Effektiver Jahreszins und Sollzins: der Unterschied
Der Sollzins ist der reine Zinssatz, den die Bank auf die jeweils offene Restschuld berechnet. Früher hieß er Nominalzins. Er sagt nichts darüber, wie oft Zinsen verrechnet werden und welche einmaligen Kosten noch dazukommen.
Einfach erklärt: Der Sollzins ist der Preis auf dem Schild, der effektive Jahreszins ist der Preis an der Kasse. Er beantwortet die Frage, wie viel Prozent pro Jahr der Kredit unter dem Strich kostet, wenn man alle Pflichtzahlungen zusammennimmt und auf die tatsächliche Nutzungsdauer des Geldes verteilt. Liegen beide Werte weit auseinander, steckt im Angebot meist eine Gebühr oder ein Abschlag.
Der effektive Jahreszins rechnet diese Faktoren ein. Er berücksichtigt neben dem Sollzins die Zahlungstermine, die Art der Tilgung und alle Kosten, die der Kreditnehmer zahlen muss, um den Kredit überhaupt zu bekommen. Das Ergebnis ist eine Kennzahl, mit der sich Angebote unterschiedlicher Bauart auf einen Nenner bringen lassen. Wer zwei Kredite mit gleichem Betrag und gleicher Laufzeit vergleicht, schaut deshalb zuerst auf den Effektivzins.
Banken müssen den effektiven Jahreszins bei Verbraucherkrediten angeben. Die Pflicht und die Berechnungsweise ergeben sich aus der Preisangabenverordnung und den Informationspflichten im BGB, die auf einer EU-weit einheitlichen Formel beruhen. Damit ist der Wert bei allen Anbietern nach denselben Regeln ermittelt, zumindest was die eingerechneten Kostenarten angeht.
Was eingerechnet wird und was nicht
Grundregel: Alles, was der Kreditnehmer zwingend zahlen muss, damit er den Kredit zu diesen Bedingungen erhält, gehört in den effektiven Jahreszins. Kosten, die freiwillig sind oder erst durch eigenes Verhalten entstehen, gehören nicht hinein.
| Eingerechnet | Nicht eingerechnet |
|---|---|
| Sollzinsen über die Laufzeit | Notarkosten |
| Vermittlungsentgelte, die der Kunde zahlt | Freiwillige Versicherungen, etwa eine freiwillige Restschuldversicherung |
| Disagio (Abschlag bei der Auszahlung) | Verzugszinsen und Mahngebühren |
| Versicherungen, die Bedingung für den Kredit sind | Kosten für ein Konto, das nicht Pflicht ist |
| Kontoführungskosten eines vorgeschriebenen Kontos (unter bestimmten Bedingungen) | Bereitstellungszinsen bei Baukrediten (in der Regel) |
Wichtig zu wissen: Die freiwillige Restschuldversicherung ist der häufigste Grund, warum der tatsächliche Preis eines Kredits über dem ausgewiesenen Effektivzins liegt. Wird sie mitfinanziert, steigt die Monatsrate, ohne dass sich die Kennzahl ändert. Für einen ehrlichen Vergleich gehört sie dazugerechnet.
Rechenbeispiel: niedriger Zins, teurer Kredit
Wie stark einmalige Kosten wirken, zeigt ein Vergleich zweier ausgedachter Angebote für einen Ratenkredit mit gleichem Auszahlungsbetrag und gleicher Laufzeit.
Angebot A: Sollzins 4,9 Prozent, keine weiteren Kosten.
Monatsrate 299,26 Euro, Zinskosten gesamt 773,37 Euro, effektiver Jahreszins rund 5,01 Prozent.
Angebot B: Sollzins 4,5 Prozent, dazu eine einmalige Gebühr von 300 Euro, die mitfinanziert wird. Der Kredit läuft also über 10.300 Euro, ausgezahlt werden 10.000 Euro.
Monatsrate 306,39 Euro, Kosten gesamt 1.030,16 Euro, effektiver Jahreszins rund 6,67 Prozent.
Ergebnis: Angebot B wirbt mit dem niedrigeren Sollzins, kostet aber rund 257 Euro mehr. Der effektive Jahreszins zeigt das sofort.
Der Effekt einer Einmalgebühr ist umso größer, je kürzer die Laufzeit ist. Bei einem Kredit über sechs Monate würden dieselben 300 Euro den Effektivzins noch weit stärker nach oben treiben, weil sich die Kosten auf weniger Zeit verteilen. Umgekehrt fällt dieselbe Gebühr bei einem Baukredit über 20 Jahre kaum ins Gewicht. Deshalb sagt die Höhe einer Gebühr allein wenig aus: Erst ihr Verhältnis zu Betrag und Laufzeit bestimmt, wie stark sie den Kredit verteuert.
Warum der Effektivzins auch ohne Gebühren höher ist
Selbst ohne jede Zusatzgebühr liegt der effektive Jahreszins fast immer etwas über dem Sollzins. Der Grund ist die monatliche Zahlungsweise. Die Bank rechnet bei einem Sollzins von 5 Prozent pro Monat ein Zwölftel davon ab. Weil die Zinsen jeden Monat fällig werden, statt erst am Jahresende, entsteht ein ähnlicher Effekt wie beim Zinseszins.
