Was bedeutet Bonität?

Bonität (von lateinisch bonitas, Güte) bezeichnet die Kreditwürdigkeit einer Person oder eines Unternehmens: die Fähigkeit und die Bereitschaft, Zahlungsverpflichtungen vollständig und pünktlich zu erfüllen. Beides wird getrennt betrachtet. Die Fähigkeit zeigt sich an Einkommen, Vermögen und Ausgaben, die Bereitschaft am bisherigen Zahlungsverhalten.

Banken sind gesetzlich verpflichtet, vor einem Verbraucherkredit die Kreditwürdigkeit zu prüfen (§ 505a BGB). Bonität spielt aber auch außerhalb von Krediten eine Rolle: bei einem Mietvertrag, einem Mobilfunkvertrag, beim Kauf auf Rechnung oder bei Ratenzahlung im Onlinehandel.

Einen amtlichen Bonitätswert gibt es nicht. Jeder Kreditgeber bildet sich sein eigenes Urteil, aus den Unterlagen des Antragstellers und aus Daten von Auskunfteien. Deshalb kann dieselbe Person bei einer Bank ein gutes Angebot bekommen und bei einer anderen abgelehnt werden.

Was die Bonität in Euro bedeutet

Viele Banken bieten Ratenkredite mit bonitätsabhängigem Zins an. Der beworbene Zinssatz gilt dann nur für einen Teil der Kunden, die übrigen zahlen mehr. Die Werbung muss deshalb ein repräsentatives Beispiel nennen, das mindestens zwei Drittel der Kunden voraussichtlich erhalten. Wie groß der Unterschied sein kann, zeigt der effektive Jahreszins im folgenden Beispiel.

Rechenbeispiel: derselbe Kredit, zwei Bonitätsstufen

Angenommen: Ratenkredit über 20.000 Euro, Laufzeit 60 Monate.

Sehr gute Bonität: effektiver Jahreszins 5,9 Prozent, Monatsrate 384,30 Euro, Zinsen gesamt 3.058,02 Euro.

Mittlere Bonität: effektiver Jahreszins 9,9 Prozent, Monatsrate 419,82 Euro, Zinsen gesamt 5.188,92 Euro.

Mehrkosten durch die schlechtere Einstufung: 2.130,90 Euro.

Bei Baufinanzierungen wirkt dasselbe Prinzip. Dort hängt der Zins zusätzlich am Beleihungsauslauf, also daran, welcher Anteil des Immobilienwerts finanziert wird. Mehr Eigenkapital verbessert die Konditionen hier oft stärker als ein guter Score.

Woran Kreditgeber die Bonität messen

Was Kreditwürdigkeit im Einzelfall ausmacht, gewichtet jede Bank etwas anders, und die genauen Bewertungsmodelle legt keine offen. Grob lassen sich aber vier Bereiche unterscheiden, die fast immer geprüft werden: die laufende Haushaltsrechnung, die berufliche Situation, das bisherige Zahlungsverhalten und die bereits bestehenden Verpflichtungen. Schwächen in einem Bereich lassen sich teilweise durch Stärken in einem anderen ausgleichen. Eine lückenlose Zahlungshistorie hilft aber wenig, wenn die Rate schlicht nicht ins Budget passt.

Einkommen und Haushaltsrechnung

Am Anfang steht die Frage, ob die Rate überhaupt bezahlbar ist. Die Bank stellt dafür die regelmäßigen Einnahmen den Ausgaben gegenüber, einschließlich einer Pauschale für die Lebenshaltung, die sich nach der Zahl der Personen im Haushalt richtet. Was übrig bleibt, begrenzt die mögliche Rate.

