Was ist Einkaufsfinanzierung?

Bei der Einkaufsfinanzierung bezahlt ein Finanzierer die Rechnung eines Lieferanten sofort, und das einkaufende Unternehmen zahlt den Betrag später an den Finanzierer zurück. Für den Lieferanten ist die Rechnung damit beglichen, oft unter Abzug von Skonto. Der Käufer erhält ein neues, längeres Zahlungsziel, das je nach Vertrag häufig zwischen 30 und 120 Tagen liegt.

Finanziert wird also gezielt der Wareneinkauf, nicht das Unternehmen allgemein. Das unterscheidet die Einkaufsfinanzierung von einem frei verwendbaren Betriebsmittelkredit. Anbieter sind spezialisierte Finanzierer, Factoringgesellschaften und einzelne Banken. Gebräuchlich ist auch der Begriff Wareneinkaufsfinanzierung.

Gedacht ist das Modell vor allem für Händler und produzierende Betriebe, die Ware vorfinanzieren müssen, bevor sie sie weiterverkaufen. Zwischen Wareneingang und Zahlungseingang beim eigenen Kunden vergehen oft Wochen oder Monate. In dieser Zeit ist Geld im Lager und in offenen Rechnungen gebunden, was das Working Capital belastet.

Rechnet sich das? Skonto gegen Finanzierungskosten

Die wichtigste Frage ist fast immer, ob der Skontovorteil die Gebühr des Finanzierers übersteigt. Wer Skonto verfallen lässt, nimmt faktisch einen sehr teuren Kredit beim Lieferanten in Anspruch. Bei 2 Prozent Skonto innerhalb von 10 Tagen und 30 Tagen Zahlungsziel entspricht der Verzicht einem Jahreszins von rund 37 Prozent: 2 ÷ 98 × 360 ÷ 20 = 36,7 Prozent. Mehr zu dieser Rechenlogik steht im Beitrag zum Skonto.

Rechenbeispiel mit angenommenen Werten

Angenommen, ein Händler kauft Ware für 50.000 Euro netto. Der Lieferant gewährt 2 Prozent Skonto bei Zahlung binnen 10 Tagen, sonst ist der volle Betrag nach 30 Tagen fällig.

Variante A ohne Finanzierung: Der Händler zahlt am Tag 30 den vollen Betrag von 50.000 Euro.

Variante B mit Einkaufsfinanzierung: Der Finanzierer zahlt am Tag 10 den Betrag abzüglich Skonto, also 49.000 Euro. Der Händler zahlt nach weiteren 60 Tagen, am Tag 70, an den Finanzierer zurück.

Gebühr des Finanzierers bei angenommen 0,5 Prozent je 30 Tage: 49.000 × 0,005 × 2 = 490 Euro.

Gesamtaufwand in Variante B: 49.000 + 490 = 49.490 Euro.

Ergebnis: Variante B ist 510 Euro günstiger, und der Händler hat 40 Tage länger Zeit zum Zahlen als in Variante A.

Das Ergebnis kippt schnell, wenn die Gebühren höher sind oder das Skonto kleiner ausfällt. Bei 1 Prozent Skonto spart der Händler 500 Euro, die Gebühr läge bei gleichem Satz bei rund 495 Euro. Dann bleibt fast nichts übrig, und es zählt nur noch der Zeitgewinn durch das längere Zahlungsziel.

Gut zu wissen: Skonto mindert das Entgelt. Die Vorsteuer aus der Eingangsrechnung ist deshalb anteilig zu kürzen (§ 17 UStG). Das gilt unabhängig davon, ob der Käufer selbst oder ein Finanzierer die Rechnung bezahlt.

Ablauf Schritt für Schritt

Im Detail unterscheiden sich die Modelle, der Ablauf folgt aber meist demselben Muster.

  1. Das Unternehmen schließt mit dem Finanzierer einen Rahmenvertrag mit einem Einkaufslimit, also einer Obergrenze für gleichzeitig offene Finanzierungen.
  2. Es bestellt wie gewohnt beim Lieferanten. In manchen Modellen tritt formal der Finanzierer als Käufer auf, damit er Eigentum an der Ware erwirbt.
  3. Nach der Lieferung reicht das Unternehmen die Rechnung beim Finanzierer ein, meist digital.
  4. Der Finanzierer zahlt den Lieferanten innerhalb der Skontofrist.
  5. Am Ende des vereinbarten Zahlungsziels zieht der Finanzierer Betrag und Gebühr beim Unternehmen ein. Wer früher zurückzahlt, senkt bei laufzeitabhängigen Gebühren die Kosten.

Der Lieferant bemerkt von der Finanzierung oft wenig. Er erhält sein Geld schnell und muss keine eigene Vereinbarung unterschreiben. Das ist ein Unterschied zum Reverse Factoring, bei dem der Lieferant aktiv in ein Programm des Käufers eingebunden ist.

Welche Kosten anfallen

Die Preismodelle sind unterschiedlich aufgebaut. Ein fairer Vergleich gelingt nur, wenn alle Bestandteile auf denselben Zeitraum umgerechnet werden.

  • Laufzeitabhängige Gebühr oder Zins: ein Prozentsatz je 30 Tage oder ein Jahreszins auf den finanzierten Betrag.
  • Gebühr je Rechnung: manche Anbieter berechnen pro finanziertem Beleg eine feste Pauschale, was kleine Rechnungen verteuert.
  • Rahmen- oder Bereitstellungsgebühr: für das eingeräumte Limit, auch wenn es nicht voll genutzt wird.
  • Einrichtung und Bonitätsprüfung: einmalig bei Vertragsschluss.

