Warum ein Verlustprodukt trotzdem Geld bringen kann

Angenommen, ein Betrieb stellt Gartenstühle her. Die Kostenrechnung verteilt Miete, Verwaltung und Maschinen anteilig auf jeden Stuhl und kommt auf Selbstkosten von 48 Euro. Verkauft wird der Stuhl für 45 Euro. Auf dem Papier verliert der Betrieb an jedem Stück 3 Euro.

Die naheliegende Reaktion wäre, den Stuhl aus dem Sortiment zu nehmen. Doch Miete, Verwaltung und Maschinen kosten auch dann Geld, wenn kein einziger Stuhl mehr gebaut wird. Entscheidend ist, was der Stuhl über die Kosten hinaus einbringt, die nur durch ihn entstehen: Holz, Beschläge, Lack, Stücklohn. Liegen diese variablen Kosten bei 30 Euro, bleiben je Stuhl 15 Euro zur Deckung der Fixkosten. Ohne den Stuhl müssten die übrigen Produkte diese 15 Euro mittragen.

Genau diese 15 Euro sind der Deckungsbeitrag. Er erklärt, warum Entscheidungen auf Basis von Vollkosten in die Irre führen können.

Deckungsbeitrag: Definition und Berechnung

Der Deckungsbeitrag (DB) ist die Differenz zwischen Umsatzerlösen und variablen Kosten. Er heißt so, weil er zur Deckung der Fixkosten beiträgt. Erst wenn alle Deckungsbeiträge zusammen die Fixkosten übersteigen, entsteht Gewinn. Für die Berechnung gibt es vier gängige Größen:

  • Stückdeckungsbeitrag = Verkaufspreis minus variable Stückkosten
  • Gesamtdeckungsbeitrag = Stückdeckungsbeitrag × Absatzmenge, oder Umsatz minus gesamte variable Kosten
  • Deckungsbeitragsquote = Deckungsbeitrag ÷ Umsatz × 100
  • Betriebsergebnis = Gesamtdeckungsbeitrag minus Fixkosten

Der Verkaufspreis wird immer netto angesetzt, also ohne Umsatzsteuer und nach Abzug von Rabatten und Skonto. Die Deckungsbeitragsquote ist nützlich, wenn Produkte mit sehr unterschiedlichen Preisen verglichen werden sollen. Sie ist außerdem die Grundlage, um den Break-even-Point auf Umsatzbasis zu bestimmen.

Einstufige Deckungsbeitragsrechnung

In der einstufigen Variante, auch Direct Costing genannt, werden von den Erlösen jedes Produkts die variablen Kosten abgezogen. Die Deckungsbeiträge aller Produkte werden addiert, und davon wird der gesamte Fixkostenblock in einem Schritt abgezogen. Für den Möbelbetrieb aus dem Beispiel könnte ein Jahr so aussehen:

Einstufige Deckungsbeitragsrechnung, Beispielwerte in Euro
PositionStuhlTischBankSumme
Umsatzerlöse90.000120.00040.000250.000
Variable Kosten60.00066.00034.000160.000
Deckungsbeitrag30.00054.0006.00090.000
DB-Quote33,3 %45,0 %15,0 %36,0 %
Fixkosten75.000
Betriebsergebnis15.000

Die Rechnung ist schnell erstellt und zeigt auf einen Blick, welches Produkt am meisten beisteuert. Der Tisch liefert den höchsten absoluten Deckungsbeitrag und die beste Quote, die Bank liegt weit zurück. Solange ihr Deckungsbeitrag positiv ist, hilft aber auch die Bank, die Fixkosten zu tragen.

Die Schwäche der einstufigen Rechnung: Sie behandelt alle Fixkosten als einen einzigen Block. Dass die Bank vielleicht eine eigene Spezialmaschine braucht, die ohne sie überflüssig wäre, bleibt unsichtbar.

Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung

Die mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung, auch Fixkostendeckungsrechnung genannt, löst dieses Problem. Sie zerlegt die Fixkosten in Schichten und ordnet jede Schicht der Ebene zu, auf der sie entsteht. Üblich sind diese Stufen:

  1. Erzeugnisfixkosten: Fixkosten, die nur ein einzelnes Produkt betreffen, etwa eine Spezialmaschine oder Werbung genau für dieses Produkt.
  2. Erzeugnisgruppenfixkosten: Fixkosten einer Produktgruppe, zum Beispiel einer Fertigungslinie für alle Gartenmöbel.
  3. Bereichsfixkosten: Fixkosten eines Werks, einer Filiale oder einer Sparte.
  4. Unternehmensfixkosten: alles, was sich keiner tieferen Ebene zuordnen lässt, etwa Geschäftsführung, Buchhaltung oder die Kosten des Jahresabschlusses.

Nach jeder Stufe ergibt sich ein eigener Deckungsbeitrag: DB I nach Abzug der variablen Kosten, DB II nach Abzug der Erzeugnisfixkosten, DB III nach den Gruppenfixkosten und so weiter. Für die Bank sähe das so aus:

Mehrstufige Rechnung für die Bank, Beispielwerte in Euro
StufeBetrag
Umsatzerlöse Bank40.000
abzüglich variable Kosten-34.000
DB I6.000
abzüglich Erzeugnisfixkosten (Spezialfräse: Abschreibung, Wartung)-9.000
DB II-3.000

Jetzt ändert sich das Bild. Die Bank deckt zwar ihre variablen Kosten, aber nicht die Kosten der Maschine, die nur für sie angeschafft wurde. Fällt die Bank weg und lässt sich die Fräse verkaufen oder anders nutzen, steigt das Betriebsergebnis um 3.000 Euro. Die einstufige Rechnung hätte diesen Zusammenhang verdeckt.

Gut zu wissen: Bevor ein Produkt mit negativem DB II gestrichen wird, sollte geklärt sein, ob sich die zugehörigen Fixkosten tatsächlich abbauen lassen. Eine gekaufte Maschine, die sich weder verkaufen noch umnutzen lässt, kostet weiter Geld. Dann zählt kurzfristig doch wieder nur der DB I.

Preisuntergrenze: wie tief der Preis sinken darf

Eine der wichtigsten Anwendungen ist die Frage, welchen Preis ein Unternehmen mindestens verlangen muss. Dabei unterscheidet man zwei Untergrenzen.

Kurzfristige Preisuntergrenze

Kurzfristig muss ein Auftrag nur seine variablen Kosten decken. Die Fixkosten fallen ohnehin an, egal ob der Auftrag angenommen wird oder nicht. Jeder Preis oberhalb der variablen Stückkosten bringt einen positiven Deckungsbeitrag und verbessert das Ergebnis. Das gilt allerdings nur, wenn freie Kapazitäten vorhanden sind und der niedrige Preis keine besser bezahlten Aufträge verdrängt.

Langfristige Preisuntergrenze

Auf Dauer muss der Preis alle Kosten decken, also die variablen und die anteiligen fixen. Die langfristige Preisuntergrenze entspricht damit den Selbstkosten je Stück. Wer dauerhaft nur zur kurzfristigen Untergrenze verkauft, kann Miete, Personal und Ersatzinvestitionen nicht bezahlen.

Rechenbeispiel Zusatzauftrag

Angenommen, ein Händler fragt 300 Stühle zu je 34 Euro an. Der normale Preis liegt bei 45 Euro.

Variable Kosten je Stuhl: 30 Euro, freie Kapazität ist vorhanden.

Deckungsbeitrag je Stuhl: 34 Euro minus 30 Euro = 4 Euro

Zusätzlicher Deckungsbeitrag: 300 × 4 Euro = 1.200 Euro

Ergebnis: Der Auftrag verbessert das Betriebsergebnis um 1.200 Euro, obwohl der Preis unter den Selbstkosten von 48 Euro liegt.

Ob der Auftrag sinnvoll ist, hängt trotzdem von mehr ab als von dieser Zahl. Erfahren Stammkunden vom Sonderpreis, wollen sie womöglich ebenfalls nachverhandeln. Und bei nur 4 Euro Deckungsbeitrag je Stück reicht ein einziger Zahlungsausfall, um den Vorteil vieler solcher Aufträge zu vernichten. Die Bonität des Abnehmers zu prüfen, gehört deshalb zum Forderungsmanagement dazu.

