Was ist ein Wechselkurs?
Der Wechselkurs ist der Preis einer Währung, ausgedrückt in einer anderen Währung. Steht der Kurs zwischen Euro und US-Dollar bei 1,10, bekommt man für einen Euro 1,10 Dollar. Umgekehrt kostet ein Dollar dann rund 0,91 Euro. Beide Angaben beschreiben dasselbe Verhältnis, nur aus unterschiedlicher Richtung.
Bei den großen Währungen ändern sich Wechselkurse ständig, oft im Sekundentakt. Gehandelt wird am Devisenmarkt, einem weltweiten Netz aus Banken, Unternehmen, Fonds und Zentralbanken, das werktags rund um die Uhr aktiv ist. Einfach erklärt ist der Devisenmarkt ein riesiger Marktplatz, auf dem Währungen gegen Währungen getauscht werden und der Preis aus Angebot und Nachfrage entsteht.
Privatkunden bekommen allerdings nie den reinen Marktkurs. Banken und Wechselstuben rechnen mit zwei Kursen, einem für den Ankauf und einem für den Verkauf von Fremdwährung. Die Spanne dazwischen, der Spread, ist ihr Verdienst. Wer Geld hin- und zurücktauscht, verliert diese Spanne zweimal.
Mengennotierung und Preisnotierung
Ein Wechselkurs lässt sich auf zwei Arten angeben. Bei der Mengennotierung steht die eigene Währung fest bei einer Einheit, und angegeben wird, wie viel Fremdwährung man dafür erhält: 1 Euro = 1,10 US-Dollar. Bei der Preisnotierung ist es umgekehrt: 1 US-Dollar = 0,9091 Euro. Hier wird also der Preis der Fremdwährung in heimischer Währung genannt.
Im Euroraum ist seit Einführung des Euro 1999 die Mengennotierung üblich, auch die Referenzkurse der Europäischen Zentralbank werden so veröffentlicht. Zu D-Mark-Zeiten war in Deutschland die Preisnotierung gebräuchlich, also die Angabe, wie viele Mark ein Dollar kostet. Wer ältere Statistiken oder ausländische Quellen liest, sollte deshalb prüfen, welche Notierung verwendet wird.
| Währung | Mengennotierung (1 Euro = ...) | Preisnotierung (1 Einheit = ... Euro) |
|---|---|---|
| US-Dollar | 1,10 USD | 0,9091 EUR |
| Britisches Pfund | 0,85 GBP | 1,1765 EUR |
| Schweizer Franken | 0,95 CHF | 1,0526 EUR |
| Japanischer Yen | 160 JPY | 0,00625 EUR |
Gut zu wissen: Steigt der Kurs in Mengennotierung, hat der Euro an Wert gewonnen (Aufwertung). Fällt er, hat der Euro an Wert verloren (Abwertung). Bei der Preisnotierung gilt die umgekehrte Logik.
Wie Wechselkurse entstehen
Flexible und feste Wechselkurse
Die meisten großen Währungen, darunter Euro, Dollar, Pfund und Yen, haben flexible Wechselkurse. Ihr Preis bildet sich frei am Markt. Daneben gibt es feste oder gebundene Kurse: Ein Staat koppelt seine Währung an eine andere und verteidigt diesen Kurs, indem seine Notenbank Devisen kauft oder verkauft. Die dänische Krone etwa ist im Rahmen des Wechselkursmechanismus WKM II eng an den Euro gebunden.
Feste Kurse geben Unternehmen Planungssicherheit, binden aber die Hände der Notenbank. Muss sie einen Kurs verteidigen, kann sie ihren Leitzins nicht frei an die heimische Wirtschaftslage anpassen. Das System von Bretton Woods, das nach dem Zweiten Weltkrieg feste Kurse zum Dollar vorsah, zerbrach Anfang der 1970er-Jahre an genau solchen Spannungen.
Was den Kurs bewegt
Die wichtigsten Einflüsse auf einen flexiblen Wechselkurs lassen sich in wenigen Punkten zusammenfassen:
- Zinsunterschiede: Bietet ein Währungsraum höhere Zinsen, fließt Kapital dorthin. Die Nachfrage nach der Währung steigt, sie wertet tendenziell auf.
- Inflation: Verliert eine Währung durch hohe Inflation schneller an Wert als andere, sinkt auf Dauer auch ihr Außenwert.
- Handel: Ein Land mit hohen Exportüberschüssen nimmt viel Fremdwährung ein, die in heimische Währung getauscht wird. Das stützt den Kurs.
