Nachrichten über den Aktienmarkt gehören zum Alltag: Kurse steigen, Indizes fallen, die Börse reagiert auf irgendein Ereignis. Doch was steckt eigentlich hinter diesem Markt, von dem ständig die Rede ist? Wer die Grundmechanismen versteht, durchschaut die Schlagzeilen und kann das Geschehen besser einordnen. Wir erklären den Aktienmarkt von Grund auf.
Was der Aktienmarkt ist
Der Aktienmarkt ist im Kern ein Marktplatz, auf dem Aktien gehandelt werden. Eine Aktie ist ein Anteil an einem Unternehmen, und der Aktienmarkt ist der Ort, an dem diese Anteile gekauft und verkauft werden. Wie auf jedem Markt treffen hier Angebot und Nachfrage aufeinander, nur eben für Unternehmensanteile statt für Waren.
Man unterscheidet zwei Bereiche. Auf dem sogenannten Primärmarkt geben Unternehmen erstmals neue Aktien aus, um sich Kapital zu beschaffen, etwa beim Gang an die Börse. Auf dem Sekundärmarkt, der den weitaus größten Teil des Geschehens ausmacht, handeln Anleger die bereits ausgegebenen Aktien untereinander. Wenn von Kursen und Börsenhandel die Rede ist, ist meist dieser Sekundärmarkt gemeint.
Der Aktienmarkt ist also kein einzelner Ort, sondern die Gesamtheit des Handels mit Aktien. Organisiert und geregelt wird dieser Handel über Börsen, die dafür sorgen, dass Käufer und Verkäufer zusammenfinden und Preise transparent zustande kommen. Damit ist der Aktienmarkt ein zentraler Teil des gesamten Finanzsystems.
Wie die Börse funktioniert
Die Börse ist der organisierte Handelsplatz für Wertpapiere. Ihre Aufgabe ist es, Angebot und Nachfrage zusammenzubringen und den Handel nach festen Regeln ablaufen zu lassen. Früher geschah das auf einem physischen Parkett mit Händlern, heute läuft der allergrößte Teil elektronisch über Computersysteme ab, die Aufträge in Sekundenbruchteilen zusammenführen.
Der Ablauf ist im Prinzip einfach. Wer eine Aktie kaufen möchte, gibt über seine Bank oder einen Broker einen Kaufauftrag auf, wer verkaufen möchte, einen Verkaufsauftrag. Die Börse führt diese Aufträge zusammen: Findet sich zu einem Kaufauftrag ein passender Verkaufsauftrag, kommt ein Geschäft zustande. Der Preis, bei dem sich beide Seiten treffen, ist der Kurs.
Die Börse erfüllt dabei wichtige Funktionen. Sie sorgt für Transparenz, weil Preise und Umsätze öffentlich sichtbar sind, und für Liquidität, weil viele Teilnehmer jederzeit kaufen und verkaufen können. Dadurch lässt sich eine Aktie in der Regel schnell zu einem fairen, vom Markt bestimmten Preis handeln. Diese Handelbarkeit ist ein großer Vorteil von Wertpapieren gegenüber anderen Anlagen wie etwa Immobilien.
Wie Kurse entstehen
Der Kurs einer Aktie ist nichts anderes als der Preis, der sich aus Angebot und Nachfrage ergibt. Wollen mehr Anleger eine Aktie kaufen als verkaufen, steigt der Kurs, weil Käufer bereit sind, mehr zu zahlen. Wollen mehr verkaufen als kaufen, fällt der Kurs. Der Kurs ist also ein ständig neu ausgehandelter Gleichgewichtspreis.
Hinter diesem Wechselspiel stehen die Erwartungen der Marktteilnehmer. Anleger kaufen eine Aktie, wenn sie glauben, dass das Unternehmen sich gut entwickelt, und verkaufen, wenn sie das Gegenteil erwarten. In den Kurs fließen damit unzählige Einschätzungen über die Zukunft eines Unternehmens und der Wirtschaft ein. Neue Informationen, etwa Geschäftszahlen oder Nachrichten, verändern diese Erwartungen und damit die Kurse.
Deshalb schwanken Kurse fortlaufend, oft schon im Sekundentakt. Kurzfristig können sie stark und scheinbar unvorhersehbar ausschlagen, getrieben von Nachrichten und Stimmungen. Langfristig spiegeln sie eher die tatsächliche Entwicklung der Unternehmen wider. Wer das versteht, lässt sich von kurzfristigen Bewegungen weniger beeindrucken. Mehr dazu, wie einzelne Aktienkurse entstehen, steht im Beitrag über Aktien.
Wichtig zu wissen: Kurzfristige Kursbewegungen am Aktienmarkt sind oft von Stimmungen und Nachrichten getrieben und kaum vorhersehbar. Über lange Zeiträume folgen die Kurse stärker der realen Entwicklung der Unternehmen. Geduld ist deshalb ein wichtiger Verbündeter.
