Was ist ein Investmentfonds?
Ein Investmentfonds sammelt Geld von vielen Anlegern und legt es gebündelt an. Statt selbst zwanzig oder fünfzig Aktien zu kaufen, erwirbt man Fondsanteile und ist damit an allen Wertpapieren im Fonds beteiligt. Der Wert eines Anteils ergibt sich aus dem Gesamtvermögen des Fonds geteilt durch die Zahl der ausgegebenen Anteile.
Der wichtigste Vorteil ist die Streuung. Schon mit kleinen Beträgen verteilt sich das Geld auf viele Titel, Branchen und oft auch Länder. Fällt ein einzelnes Unternehmen aus, trifft das den Fonds weit weniger als einen Anleger, der nur diese eine Aktie hält. Mehr zum Prinzip steht im Beitrag zur Diversifikation.
Fondsanteile werden meist in einem Wertpapierdepot verwahrt. Gekauft werden sie entweder direkt bei der Fondsgesellschaft beziehungsweise über eine Bank zum Ausgabepreis oder über die Börse.
Aufbau des Anteilspreises
Wie Fonds im Alltag funktionieren, zeigt der Blick auf den Preis. Die Fondsgesellschaft ermittelt an jedem Handelstag den Anteilswert, auch Nettoinventarwert genannt: Alle Wertpapiere und Guthaben im Fonds werden zu aktuellen Kursen bewertet, Verbindlichkeiten abgezogen und das Ergebnis durch die Zahl der Anteile geteilt. Der Ausgabepreis ist dieser Anteilswert plus Ausgabeaufschlag, der Rücknahmepreis entspricht meist dem Anteilswert.
Weil der Fonds neue Anteile ausgibt, wenn Geld zufließt, und Anteile zurücknimmt, wenn Anleger verkaufen, spricht man von offenen Fonds. Die Zahl der Anteile ist also nicht begrenzt. Geschlossene Fonds, etwa für einzelne Schiffe oder Immobilienprojekte, funktionieren anders und sind meist deutlich riskanter.
Wer beteiligt ist und warum das Geld geschützt ist
- Kapitalverwaltungsgesellschaft: Sie legt den Fonds auf, verwaltet ihn und trifft über das Fondsmanagement die Anlageentscheidungen.
- Verwahrstelle: Eine unabhängige Bank verwahrt die Vermögenswerte, kontrolliert Zahlungsströme und prüft, ob die Anlagegrenzen eingehalten werden.
- Aufsicht: In Deutschland überwacht die BaFin Fondsgesellschaften und Verwahrstellen. Rechtsgrundlage ist das Kapitalanlagegesetzbuch.
Das Fondsvermögen ist ein Sondervermögen. Es gehört rechtlich nicht zum Vermögen der Fondsgesellschaft und wird getrennt von ihr verwahrt. Gerät die Gesellschaft in die Insolvenz, fällt das Sondervermögen nicht in die Insolvenzmasse. Die Gläubiger der Gesellschaft haben darauf keinen Zugriff, die Anleger behalten ihre Anteile.
Wichtig zu wissen: Der Schutz als Sondervermögen bezieht sich auf die Pleite der Fondsgesellschaft. Gegen Kursverluste der Wertpapiere im Fonds schützt er nicht. Fondsanteile fallen auch nicht unter die Einlagensicherung für Bankguthaben.