Monatlicher Zinssatz: 5 Prozent geteilt durch 12 = rund 0,4167 Prozent.
Hochgerechnet auf ein Jahr mit monatlicher Verrechnung: (1 + 0,004167) hoch 12, minus 1.
Ergebnis: rund 5,12 Prozent effektiver Jahreszins.
Die Differenz wächst mit der Höhe des Zinses. Bei einem Sollzins von 12 Prozent liegt der Effektivzins bei monatlicher Verrechnung schon bei rund 12,68 Prozent. Wer verstehen will, wie Zinsen grundsätzlich berechnet werden, findet die Grundlagen im Beitrag wie Zinsen funktionieren.
Das Zwei-Drittel-Beispiel in der Kreditwerbung
Viele Kredite werden mit Formulierungen wie "ab 3,99 Prozent effektiv" beworben. Den niedrigsten Wert erhalten aber nur Kunden mit sehr guter Bonität, oft auch nur bei bestimmten Laufzeiten. Damit diese Werbung nicht in die Irre führt, schreibt die Preisangabenverordnung ein repräsentatives Beispiel vor.
Wer mit Zinssätzen oder Kostenzahlen für einen Verbraucherkredit wirbt, muss Sollzins, effektiven Jahreszins, Nettodarlehensbetrag und weitere Eckdaten an einem Beispiel nennen. Dieses Beispiel muss so gewählt sein, dass der Anbieter davon ausgehen darf, mindestens zwei Drittel der aufgrund der Werbung geschlossenen Verträge zu diesen oder günstigeren Bedingungen abzuschließen. Umgekehrt heißt das: Bis zu ein Drittel der Kunden zahlt mehr.
Gut zu wissen: Das repräsentative Beispiel steht meist klein unter der Werbung oder hinter einem Sternchen. Für eine erste Einschätzung ist es aussagekräftiger als der beworbene Ab-Zins. Verbindlich ist aber erst der persönliche Effektivzins im konkreten Angebot.
Besonderheiten bei Baukrediten
Bei der Baufinanzierung gilt der effektive Jahreszins ebenso, er ist aber mit mehr Vorsicht zu lesen.
Zinsbindung kürzer als die Laufzeit
Ein Annuitätendarlehen für eine Immobilie läuft oft 25 Jahre oder länger, der Zins ist aber nur für 10 oder 15 Jahre fest. Für die Zeit danach unterstellt die Berechnung, dass der Sollzins gleich bleibt. Das ist eine Rechenannahme, keine Prognose. Wie teuer die Anschlussfinanzierung wird, weiß niemand.
Disagio und Bereitstellungszinsen
Ein Disagio senkt den Sollzins, weil ein Teil der Zinsen vorab vom Auszahlungsbetrag abgezogen wird. Im Effektivzins taucht dieser Abschlag auf, im Sollzins nicht. Bereitstellungszinsen fallen an, wenn ein Baudarlehen erst später abgerufen wird. Sie hängen vom Baufortschritt ab und stecken deshalb meist nicht in der Kennzahl.
Wo die Kennzahl an Grenzen stößt
- Der effektive Jahreszins vergleicht nur fair, wenn Kreditbetrag und Laufzeit gleich sind. Eine längere Laufzeit kann trotz niedrigerem Effektivzins mehr Zinsen in Euro kosten.
- Flexibilität ist nicht eingepreist. Kostenlose Sondertilgungen oder Ratenpausen haben einen Wert, der in der Zahl nicht vorkommt.
- Beim Dispokredit ist der Zins variabel. Der angegebene Wert gilt nur, bis die Bank ihn ändert.
- Freiwillige Zusatzprodukte bleiben außen vor, auch wenn sie im Paket verkauft werden.
Für einen vollständigen Vergleich lohnt deshalb ein zweiter Blick auf den Gesamtbetrag, der im Vertrag in Euro ausgewiesen wird. Er zeigt, was am Ende tatsächlich zurückgezahlt wird.
Häufige Fragen
Bei monatlicher Zahlung praktisch immer, weil die Zinsen unterjährig verrechnet werden. Gleich hoch sind beide nur, wenn Zinsen einmal jährlich gezahlt werden und keine weiteren Kosten anfallen.
Der effektive Jahreszins, weil er Zahlungsweise und Pflichtkosten enthält. Der Sollzins eignet sich, um die Zinsberechnung im Vertrag nachzuvollziehen, nicht für den Vergleich verschiedener Angebote.
Der Zins wird erst nach der Prüfung der Kreditwürdigkeit festgelegt. Wer ein höheres Ausfallrisiko hat, bekommt einen höheren Zins als in der Werbung genannt. Das repräsentative Beispiel zeigt, was mindestens zwei Drittel der Kunden erhalten.
Für einfache Fälle ohne Gebühren genügt die Formel (1 + Sollzins/12) hoch 12 minus 1. Sobald Gebühren oder ein Disagio im Spiel sind, ist eine iterative Berechnung nötig, die man besser einem Kreditrechner oder einer Tabellenkalkulation überlässt.
Quellen und weiterführende Informationen
Gesetzestexte und Angaben der genannten Stellen in der jeweils aktuellen Fassung. Beispielrechnungen dienen der Veranschaulichung.