Vereinfachte Haushaltsrechnung (Beispiel, Werte pro Monat)
PositionBetrag
Nettoeinkommen beider Partner3.400 Euro
Warmmiete−1.150 Euro
Versicherungen, Verträge, Abos−220 Euro
Auto (Rate, Versicherung, Kraftstoff)−250 Euro
Bestehender Ratenkredit−180 Euro
Lebenshaltungspauschale (2 Personen, angenommen)−1.100 Euro
Frei verfügbarer Betrag500 Euro

Eine Rate von 500 Euro würde eine Bank mit diesen Zahlen kaum akzeptieren, sie verlangt einen Puffer für Unvorhergesehenes. Eine Rate von 350 bis 400 Euro läge eher im Rahmen. Wer seine eigenen Zahlen vorher kennen will, kommt mit einem Haushaltsbuch am schnellsten zu einem realistischen Bild.

Beschäftigung und Stabilität

Unbefristete Anstellungen nach der Probezeit gelten als sicherer als befristete Verträge. Selbstständige müssen meist mehrere Jahresabschlüsse oder Steuerbescheide vorlegen. Manche Kreditgeber berücksichtigen auch, wie lange jemand schon im Job ist, und bei langen Laufzeiten das Alter mit Blick auf den Rentenbeginn.

Zahlungsverhalten und Auskunfteien

Ob jemand bisher zuverlässig gezahlt hat, erfährt die Bank vor allem über Auskunfteien wie die SCHUFA. Dort sind Kredite, Girokonten, Kreditkarten und Mobilfunkverträge gespeichert, außerdem Zahlungsstörungen, etwa unbestrittene Forderungen, die trotz Mahnungen offen geblieben sind. Aus diesen Daten berechnet die Auskunftei einen Score, der eine Ausfallwahrscheinlichkeit ausdrückt. Ein negativer Schufa-Eintrag wiegt dabei schwerer als fast jeder andere Faktor.

Bestehende Schulden und Sicherheiten

Laufende Kredite, ein dauerhaft genutzter Dispokredit und Bürgschaften für Dritte schmälern den Spielraum. Sicherheiten wie eine Grundschuld, ein zweiter Kreditnehmer oder ein Bürge können eine mittelmäßige Bonität dagegen teilweise ausgleichen, weil sie das Ausfallrisiko der Bank senken.

Bonität von Unternehmen

Bei Firmenkunden beurteilen Banken die Bonität mit internen Ratingverfahren. Das Ergebnis bestimmt nicht nur den Zins, sondern auch, wie viel Eigenkapital die Bank selbst für den Kredit vorhalten muss. Ausschlaggebend sind der Jahresabschluss und Kennzahlen wie die Eigenkapitalquote, der Cashflow und die Verschuldung im Verhältnis zum Ertrag. Daneben zählen weiche Faktoren wie Branche, Marktstellung, Qualität der Geschäftsführung und eine geregelte Nachfolge.

Auch Lieferanten prüfen die Bonität ihrer Geschäftskunden, meist über Wirtschaftsauskunfteien, bevor sie auf Rechnung liefern oder ein langes Zahlungsziel einräumen. Gegen das Risiko, dass ein Kunde trotzdem ausfällt, sichern sich viele Unternehmen mit einer Warenkreditversicherung ab.

Was der Bonität schadet und was nicht

Rund um Bonität und Score kursieren viele Annahmen. Einige stimmen, andere nicht:

Verbreitete Annahmen im Faktencheck
AnnahmeWas stimmt
Wer seine eigene SCHUFA-Auskunft abruft, verschlechtert den Score.Falsch. Die Selbstauskunft hat keinen Einfluss auf den Score.
Kreditvergleiche schaden dem Score.Nicht unbedingt. Eine reine Anfrage nach Kreditkonditionen fließt nicht in den Score ein. Echte Kreditanfragen werden gespeichert und sind für andere Kreditgeber sichtbar, deshalb ist bei Vergleichen die Konditionsanfrage der bessere Weg.
Ein hohes Einkommen bedeutet automatisch gute Bonität.Falsch. Auskunfteien kennen das Einkommen nicht. Die Bank berücksichtigt es in der Haushaltsrechnung, Zahlungsstörungen gleicht es aber nicht aus.
Viele Konten und Kreditkarten sind egal.Nicht ganz. Sehr viele Karten und Kreditrahmen können den Spielraum für neue Kredite schmälern. Ein Girokonto und eine Kreditkarte gelten als normal.
Nach Begleichen einer Schuld ist der Eintrag sofort weg.Falsch. Erledigte Zahlungsstörungen bleiben mit dem Vermerk „erledigt“ noch eine Zeit lang gespeichert. Die Fristen legen die Auskunfteien fest.