Fondsarten im Überblick
Fonds werden meist danach eingeteilt, worin sie investieren. Daraus ergeben sich Chancen, Schwankungsbreite und oft auch die steuerliche Behandlung.
| Fondsart | Investiert in | Schwankung |
|---|---|---|
| Aktienfonds | Aktien, oft nach Region, Branche oder Stil | hoch |
| Rentenfonds | Anleihen von Staaten oder Unternehmen | gering bis mittel |
| Mischfonds | Aktien und Anleihen in wechselndem Verhältnis | mittel |
| Geldmarktfonds | kurzlaufende Zinspapiere und Bankeinlagen | sehr gering |
| Offene Immobilienfonds | Gewerbe- und Wohnimmobilien | gering, aber eingeschränkt handelbar |
| Dachfonds | Anteile anderer Fonds | je nach Zielfonds |
Bei offenen Immobilienfonds gelten gesetzliche Mindesthalte- und Kündigungsfristen. Das Geld ist dort also weniger flexibel verfügbar als bei Aktien- oder Rentenfonds.
Aktiv gemanagte Fonds und die Abgrenzung zum ETF
Klassische Investmentfonds sind meist aktiv gemanagt. Ein Fondsmanager oder ein Team wählt die Wertpapiere aus, gewichtet sie und schichtet um, mit dem Ziel, besser abzuschneiden als ein Vergleichsindex, die sogenannte Benchmark. Dafür braucht es Analysten, Research und häufige Transaktionen. Das kostet.
Ein Indexfonds verzichtet auf diese Auswahl und bildet einen Index einfach nach. Wird er an der Börse gehandelt, spricht man von einem ETF. Technisch sind auch ETFs Investmentfonds und ebenfalls Sondervermögen. Der Unterschied liegt in der Strategie und in den Kosten. Details dazu im Beitrag zu ETFs und Indexfonds.
Schlagen aktive Fonds den Markt?
Einigen gelingt das über bestimmte Zeiträume. Über lange Zeiträume schafft es aber ein großer Teil der aktiv gemanagten Fonds nicht, die eigene Benchmark nach Kosten zu übertreffen. Das Problem ist weniger fehlendes Können als die Rechnung: Der Fonds muss zunächst seine höheren Gebühren hereinholen, bevor ein Vorteil beim Anleger ankommt. Zudem lässt sich vorher kaum erkennen, welcher Fonds künftig zu den besseren gehört.
Kosten: Ausgabeaufschlag, TER und weitere Posten
- Ausgabeaufschlag: einmalige Gebühr beim Kauf über die Fondsgesellschaft oder Bank, bei Aktienfonds häufig bis zu 5 Prozent. Beim Kauf über die Börse fällt er meist nicht an, dafür Ordergebühren und die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs.
- Laufende Kosten (TER): Die Total Expense Ratio fasst Verwaltungsvergütung, Kosten der Verwahrstelle und weitere Gebühren als Prozentsatz pro Jahr zusammen. Sie wird täglich anteilig aus dem Fondsvermögen entnommen und schmälert die Wertentwicklung.
- Transaktionskosten: Kauf und Verkauf von Wertpapieren innerhalb des Fonds sind in der TER nicht enthalten. Bei häufigem Umschichten können sie spürbar sein.
- Erfolgsabhängige Vergütung: Manche Fonds verlangen zusätzlich eine Gebühr, wenn sie eine bestimmte Wertentwicklung übertreffen.
Angenommen, 10.000 Euro werden für 10 Jahre angelegt. Die Wertpapiere im Fonds entwickeln sich vor Kosten mit 6 Prozent pro Jahr.
Ohne jegliche Kosten: 10.000 × 1,06 hoch 10 = 17.908 Euro
Aktiver Fonds, 5 % Ausgabeaufschlag, TER 1,8 %: 9.500 × 1,042 hoch 10 = 14.335 Euro
Indexfonds ohne Ausgabeaufschlag, TER 0,2 %: 10.000 × 1,058 hoch 10 = 17.573 Euro
Unterschied zwischen beiden Fonds: rund 3.238 Euro. Der aktive Fonds müsste jedes Jahr deutlich mehr als 1,6 Prozentpunkte besser abschneiden, um das auszugleichen.
