danach nicht erneut genutzt wird. Sonst stehen am Ende zwei Schulden statt einer. Reicht das Einkommen grundsätzlich nicht, helfen kostenlose Angebote einer Schuldnerberatung eher als ein weiterer Kredit.

Wann der Dispo trotzdem seinen Zweck erfüllt

Für kurze Überbrückungen ist der Dispo durchaus sinnvoll. Wer wegen einer unerwarteten Reparatur zwei Wochen ins Minus geht und mit dem nächsten Gehalt ausgleicht, zahlt meist nur wenige Euro Zinsen. Das ist günstiger und einfacher, als für einen kleinen Betrag einen eigenen Kredit aufzunehmen. Auch als Sicherheitsnetz gegen geplatzte Lastschriften hat ein kleiner Rahmen seinen Wert.

Die Faustregel: Ein Minus, das nach ein bis zwei Monaten nicht von selbst verschwindet, gehört nicht mehr in den Dispo. Spätestens dann ist es Zeit, die Schuld in eine Form mit festem Abbauplan zu überführen.

Häufige Fragen

Ein eingeräumter Dispo kann als Teil der Kontoverbindung gemeldet werden. Die normale Nutzung im vereinbarten Rahmen gilt nicht als negatives Merkmal. Kritisch wird es erst, wenn die Bank den Kredit kündigt und offene Beträge nicht beglichen werden.

Ja, die Bank kann den Rahmen nach ihren Geschäftsbedingungen kürzen oder kündigen, in der Regel mit einer angemessenen Frist. Dann muss der offene Betrag ausgeglichen werden. Wer das nicht kann, sollte frühzeitig mit der Bank über eine Ratenvereinbarung sprechen.

Eine gesetzliche Höchstdauer gibt es nicht. Der Rahmen kann theoretisch unbegrenzt genutzt werden, solange die Bank ihn nicht kündigt. Wirtschaftlich sinnvoll ist er aber nur für kurze Zeiträume, weil die Zinsen hoch sind.

Der Dispozins gilt für den Betrag innerhalb des vereinbarten Rahmens. Der Überziehungszins fällt für Beträge darüber an, also bei der geduldeten Überziehung, und ist oft höher.

Quellen und weiterführende Informationen

Gesetzestexte und Angaben der genannten Stellen in der jeweils aktuellen Fassung. Beispielrechnungen dienen der Veranschaulichung.