- Wachstum und Erwartungen: Gute Aussichten ziehen Investoren an. Schon die Erwartung einer Zinsänderung kann Kurse bewegen, bevor sie eintritt.
- Unsicherheit: In Krisen suchen Anleger sichere Häfen. Davon profitieren oft der US-Dollar und der Schweizer Franken.
Kurzfristig dominieren Nachrichten, Erwartungen und Kapitalströme. Langfristig nähern sich Wechselkurse oft dem an, was die Kaufkraft der beiden Währungen nahelegt, allerdings mit großen und teils jahrelangen Abweichungen. Verlässliche Prognosen für einzelne Wochen oder Monate gibt es nicht.
Was der Kurs im Urlaub bedeutet
Für Reisende außerhalb der Eurozone ist der Wechselkurs direkt im Geldbeutel spürbar. Ein starker Euro macht Hotel, Restaurant und Mietwagen im Ausland günstiger, ein schwacher Euro teurer. Die folgenden Beispiele zeigen, wie stark schon moderate Kursbewegungen wirken.
Angenommen, eine Woche Hotel kostet 1.400 US-Dollar.
Bei einem Kurs von 1 Euro = 1,15 Dollar: 1.400 ÷ 1,15 = 1.217,39 Euro.
Bei einem Kurs von 1 Euro = 1,05 Dollar: 1.400 ÷ 1,05 = 1.333,33 Euro.
Ergebnis: Allein durch die Kursänderung wird dasselbe Hotel um 115,94 Euro teurer, obwohl sich der Dollarpreis nicht verändert hat.
Noch deutlicher wird der Effekt bei Währungen, die stark schwanken. Das Ägyptische Pfund etwa hat in den vergangenen Jahren mehrfach kräftig an Wert verloren. Für Urlauber in Ägypten wurden Ausgaben, die vor Ort in Pfund bezahlt werden, in Euro gerechnet dadurch günstiger. Pauschalreisen und viele Hotels sind dort allerdings in Euro oder US-Dollar ausgepreist, dann spielt der Pfundkurs für Reisende kaum eine Rolle.
Worauf es beim Bezahlen ankommt
Oft fallen die Kosten des Umtauschs stärker ins Gewicht als kleine Kursschwankungen. Welche Entgelte die eigene Bank für Zahlungen und Abhebungen in Fremdwährung verlangt, steht im Preis- und Leistungsverzeichnis des Kontos.
- Bargeld aus der Wechselstube am Flughafen ist meist teuer, weil Spread und Gebühren hoch sind.
- Bei Kartenzahlung in Fremdwährung rechnen Kartenanbieter mit einem Kurs nahe am Marktkurs, verlangen aber häufig ein Auslandseinsatzentgelt, typischerweise ein bis zwei Prozent des Betrags.
- Für Abhebungen am Automaten können Gebühren der eigenen Bank und zusätzlich des Automatenbetreibers anfallen.
Vorsicht bei der Umrechnung vor Ort: Kartenterminals und Geldautomaten im Ausland bieten oft an, den Betrag sofort in Euro abzurechnen (Dynamic Currency Conversion). Der dabei verwendete Kurs ist häufig deutlich schlechter als der des eigenen Kartenanbieters. Wer die Abrechnung in Landeswährung wählt, fährt in der Regel günstiger.
Folgen für Import und Export
Für Unternehmen ist der Wechselkurs ein Kostenfaktor. Ein Händler, der Waren in Dollar einkauft und in Euro verkauft, verdient bei einem starken Euro mehr, weil der Einkauf billiger wird. Fällt der Euro, steigen seine Einkaufskosten, ohne dass er die Verkaufspreise sofort anheben kann.
Exporteure erleben das Gegenteil. Ein schwacher Euro macht ihre Produkte im Ausland günstiger und damit wettbewerbsfähiger, ein starker Euro kann Aufträge kosten. Für ein exportorientiertes Land wie Deutschland hat der Außenwert des Euro daher spürbaren Einfluss auf die Konjunktur.
Verbraucher merken das ebenfalls, meist mit Verzögerung. Rohöl wird überwiegend in Dollar gehandelt. Wertet der Euro ab, werden Benzin und Heizöl teurer, selbst wenn der Ölpreis in Dollar gleich bleibt. Über importierte Energie, Rohstoffe und Vorprodukte wirken Wechselkurse so auf die allgemeine Preisentwicklung.
