Was ist ein Sparplan?

Ein Sparplan ist eine Vereinbarung, regelmäßig einen festen Betrag anzulegen, meist monatlich. Den Begriff gibt es in zwei Bedeutungen. Beim Banksparplan fließt das Geld auf ein Sparkonto mit Zins. Beim Wertpapiersparplan, um den es hier vor allem geht, kauft die Depotbank zu festen Terminen automatisch Anteile an Fonds, ETFs oder Aktien.

Der Reiz liegt in der Regelmäßigkeit. Man muss weder den richtigen Einstiegszeitpunkt suchen noch eine große Summe auf einmal haben. Viele Depotbanken erlauben Sparraten ab 25 oder 50 Euro, manche auch darunter. Auch vermögenswirksame Leistungen lassen sich in einen Fondssparplan lenken.

Rechenbeispiel: 100 Euro monatlich über 20 Jahre

Wie viel ein Sparplan bringen kann, zeigt eine einfache Modellrechnung. Sie unterstellt eine gleichmäßige jährliche Wertentwicklung. In der Realität schwanken die Kurse stark, der Endwert kann daher deutlich höher oder niedriger ausfallen.

Modellrechnung mit 6 Prozent pro Jahr

Angenommen: Sparrate 100 Euro, Einzahlung jeweils zum Monatsanfang, Laufzeit 20 Jahre (240 Raten), Wertentwicklung 6 Prozent pro Jahr, noch ohne Kosten und Steuern.

Summe der Einzahlungen: 240 × 100 Euro = 24.000 Euro

Depotwert nach 20 Jahren: rund 45.565 Euro

Wertzuwachs: rund 21.565 Euro, also fast so viel wie die eigenen Einzahlungen

Der Großteil des Zuwachses entsteht in den letzten Jahren, weil dann bereits erzielte Erträge mitwachsen.

Endwert bei 100 Euro monatlich über 20 Jahre (ohne Kosten und Steuern)
Angenommene Wertentwicklung pro JahrDepotwert nach 20 Jahrendavon Wertzuwachs
0 %24.000 Euro0 Euro
3 %32.766 Euro8.766 Euro
5 %40.746 Euro16.746 Euro
6 %45.565 Euro21.565 Euro
7 %51.041 Euro27.041 Euro

Der Effekt dahinter ist der Zinseszins: Erträge werden wieder angelegt und erzeugen selbst Erträge. Ein Prozentpunkt mehr oder weniger pro Jahr macht über 20 Jahre mehrere Tausend Euro aus. Genau deshalb sind die Kosten so wichtig.

Gut zu wissen: Beim Verkauf werden Steuern auf den Gewinn fällig. Grob gerechnet: Bei einem Aktien-ETF bleiben 30 Prozent des Gewinns durch die Teilfreistellung steuerfrei. Vom Rest wird der Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro abgezogen, auf den verbleibenden Betrag fallen 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag an. Im Beispiel wären das grob 3.700 Euro, wenn alles in einem Jahr verkauft wird. Die jährliche Vorabpauschale und die Kirchensteuer sind dabei nicht berücksichtigt.

So läuft ein Wertpapiersparplan ab

  1. Depot eröffnen: Voraussetzung ist ein Wertpapierdepot mit Verrechnungskonto.
  2. Wertpapier wählen: Die Bank zeigt, welche Fonds, ETFs oder Aktien sparplanfähig sind.
  3. Rate und Turnus festlegen: Betrag, Rhythmus (monatlich, alle zwei Monate, vierteljährlich) und Ausführungstag, oft der 1. oder 15. eines Monats.
  4. Ausführung: Zum Termin wird die Rate vom Verrechnungskonto abgebucht und zum dann gültigen Kurs angelegt. Gekauft werden auch Bruchteile von Anteilen, damit der volle Betrag investiert wird.
  5. Laufende Kontrolle: Einmal im Jahr prüfen, ob Rate, Wertpapier und Ziel noch zueinander passen.

Der Ablauf ist bei fast allen Depotbanken gleich, Unterschiede gibt es vor allem bei der Auswahl sparplanfähiger Wertpapiere, den möglichen Ausführungstagen und den Gebühren. Einmal eingerichtet, läuft der Sparplan ohne weiteres Zutun.

Die Steuer wird bei einer inländischen Depotbank automatisch abgeführt. Damit der Sparerpauschbetrag genutzt wird, sollte dort ein Freistellungsauftrag vorliegen. Einzelheiten stehen im Beitrag zur Kapitalertragsteuer.

Was sich besparen lässt

  • ETFs: der häufigste Weg, weil breit gestreut und mit niedrigen laufenden Kosten. Ein weltweit anlegender Aktien-ETF deckt Tausende Unternehmen ab.
  • Aktiv gemanagte Fonds: ebenfalls sparplanfähig, aber mit höheren laufenden Kosten und oft Ausgabeaufschlag. Mehr dazu unter Investmentfonds.
  • Einzelaktien: bei vielen Depotbanken möglich, das Risiko ist aber auf wenige Unternehmen konzentriert.
  • Weitere Anlagen: Einige Anbieter bieten Sparpläne auf Edelmetalle oder Kryptowährungen an. Diese folgen anderen Regeln und schwanken teils sehr stark.

Für die meisten Sparer ist die Frage der Streuung wichtiger als die Wahl des einen perfekten Produkts. Ein Sparplan auf einen breiten Index verteilt das Risiko auf viele Länder und Branchen.

Kosten: wo der Sparplan Rendite verliert

Bei einem Sparplan fallen Kosten an zwei Stellen an: beim Kauf jeder Rate und laufend im Produkt selbst. Beide wirken über 20 Jahre stärker, als die kleinen Prozentzahlen vermuten lassen.