Die Rechnung ist vereinfacht, die TER wird hier direkt von der Jahresrendite abgezogen. Am Grundprinzip ändert das nichts: Kosten sind die einzige Größe bei einem Fonds, die vorher feststeht. Wie sie sich über Jahrzehnte aufsummieren, zeigt der Zinseszins-Effekt in umgekehrter Richtung.
Ausschüttend, thesaurierend und die Steuer
Ausschüttende Fonds zahlen Zinsen und Dividenden regelmäßig an die Anleger aus. Thesaurierende Fonds legen sie sofort wieder an, der Anteilswert steigt entsprechend. An der Gesamtrendite ändert das vor Steuern nichts, wohl aber am Zeitpunkt, zu dem Erträge fließen.
Erträge aus Fonds unterliegen der Kapitalertragsteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer, oberhalb des Sparerpauschbetrags von 1.000 Euro (2.000 Euro bei Zusammenveranlagung). Für Privatanleger gibt es eine Teilfreistellung: Bei Aktienfonds mit mindestens 51 Prozent Aktienanteil bleiben 30 Prozent der Erträge steuerfrei, bei Mischfonds mit mindestens 25 Prozent Aktienanteil 15 Prozent.
Bei thesaurierenden Fonds wird jährlich eine Vorabpauschale besteuert, auch ohne Verkauf. Sie hängt von einem Basiszins ab, der jedes Jahr neu festgelegt wird. Beim späteren Verkauf wird die bereits versteuerte Vorabpauschale angerechnet, doppelt besteuert wird also nicht.
Woran man einen Fonds prüfen kann
- Basisinformationsblatt lesen: Es nennt Anlageziel, Risikoklasse und alle Kosten in standardisierter Form.
- Benchmark vergleichen: Hat der Fonds seinen Vergleichsindex über fünf und zehn Jahre nach Kosten geschlagen?
- Kosten summieren: Ausgabeaufschlag, TER und gegebenenfalls Erfolgsgebühr zusammen betrachten.
- Strategie verstehen: Worin investiert der Fonds, wie konzentriert ist er, wie oft wird umgeschichtet?
- Anlagedauer abgleichen: Ein Aktienfonds passt zu einem Anlagehorizont von vielen Jahren, nicht zu Geld, das in zwölf Monaten gebraucht wird.
Gute Ergebnisse in der Vergangenheit sind kein verlässlicher Hinweis auf die Zukunft. Fonds mit herausragenden Jahren fallen oft später wieder ins Mittelfeld zurück. Wer regelmäßig kleine Beträge anlegen will, kann Fonds auch per Sparplan besparen.
Häufige Fragen
Ein ETF ist ein börsengehandelter Fonds, der in der Regel einen Index nachbildet. Klassische Investmentfonds werden meist aktiv gemanagt und häufig über die Fondsgesellschaft gekauft. Rechtlich sind beide Sondervermögen, ETFs sind aber meist deutlich günstiger.
Ja. Der Anteilswert schwankt mit den Kursen der enthaltenen Wertpapiere. Bei Aktienfonds sind zeitweise Verluste von 30 Prozent und mehr möglich. Das Sondervermögen schützt nur vor einer Pleite der Fondsgesellschaft, nicht vor Marktverlusten.
TER steht für Total Expense Ratio und gibt die laufenden jährlichen Kosten eines Fonds in Prozent an. Sie wird automatisch aus dem Fondsvermögen bezahlt. Transaktionskosten und Erfolgsgebühren sind darin nicht enthalten.
Oft ja. Viele Fonds sind auch über die Börse handelbar, dort fällt statt des Ausgabeaufschlags eine Ordergebühr und die Handelsspanne an. Manche Depotbanken gewähren zudem Rabatte auf den Ausgabeaufschlag.
Quellen und weiterführende Informationen
- Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)
- Einkommensteuergesetz (EStG)
- Verbraucherzentrale
Gesetzestexte und Angaben der genannten Stellen in der jeweils aktuellen Fassung. Beispielrechnungen dienen der Veranschaulichung.