Absicherung im Außenhandel
Viele Unternehmen sichern Währungsrisiken ab, etwa mit Devisentermingeschäften. Dabei wird heute ein Kurs für einen späteren Umtausch festgelegt. Das schützt vor Verlusten, nimmt aber auch die Chance auf Kursgewinne. Solche Instrumente gehören zu den Derivaten. Alternativ vereinbaren Firmen Rechnungen in Euro und verlagern das Risiko damit auf den Geschäftspartner.
Wechselkursrisiko bei der Geldanlage
Wer in Aktien, Anleihen oder Fonds außerhalb des Euroraums investiert, trägt neben dem Kursrisiko des Wertpapiers ein Währungsrisiko. Die Wertentwicklung in Euro hängt von beiden Faktoren ab. Ein gutes Börsenjahr kann durch einen ungünstigen Wechselkurs teilweise oder ganz aufgezehrt werden, umgekehrt kann ein steigender Dollar Gewinne verstärken.
Angenommen, jemand legt 10.000 Euro in US-Aktien an. Kurs beim Kauf: 1 Euro = 1,10 Dollar. Gekauft werden also Aktien für 11.000 Dollar.
Nach einem Jahr sind die Aktien um 5 Prozent gestiegen und 11.550 Dollar wert.
Der Euro hat inzwischen aufgewertet: 1 Euro = 1,20 Dollar.
Rücktausch: 11.550 ÷ 1,20 = 9.625 Euro.
Ergebnis: Trotz Kursgewinn in Dollar steht in Euro ein Verlust von 375 Euro, also minus 3,75 Prozent.
Über lange Zeiträume gleichen sich Währungsschwankungen bei breit gestreuten Anlagen teilweise aus, garantiert ist das nicht. Eine weltweite Streuung über viele Währungsräume verringert das Gewicht einzelner Währungen. Manche ETF bieten währungsgesicherte Anteilsklassen an. Die Absicherung kostet allerdings laufend Geld, vor allem wenn die Zinsen im Ausland deutlich höher sind als im Euroraum.
Wichtig: Bei Anlagen in Euro, etwa Tagesgeld oder Festgeld bei Banken im Euroraum, entsteht kein Wechselkursrisiko. Angebote in Fremdwährung locken teils mit höheren Zinsen, dieser Vorsprung kann aber durch eine Abwertung der Währung schnell verloren gehen.
Wo es verlässliche Kurse gibt
Die Europäische Zentralbank veröffentlicht an jedem Geschäftstag Euro-Referenzkurse für rund 30 Währungen. Sie dienen der Information und als Grundlage für Statistiken und Verträge. Zum Umtausch zu genau diesem Kurs ist allerdings niemand verpflichtet. Die Deutsche Bundesbank stellt zusätzlich lange Zeitreihen bereit, die für Vergleiche über viele Jahre nützlich sind.
Für die eigene Planung genügt meist ein Blick auf den aktuellen Marktkurs plus die Gebühren der Bank. Wer eine größere Summe tauscht, sollte vorher die Gesamtkosten vergleichen. Entscheidend ist, wie viele Euro am Ende abgebucht werden oder wie viel Fremdwährung tatsächlich ankommt, nicht der beworbene Kurs allein.
Häufige Fragen
Ein starker Euro bedeutet, dass man für einen Euro viel Fremdwährung bekommt. Reisen ins Ausland und Importe werden dadurch günstiger. Für Exporteure aus dem Euroraum wird es schwieriger, weil ihre Waren im Ausland teurer erscheinen.
Bei Mengennotierung multipliziert man den Eurobetrag mit dem Kurs: 200 Euro mal 1,10 ergibt 220 Dollar. Für den Rückweg teilt man den Dollarbetrag durch den Kurs. Gebühren und der Aufschlag der Bank kommen noch hinzu.
Bei flexiblen Kursen legt niemand den Kurs fest, er entsteht am Devisenmarkt aus Angebot und Nachfrage. Zentralbanken können eingreifen, tun das bei großen Währungen aber selten. Nur bei festen Wechselkursen verteidigt eine Notenbank gezielt einen bestimmten Wert.
Einen verlässlich besten Zeitpunkt gibt es nicht, weil sich Kursbewegungen nicht vorhersagen lassen. Bei Urlaubsbeträgen wiegen Gebühren und Spreads meist schwerer als der Zeitpunkt. Wer größere Summen braucht, kann den Umtausch auf mehrere Termine verteilen.
Quellen und weiterführende Informationen
Gesetzestexte und Angaben der genannten Stellen in der jeweils aktuellen Fassung. Beispielrechnungen dienen der Veranschaulichung.