Was ist der Cost-Average-Effekt?

Der Cost-Average-Effekt, auf Deutsch Durchschnittskosteneffekt, beschreibt einen rechnerischen Zusammenhang bei regelmäßigen Käufen mit festem Geldbetrag. Weil der Betrag gleich bleibt, der Kurs aber schwankt, erhält man in schwachen Monaten mehr Anteile und in starken weniger. Der durchschnittliche Preis, den man pro Anteil bezahlt, liegt dadurch unter dem Durchschnitt der Kurse an den Kaufterminen.

Der Effekt tritt nur auf, wenn ein fester Betrag investiert wird, wie bei einem typischen Sparplan auf ETFs oder Fonds. Wer dagegen jeden Monat eine feste Stückzahl kauft, zahlt im Schnitt genau den Durchschnittskurs. Der Vorteil entsteht also allein aus der Kombination von gleichbleibendem Betrag und schwankenden Preisen.

Rechenbeispiel: sechs Monate mit festem Sparbetrag

Ein einfaches Rechenbeispiel zeigt, wie der Effekt entsteht. Angenommen, jemand investiert ein halbes Jahr lang jeden Monat 100 Euro in einen Fonds. Der Kurs fällt zunächst deutlich und erholt sich dann wieder auf das Ausgangsniveau. Kosten und Steuern bleiben der Übersicht halber unberücksichtigt.

Sparplan mit 100 Euro monatlich (Beispielwerte)
MonatKurs je AnteilEinzahlungGekaufte AnteileAnteile gesamt
150,00 Euro100 Euro2,02,0
240,00 Euro100 Euro2,54,5
325,00 Euro100 Euro4,08,5
440,00 Euro100 Euro2,511,0
550,00 Euro100 Euro2,013,0
650,00 Euro100 Euro2,015,0
SummeKursdurchschnitt 42,50 Euro600 Euro15,015,0
Auswertung

Eingezahlt wurden 600 Euro für insgesamt 15 Anteile.

Durchschnittlicher Kaufpreis: 600 Euro geteilt durch 15 Anteile ergibt 40,00 Euro je Anteil.

Durchschnitt der sechs Kurse: (50 + 40 + 25 + 40 + 50 + 50) geteilt durch 6 ergibt 42,50 Euro.

Depotwert nach Monat 6: 15 Anteile mal 50 Euro ergibt 750 Euro, also 150 Euro oder 25 Prozent Gewinn.

Zum Vergleich: Wer jeden Monat genau 2 Anteile kauft, zahlt 510 Euro für 12 Anteile, im Schnitt 42,50 Euro. Bei 50 Euro Endkurs sind das 600 Euro Depotwert, also 90 Euro oder rund 17,6 Prozent Gewinn.

Obwohl der Kurs am Ende genau dort steht, wo er angefangen hat, liegt der Sparplan im Plus. Der Kurseinbruch in der Mitte hat als Einkaufsgelegenheit gewirkt, ohne dass der Anleger irgendetwas aktiv entscheiden musste.

Warum der Effekt mathematisch immer auftritt

Der durchschnittliche Kaufpreis beim Sparplan entspricht dem sogenannten harmonischen Mittel der Kurse. Das harmonische Mittel ist bei schwankenden Werten immer kleiner als das gewohnte arithmetische Mittel und nur bei völlig gleichen Kursen gleich groß. Insofern ist der Effekt kein Versprechen, sondern eine mathematische Eigenschaft.

Je stärker die Kurse schwanken, desto größer wird der Abstand zwischen beiden Durchschnitten. In ruhigen Phasen ist der Vorteil kaum messbar, in turbulenten Jahren deutlich. Entscheidend ist aber, womit man vergleicht: Der Sparplan schlägt den regelmäßigen Kauf fester Stückzahlen. Ob er auch eine Einmalanlage schlägt, ist eine ganz andere Frage.

Die Grenzen des Cost-Average-Effekts

Was der Effekt tatsächlich bringt, wird in Werbung und Foren oft übertrieben dargestellt. Vier Grenzen sollte man kennen, bevor man einen Sparplan allein wegen dieses Effekts wählt.

Gegen die Einmalanlage verliert er meist

Steigen die Kurse im Anlagezeitraum überwiegend, ist es besser, das Geld sofort komplett anzulegen. Beim Sparplan liegt ein Teil des Geldes zunächst ungenutzt auf dem Konto und kauft später zu höheren Kursen. Da Aktienmärkte langfristig häufiger steigen als fallen, hat die Einmalanlage historisch in den meisten Zeiträumen besser abgeschnitten, sofern das Geld von Anfang an vorhanden war.

Steigender Markt: Sparplan gegen Einmalanlage

Angenommen, 400 Euro stehen sofort zur Verfügung. Der Kurs steigt in vier Monaten von 20 auf 25, 40 und 50 Euro.

Sparplan mit 100 Euro je Monat: 5 + 4 + 2,5 + 2 ergibt 13,5 Anteile, im Schnitt rund 29,63 Euro je Anteil.

Einmalanlage im ersten Monat: 400 Euro geteilt durch 20 Euro ergibt 20 Anteile.

Depotwert bei 50 Euro: Sparplan 675 Euro, Einmalanlage 1.000 Euro.

Ergebnis: Der Cost-Average-Effekt ist auch hier vorhanden (29,63 Euro liegen unter dem Kursdurchschnitt von 33,75 Euro), gleicht den verpassten Anstieg aber bei Weitem nicht aus.