Relativer Deckungsbeitrag bei Engpässen

Ist die Kapazität knapp, reicht der Stückdeckungsbeitrag als Entscheidungsgrundlage nicht mehr. Dann zählt, wie viel Deckungsbeitrag ein Produkt je Einheit des Engpasses bringt, etwa je Maschinenstunde. Diese Größe heißt relativer Deckungsbeitrag.

Engpass Maschinenzeit

Stuhl: Deckungsbeitrag 15 Euro, Bearbeitungszeit 0,25 Stunden, relativer DB 60 Euro je Stunde

Tisch: Deckungsbeitrag 36 Euro, Bearbeitungszeit 1 Stunde, relativer DB 36 Euro je Stunde

Ergebnis: Der Tisch bringt je Stück mehr, der Stuhl aber je Maschinenstunde. Ist die Maschinenzeit knapp, sollte der Stuhl Vorrang haben, solange die Nachfrage reicht.

Stärken und Grenzen der Teilkostenrechnung

Die Deckungsbeitragsrechnung gehört zur Teilkostenrechnung, weil sie den Produkten zunächst nur einen Teil der Kosten zurechnet. Für kurzfristige Entscheidungen ist sie der Vollkostenrechnung überlegen: bei Zusatzaufträgen, bei der Bereinigung des Sortiments, bei der Frage nach Eigenfertigung oder Zukauf und bei Preisaktionen. Ihre Schwächen sollte man trotzdem kennen:

  • Die Trennung in fixe und variable Kosten ist nicht immer eindeutig. Personalkosten sind kurzfristig meist fix, langfristig aber gestaltbar.
  • Wer sich nur an der kurzfristigen Untergrenze orientiert, riskiert eine Preisspirale nach unten, an deren Ende die Fixkosten nicht mehr gedeckt sind.
  • Die mehrstufige Rechnung verlangt eine saubere Zuordnung der Fixkosten zu Produkten und Bereichen. Das bedeutet zusätzlichen Aufwand in der Buchhaltung.

Viele Betriebe nutzen deshalb beide Sichtweisen: die Deckungsbeitragsrechnung für operative Entscheidungen, die Vollkosten für die langfristige Preispolitik. Ob das Unternehmen insgesamt profitabel arbeitet, zeigt am Ende die Gewinn- und Verlustrechnung, wie gut sich das Kapital verzinst, die Rentabilität.

Häufige Fragen

Ja. Ein negativer DB I bedeutet, dass der Verkaufspreis nicht einmal die variablen Kosten deckt. Jedes verkaufte Stück verschlechtert dann das Ergebnis. Das lässt sich höchstens rechtfertigen, wenn das Produkt gezielt andere Verkäufe anstößt, etwa als Lockangebot.

Beim Deckungsbeitrag werden vom Umsatz nur die variablen Kosten abgezogen. Gewinn entsteht erst, wenn auch die Fixkosten gedeckt sind. Ein Unternehmen kann also hohe Deckungsbeiträge erzielen und trotzdem Verlust machen, wenn die Fixkosten noch höher sind.

Einen allgemeingültigen Richtwert gibt es nicht. Handelsbetriebe arbeiten oft mit deutlich niedrigeren Quoten als Software- oder Beratungsunternehmen, deren variable Kosten gering sind. Aussagekräftig ist vor allem der Vergleich mit den eigenen Vorjahren und mit der Höhe der Fixkosten.

Das sind die Stufen der mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung. DB I ist Umsatz minus variable Kosten, DB II zieht zusätzlich die Fixkosten des einzelnen Produkts ab, DB III die Fixkosten der Produktgruppe. Je nach Unternehmen folgen weitere Stufen bis zum Betriebsergebnis.

Quellen und weiterführende Informationen

Gesetzestexte und Angaben der genannten Stellen in der jeweils aktuellen Fassung. Beispielrechnungen dienen der Veranschaulichung.