Hilfreich ist die Umrechnung in einen Jahreszins. 0,5 Prozent je 30 Tage entsprechen grob 6 Prozent im Jahr, 1 Prozent je 30 Tage grob 12 Prozent. So wird sichtbar, ob die Einkaufsfinanzierung teurer ist als ein Kontokorrentkredit bei der Hausbank. Die Idee ähnelt dem effektiven Jahreszins bei Privatkrediten, auch wenn dessen Angabe gesetzlich nur für Verbraucherkredite vorgeschrieben ist.

Bei laufzeitabhängigen Gebühren zählt jeder Tag, an dem die Finanzierung offen ist. Wer Ware nach 25 Tagen verkauft und das Geld nach weiteren 30 Tagen vom eigenen Kunden erhält, braucht die Finanzierung nur rund 55 Tage. Schöpft er trotzdem das volle Zahlungsziel aus, zahlt er für eine Zeit, in der das Geld längst auf dem Konto liegt. Viele Verträge erlauben deshalb eine taggenaue Rückzahlung. Bei einer festen Gebühr je Rechnung ist es umgekehrt: Dort ist die volle Laufzeit schon bezahlt, und eine frühe Rückzahlung spart nichts.

Abgrenzung zu ähnlichen Instrumenten

Lieferantenkredit

Das Zahlungsziel des Lieferanten selbst ist die einfachste Form, Einkäufe zu finanzieren. Es kostet keine Gebühr, wohl aber das entgangene Skonto. Lange Ziele gewähren Lieferanten nur Kunden, denen sie vertrauen, und nur, wenn sie selbst genug Liquidität haben.

Kontokorrentkredit

Mit der Kreditlinie auf dem Geschäftskonto lässt sich ebenfalls Skonto ziehen. Sie ist flexibler, weil sie nicht an einzelne Rechnungen gebunden ist. Allerdings ist die Linie oft schon durch andere Ausgaben belegt, und eine Erhöhung setzt in der Regel zusätzliche Sicherheiten voraus.

Reverse Factoring

Hier geht die Initiative vom Käufer aus: Er bietet seinen Lieferanten über einen Finanzierer eine frühe Zahlung an. Wirtschaftlich ist das Ergebnis ähnlich, organisatorisch ist der Lieferant aber stärker beteiligt, und das Modell lohnt sich vor allem für große Abnehmer mit vielen Lieferanten.

Factoring

Factoring setzt auf der anderen Seite an. Es finanziert die Forderungen gegen eigene Kunden, nicht die Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten. Beide Instrumente lassen sich kombinieren, um die gesamte Zeit vom Einkauf bis zum Zahlungseingang zu überbrücken.

Voraussetzungen und Risiken

Finanzierer prüfen vor allem die Bonität des einkaufenden Unternehmens, seine Jahresabschlüsse und die bisherige Zahlungsmoral. Neugründungen und Unternehmen mit Verlusten erhalten oft nur kleine Limits oder gar keine. Als Sicherheit dient häufig die finanzierte Ware selbst, etwa über einen Eigentumsvorbehalt zugunsten des Finanzierers oder eine Sicherungsübereignung.

  • Das Limit begrenzt den Einkauf. Wird es gekürzt, fehlt plötzlich Spielraum für saisonale Spitzen.
  • Laufzeitgebühren machen langsamen Lagerumschlag teuer. Ware, die monatelang liegt, frisst den Skontovorteil auf.
  • Gerät das Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten, greift der Finanzierer über sein Sicherungsrecht zuerst auf die Ware zu.
  • Leicht verfügbares Geld verleitet zu Mehreinkäufen, die nicht durch Nachfrage gedeckt sind.

Am besten passt die Einkaufsfinanzierung dort, wo hohe Skontosätze, ein schneller Warenumschlag und knappe Bankenlinien zusammentreffen. Fehlt einer dieser Punkte, ist der Vorteil gegenüber einem gewöhnlichen Kredit oft gering.

Häufige Fragen

Meist fällt eine Gebühr je 30 Tage Laufzeit an, dazu je nach Anbieter Pauschalen pro Rechnung oder für den Rahmen. Auf ein Jahr umgerechnet liegen die Kosten oft über einem gut besicherten Bankkredit, aber deutlich unter dem Jahreszins eines verschenkten Skontos. Entscheidend ist der Vergleich im Einzelfall.

Nein. Bei der Einkaufsfinanzierung beantragt der Käufer die Finanzierung für sich selbst, der Lieferant wird einfach bezahlt. Beim Reverse Factoring richtet ein meist großer Käufer ein Programm ein, über das seine Lieferanten ihre Forderungen früh verkaufen können.

Vor allem für Händler, Onlinehändler und Produktionsbetriebe mit regelmäßigem Wareneinkauf und Lieferanten, die Skonto anbieten. Wichtig ist ein zügiger Weiterverkauf, damit die Ware innerhalb des Zahlungsziels wieder zu Geld wird. Für Dienstleister ohne Wareneinkauf ist das Modell kaum geeignet.

Die Zahlung des Finanzierers gleicht die Verbindlichkeit beim Lieferanten aus, an ihre Stelle tritt eine Verbindlichkeit gegenüber dem Finanzierer. Das Skonto mindert die Anschaffungskosten der Ware. Die Gebühr des Finanzierers ist Finanzierungsaufwand.

Quellen und weiterführende Informationen

Gesetzestexte und Angaben der genannten Stellen in der jeweils aktuellen Fassung. Beispielrechnungen dienen der Veranschaulichung.