Er schützt nicht vor Verlusten

Fällt ein Kurs dauerhaft und erholt sich nicht, kauft der Sparplan immer mehr Anteile von etwas, das immer weniger wert ist. Der niedrigere Durchschnittspreis ändert nichts daran, dass am Ende ein Verlust steht. Für das Ergebnis zählt der Kurs beim Verkauf, nicht der Durchschnittspreis beim Kauf. Bei breit gestreuten Fonds ist ein dauerhafter Absturz unwahrscheinlicher als bei einer einzelnen Aktie, weshalb der Effekt dort besser aufgehoben ist.

Ein Beispiel mit fallenden Kursen macht das greifbar. Angenommen, der Kurs sinkt in vier Monaten von 50 über 40 und 30 auf 25 Euro, und es fließen jeweils 100 Euro hinein. Der Sparplan sammelt rund 11,83 Anteile zu durchschnittlich 33,80 Euro. Bei 25 Euro sind sie noch 295,83 Euro wert, ein Minus von gut 26 Prozent. Eine Einmalanlage von 400 Euro zum Kurs von 50 Euro hätte zwar 50 Prozent verloren, doch auch der Sparplan steht klar im Verlust.

Kosten fressen den Vorteil

Jeder Kauf kann Gebühren auslösen. Ein fester Betrag pro Ausführung wirkt bei kleinen Sparraten prozentual stark: 1,50 Euro auf eine Rate von 25 Euro sind 6 Prozent. Bei solchen Kosten ist der rechnerische Vorteil schnell aufgezehrt. Viele Anbieter führen Sparpläne inzwischen zu niedrigen Prozentsätzen oder ohne Ausführungsgebühr aus, ein Blick ins Preisverzeichnis des eigenen Wertpapierdepots lohnt sich trotzdem.

Er wird mit der Zeit schwächer

Nach einigen Jahren ist bereits ein großes Vermögen investiert, während die monatliche Rate gleich bleibt. Eine neue Rate von 100 Euro beeinflusst den Durchschnittspreis eines Bestands von 30.000 Euro kaum noch. Der Effekt ist also vor allem in den ersten Jahren eines Sparplans spürbar.

Warum regelmäßiges Investieren trotzdem sinnvoll sein kann

Für die meisten Menschen stellt sich die Frage Einmalanlage oder Sparplan gar nicht. Sie haben kein großes Kapital, sondern einen monatlichen Überschuss aus ihrem Gehalt. Dann ist das regelmäßige Investieren schlicht der natürliche Weg, Vermögen aufzubauen, und der Cost-Average-Effekt ist ein angenehmer Nebeneffekt.

Bei größeren Summen, etwa aus einer Erbschaft, spielt die Psychologie mit. Wer alles auf einmal anlegt und kurz danach einen Kurssturz erlebt, verkauft womöglich in Panik. Eine Aufteilung auf mehrere Monate senkt das Risiko eines besonders schlechten Einstiegszeitpunkts, kostet aber im Durchschnitt etwas Rendite. Das ist eine bewusste Abwägung, keine mathematische Überlegenheit.

Gut zu wissen: Die eigentliche Stärke eines Sparplans liegt in der Disziplin: Er läuft automatisch weiter, auch wenn die Nachrichtenlage schlecht ist. Gerade in solchen Phasen werden günstige Anteile gekauft. Wer den Sparplan in Krisen aussetzt, verschenkt genau den Teil, der den Effekt ausmacht.

Was über das Ergebnis eines Sparplans stärker entscheidet

Über die langfristige Rendite eines Sparplans entscheiden andere Faktoren stärker als der Durchschnittskosteneffekt: die laufenden Kosten des Fonds, die Streuung und vor allem die Dauer. Über Jahrzehnte sorgt der Zinseszins für den größten Teil des Vermögenszuwachses.

  • Ein breit gestreuter Fonds verringert das Risiko, dass ein einzelner Wert dauerhaft abstürzt. Mehr dazu im Beitrag zur Diversifikation.
  • Niedrige Kosten je Ausführung und niedrige laufende Fondskosten sind wichtiger als der optimale Kaufzeitpunkt.
  • Die Sparrate sollte so gewählt sein, dass sie auch in finanziell engen Monaten weiterlaufen kann. Ein Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto verhindert, dass Anteile im falschen Moment verkauft werden müssen.
  • Ob monatlich oder vierteljährlich gekauft wird, macht für den Effekt wenig Unterschied. Bei festen Gebühren je Ausführung kann ein selteneres Intervall günstiger sein.

Häufige Fragen

Ja, rechnerisch tritt er bei jedem Sparplan mit festem Betrag und schwankenden Kursen auf. Der durchschnittliche Kaufpreis liegt dann unter dem Durchschnitt der Kurse. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass man mehr verdient als mit einer Einmalanlage.

Ist das Geld bereits vollständig vorhanden, liegt die Einmalanlage in steigenden Märkten meist vorn, weil das Kapital länger investiert ist. Der Sparplan senkt dafür das Risiko, ausgerechnet vor einem Kurssturz alles anzulegen. Wer nur monatlich etwas übrig hat, für den ist der Sparplan ohnehin die naheliegende Form.

Rechnerisch ja. Das Risiko ist aber höher, weil eine einzelne Aktie dauerhaft fallen oder ganz wertlos werden kann. Dann sorgt der Effekt nur dafür, dass man immer mehr Anteile eines schwachen Unternehmens günstig einsammelt.

Das hängt davon ab, wie stark die Kurse schwanken. In ruhigen Märkten ist er minimal, bei starken Ausschlägen kann er mehrere Prozentpunkte ausmachen. Eine feste Größe lässt sich nicht nennen.

Quellen und weiterführende Informationen

Gesetzestexte und Angaben der genannten Stellen in der jeweils aktuellen Fassung. Beispielrechnungen dienen der Veranschaulichung.