Was Indizes zeigen
Um die Entwicklung des gesamten Marktes oder eines Teils davon zu messen, gibt es Aktienindizes. Ein Index fasst eine bestimmte Gruppe von Aktien zusammen und bildet ihre durchschnittliche Entwicklung in einer einzigen Zahl ab. Steigt der Index, sind die enthaltenen Aktien im Mittel gestiegen, fällt er, sind sie gefallen.
Bekannte Leitindizes umfassen die größten und wichtigsten Unternehmen eines Landes oder einer Region und gewichten sie meist nach ihrer Größe. Sie dienen als Gradmesser für die Stimmung und Entwicklung an einem Markt. Wenn in den Nachrichten von steigenden oder fallenden Börsen die Rede ist, beziehen sich diese Aussagen fast immer auf solche Indizes.
Indizes sind nicht nur Messlatten, sondern auch die Grundlage einer der beliebtesten Anlageformen überhaupt. Ein Indexfonds bildet einen Index einfach nach und investiert in alle darin enthaltenen Aktien. So kann man mit einem einzigen Produkt breit gestreut am gesamten Markt teilhaben, statt einzelne Aktien auswählen zu müssen. Wie das funktioniert, erklärt der Beitrag über ETF und Indexfonds.
Wozu der Markt dient
Der Aktienmarkt erfüllt für die Wirtschaft eine zentrale Aufgabe. Er ermöglicht es Unternehmen, sich Kapital zu beschaffen, indem sie Anteile ausgeben, statt Kredite aufzunehmen. Mit diesem Kapital können sie wachsen, investieren und neue Vorhaben finanzieren. Der Markt lenkt damit Geld dorthin, wo es für produktive Zwecke gebraucht wird.
Für die Anleger wiederum bietet der Markt die Möglichkeit, sich an Unternehmen zu beteiligen und an deren Erfolg teilzuhaben. Über Kurssteigerungen und Dividenden können sie an der wirtschaftlichen Entwicklung partizipieren. So verbindet der Aktienmarkt die Kapitalbedürfnisse der Unternehmen mit den Anlagebedürfnissen der Sparer und Investoren.
Darüber hinaus erfüllt der Markt eine Bewertungsfunktion. Durch das ständige Handeln entsteht laufend eine Einschätzung darüber, wie viel ein Unternehmen wert ist. Diese Bewertung ist nicht perfekt und kann zeitweise übertreiben, in beide Richtungen, sie bündelt aber das Wissen und die Erwartungen vieler Marktteilnehmer. Damit ist der Aktienmarkt ein wichtiger Bestandteil einer funktionierenden Marktwirtschaft.
Was das für Anleger bedeutet
Für Privatanleger ergeben sich aus der Funktionsweise des Aktienmarktes einige praktische Lehren. Erstens: Kurzfristige Schwankungen sind normal und kein Grund zur Panik. Wer langfristig anlegt, muss die täglichen Ausschläge nicht fürchten, sondern kann sie aussitzen. Der Markt belohnt über lange Zeiträume eher Geduld als hektisches Handeln.
Zweitens: Es ist für die meisten Anleger schwierig bis unmöglich, den Markt dauerhaft zu schlagen, indem man einzelne Gewinneraktien herauspickt oder den richtigen Zeitpunkt errät. Der Markt verarbeitet Informationen sehr schnell, sodass ein Vorsprung kaum zu erzielen ist. Deshalb fahren viele Anleger gut damit, einfach breit gestreut am gesamten Markt teilzuhaben.
Drittens: Wer am Aktienmarkt investiert, sollte nur Geld einsetzen, das er längere Zeit nicht braucht, und vorher ein finanzielles Polster aufbauen, wie im Beitrag über Rücklagen beschrieben. Der Aktienmarkt ist ein mächtiges Werkzeug für den langfristigen Vermögensaufbau, wenn man seine Mechanismen versteht und sich nicht von kurzfristigen Bewegungen aus der Ruhe bringen lässt. Wie man konkret anlegt, zeigt der Beitrag über Investition.
Häufige Fragen
Der Aktienmarkt ist der Ort, an dem Aktien gehandelt werden, also Anteile an Unternehmen. Er bringt Käufer und Verkäufer zusammen und bildet über Angebot und Nachfrage die Kurse. Organisiert und geregelt wird der Handel über Börsen.
An der Börse treffen Kauf- und Verkaufsaufträge aufeinander, heute meist elektronisch. Der Preis, zu dem sich Angebot und Nachfrage treffen, ist der Kurs. Die Börse sorgt für geregelten, transparenten Handel und ermittelt laufend die Preise.
Ein Aktienindex fasst eine Gruppe von Aktien zusammen und bildet deren Entwicklung in einer Zahl ab. Er dient als Messlatte für einen Markt und zeigt, wie sich die enthaltenen Unternehmen im Durchschnitt entwickeln. Indizes sind auch die Basis von Indexfonds.
Kurzfristig kaum, denn der Markt reagiert schnell und oft unvorhersehbar auf Nachrichten und Stimmungen. Über lange Zeiträume folgen die Kurse eher der realen Entwicklung der Unternehmen. Den Markt dauerhaft zu schlagen, gelingt nur sehr wenigen.