Bonität verbessern: was tatsächlich hilft

Schnelle Tricks gibt es nicht. Wirksam sind vor allem Schritte, die das Bild dauerhaft verbessern:

  1. Daten prüfen: Jeder hat nach Art. 15 DSGVO Anspruch auf eine kostenlose Datenkopie bei der SCHUFA und anderen Auskunfteien. Falsche oder veraltete Einträge lassen sich berichtigen oder löschen.
  2. Rechnungen pünktlich zahlen: Mahnungen nicht liegen lassen. Wer eine Forderung für unberechtigt hält, sollte ihr ausdrücklich widersprechen, denn bestrittene Forderungen dürfen in der Regel nicht als Zahlungsstörung gemeldet werden.
  3. Ungenutzte Konten und Karten kündigen: Das reduziert offene Kreditrahmen.
  4. Teure Schulden abbauen: Einen dauerhaft genutzten Dispo schrittweise zurückführen oder durch einen günstigeren Kredit ersetzen.
  5. Gemeinsam beantragen: Ein zweiter Kreditnehmer mit eigenem Einkommen verbessert die Haushaltsrechnung.
  6. Unterlagen vollständig vorlegen: Gehaltsnachweise, Kontoauszüge und bei Selbstständigen aktuelle Zahlen ersparen Rückfragen und Risikoaufschläge.

Wichtig zu wissen: Angebote, die gegen Gebühr eine bessere Bonität oder einen Kredit trotz negativer Einträge versprechen, sind mit Vorsicht zu behandeln. Gelöscht werden können nur unzulässige Einträge, und dafür genügt ein kostenloser Antrag bei der Auskunftei. Bei bestehenden Zahlungsproblemen hilft eine anerkannte Schuldnerberatung kostenlos weiter.

Häufige Fragen

Am einfachsten über die kostenlose Datenkopie nach Art. 15 DSGVO, die bei der SCHUFA und anderen Auskunfteien angefordert werden kann. Sie zeigt gespeicherte Verträge, Einträge und Scorewerte. Für die Seite der Haushaltsrechnung genügt eine ehrliche Aufstellung von Einnahmen und Ausgaben.

Eine allgemeingültige Grenze gibt es nicht, jede Bank legt eigene Schwellen fest. Entscheidend ist die Gesamtbetrachtung mit Einkommen und Ausgaben. Ein guter Score ersetzt keine tragfähige Haushaltsrechnung.

Möglich ist das, aber zu deutlich höheren Zinsen und oft nur mit zusätzlichen Sicherheiten oder einem zweiten Kreditnehmer. Bei harten Negativmerkmalen lehnen die meisten Banken ab. Angebote, die gegen Vorabgebühr einen Kredit trotz allem versprechen, sind häufig unseriös.

Das hängt vom Anlass ab. Ein korrigierter Fehler wirkt, sobald die Auskunftei ihn berichtigt hat, ein abgelöster Kredit wird nach Meldung der Bank als erledigt geführt. Erledigte Zahlungsstörungen bleiben dagegen noch eine Weile gespeichert, die Speicherfristen veröffentlichen die Auskunfteien.

Quellen und weiterführende Informationen

Gesetzestexte und Angaben der genannten Stellen in der jeweils aktuellen Fassung. Beispielrechnungen dienen der Veranschaulichung.