  • Ausführungsgebühr: Manche Banken nehmen pro Rate einen Festbetrag oder einen Prozentsatz, andere führen Sparpläne kostenlos aus.
  • Ausgabeaufschlag: fällt vor allem bei aktiven Fonds an, die über die Bank gekauft werden.
  • Laufende Kosten (TER): werden jährlich aus dem Fondsvermögen entnommen.
  • Depotgebühren: bei vielen Banken entfallen sie, bei manchen nicht.
Kostenwirkung bei 100 Euro monatlich, 20 Jahre, 6 Prozent Wertentwicklung vor Kosten (Modellrechnung)
KostenmodellDepotwert nach 20 JahrenWeniger als ohne Kosten
ohne Kosten45.565 Euro0 Euro
TER 0,2 % pro Jahr44.551 Euro1.014 Euro
1,5 % Ausführungsgebühr je Rate, keine TER44.881 Euro684 Euro
TER 1,8 % pro Jahr37.309 Euro8.256 Euro
TER 1,8 % plus 5 % Ausgabeaufschlag35.444 Euro10.121 Euro

Bei einem teuren aktiven Fonds kostet das Paket aus Ausgabeaufschlag und hoher TER im Beispiel rund 10.000 Euro, also fast die Hälfte des Wertzuwachses. Ein kostengünstiger ETF verliert dagegen etwa 1.000 Euro. Der aktive Fonds müsste diesen Unterschied erst durch bessere Ergebnisse wieder hereinholen.

Pausieren, ändern, entnehmen

Ein Wertpapiersparplan ist kein Vertrag mit Mindestlaufzeit. Die Rate lässt sich in der Regel jederzeit erhöhen, senken, aussetzen oder ganz beenden, meist mit wenigen Tagen Vorlauf vor dem nächsten Ausführungstermin. Auch einzelne Anteile können jederzeit verkauft werden.

Diese Freiheit unterscheidet den Wertpapiersparplan von vielen Versicherungsprodukten, bei denen ein früher Ausstieg teuer werden kann. Sie hat aber eine Kehrseite: Wer bei fallenden Kursen nervös wird und den Plan stoppt oder verkauft, verliert genau den Vorteil des regelmäßigen Kaufens. Eine ausreichende Reserve auf dem Tagesgeldkonto hilft, den Sparplan auch in schwierigen Phasen laufen zu lassen.

Grenzen eines Sparplans

Regelmäßige Käufe führen dazu, dass bei niedrigen Kursen mehr Anteile erworben werden als bei hohen. Dieser Cost-Average-Effekt wird oft überschätzt. Er senkt nicht das Risiko des Wertpapiers selbst, sondern verteilt nur den Einstieg über die Zeit.

Ein unterschätztes Risiko liegt am Ende: Nach 20 Jahren steckt im Depot viel mehr Geld als am Anfang. Ein Kurseinbruch kurz vor dem geplanten Verkauf trifft dann einen großen Betrag. Wer ein festes Ziel hat, etwa den Ruhestand, verkauft deshalb oft schrittweise über mehrere Jahre oder schichtet nach und nach in schwankungsärmere Anlagen um.

Sparplan oder Einmalanlage?

Wer bereits eine größere Summe hat, steht vor der Frage, ob er sie auf einmal anlegt oder per Sparplan verteilt. Weil Aktienmärkte langfristig eher gestiegen sind, lag die sofortige Anlage in der Vergangenheit häufiger vorn. Das Verteilen über einige Monate kann sich aber psychologisch leichter anfühlen und schützt davor, die gesamte Summe kurz vor einem Einbruch zu investieren. Das Rechenbeispiel oben gilt für Menschen, die laufend aus dem Einkommen sparen. Für sie ist der Sparplan schlicht der natürliche Weg.

Wichtig zu wissen: Aktien-Sparpläne eignen sich für Geld, das viele Jahre nicht gebraucht wird. Zwischenzeitliche Verluste von einem Drittel oder mehr sind bei Aktienanlagen schon mehrfach vorgekommen. Für die Altersvorsorge kann ein Sparplan ein Baustein sein, ersetzt aber keine Planung.

Häufige Fragen

Schon kleine Beträge können sinnvoll sein, wenn die Kosten niedrig sind und der Anlagehorizont lang ist. Bei festen Gebühren pro Ausführung sollten sehr kleine Raten vermieden werden, weil die Gebühr dann prozentual stark ins Gewicht fällt. Wichtiger als die Höhe der Rate ist meist, früh anzufangen und dabeizubleiben.

Ein Wertpapiersparplan lässt sich in der Regel jederzeit ändern, aussetzen oder beenden. Die bereits gekauften Anteile bleiben im Depot und können behalten oder verkauft werden. Bei manchen Banksparplänen gelten dagegen feste Laufzeiten.

Langfristig spielt der Tag im Monat praktisch keine Rolle. Sinnvoll ist ein Termin kurz nach dem Gehaltseingang, damit das Verrechnungskonto gedeckt ist.

Die Rate wird weiter ausgeführt, und für denselben Betrag gibt es mehr Anteile. Der Depotwert sinkt zwar vorübergehend, Verluste werden aber erst bei einem Verkauf realisiert. Wer den Plan in solchen Phasen fortsetzt, kauft günstiger nach.

Ja, Kursgewinne und Ausschüttungen sind Kapitalerträge. Oberhalb des Sparerpauschbetrags behält die Depotbank die Abgeltungsteuer ein. Bei thesaurierenden Fonds wird zusätzlich jährlich eine Vorabpauschale besteuert.

Quellen und weiterführende Informationen

Gesetzestexte und Angaben der genannten Stellen in der jeweils aktuellen Fassung. Beispielrechnungen dienen der Veranschaulichung.